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Siemens-Aufsichtsräte beraten über Löschers Zukunft

27.07.2013 | 18:12 Uhr
Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher, muss um seinen Job fürchten.
Der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, Peter Löscher, muss um seinen Job fürchten.Foto: Andreas Gebert/dpa

München  Im Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Siemens-Chefs Peter Löscher haben sich am Samstag die Hinweise auf eine Entscheidung noch am Abend verdichtet. In dem Kontrollgremium liefen bereits seit mehreren Stunden Beratungen über das Thema, verlautete aus gut informierten Kreisen.

Von Siemens war dazu am Samstag keine Stellungnahme zu erhalten. Löscher steht möglicherweise vor der Ablösung, nachdem Siemens am Donnerstag mit der zweiten Gewinnwarnung in nicht einmal drei Monaten die Börsen verschreckt hatte.

Noch am Freitag hatte Löscher wissen lassen, dass er seinen Posten nicht kampflos aufgeben wolle. «Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen», sagte der Manager der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag). «Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je.»

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hatte berichtet, dass das Aufsichtsratspräsidium unter dem Vorsitz von Gerhard Cromme am Wochenende einen Wechsel an der Siemens-Spitze in die Wege leiten dürfte. Dem Präsidium gehören auch der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, IG-Metall-Chef Berthold Huber sowie der Chef des Siemens-Gesamtbetriebsrates, Lothar Adler, an. Bereits am Vortag war bekanntgeworden, dass am Wochenende zudem getrennte Beratungen der Aufsichtsräte von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite laufen.

Die nächste reguläre Sitzung des Kontrollgremiums steht am kommenden Mittwoch (31. Juli) an. Als möglicher Nachfolgekandidat für den Österreicher, der den Elektrokonzern seit 2007 führt, ist neben Finanzvorstand Joe Kaeser auch der Chef des wichtigen Siemens-Industriesektors, Siegfried Russwurm, im Gespräch.

Im Fokus stehe nun die Frage, wer die Verantwortung für die Streichung des Gewinnziels für das kommende Jahr trage, hieß es in der «Börsen-Zeitung». Siemens hatte am Donnerstag bekanntgegeben, dass die für 2014 angepeilte operative Marge von mindestens zwölf Prozent voraussichtlich nicht erreicht werde. Das Margenziel, also der Anteil vom Gewinn am Umsatz, war ein Herzstück des milliardenschweren Sparprogramms bei Siemens.

Die Hiobsbotschaft hatte die Siemens-Aktien auf steile Talfahrt geschickt. Nach Spekulationen um eine möglicherweise bevorstehende Ablösung Löschers ging es dann am Freitag für die Papiere wieder kräftig aufwärts.

Finanzvorstand Kaeser habe die Kontrolleure bereits vor Monaten vor Defiziten des Unternehmensprogramms gewarnt, hieß es in der «Börsen-Zeitung» weiter: Ende April habe Kaeser darauf hingewiesen, dass das Programm keine Einmalkosten im Jahr 2014 vorsehe. Dies sei erfahrungsgemäß unrealistisch, weil gewöhnlich rund eine halbe Milliarde Euro an Einmaleffekten anfalle. Zudem habe Kaeser den geplanten sprunghaften Anstieg des Umsatzes als ambitioniert bezeichnet. Bei dem Unternehmen war auch dazu am Samstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Elektrokonzern kämpft mit der Konjunkturflaute und teuren, hausgemachten Projekt-Pannen. Schon für das laufende Geschäftsjahr, das am 30. September endet, hatte Löscher die Gewinnprognose Anfang Mai kappen müssen.

(dpa)

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