Showdown im Machtkampf bei VW - Winterkorn vor dem Aus?

Machtkampf bei Volkswagen: Vorstandschef Martin Winterkorn (li.) steht mächtig in der Kritik. Einer der weiter zu ihm steht ist der VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.
Machtkampf bei Volkswagen: Vorstandschef Martin Winterkorn (li.) steht mächtig in der Kritik. Einer der weiter zu ihm steht ist der VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.
Foto: Jochen Lübke/Archiv
Was wir bereits wissen
Der engste VW-Führungszirkel ist am Donnerstag zusammenkommen, um einen Ausweg aus der Krise zu finden. Eine Stellungnahme gibt es am Freitag.

Wolfsburg/Stuttgart.. Der engste Kreis des Volkswagen-Aufsichtsrats hat sich am Donnerstag über einen Ausweg aus der Führungskrise beraten. Das Präsidium kam außer der Reihe zusammen, nachdem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch am vergangenen Freitag von Konzernchef Martin Winterkorn abgerückt war und damit einen Wirbel im Unternehmen selbst und bei den Eigentümern ausgelöst hatte.

VW Das Präsidium ist mit seinen sechs Mitgliedern der Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats und bereitet die entscheidenden Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Das Präsidium tagte in Salzburg und wollte im Laufe des Freitags eine Stellungnahme veröffentlichen.

In dem Gremium sitzen: Ferdinand Piëch (Vorsitz), Berthold Huber von der IG Metall (stellvertretender Vorsitz), VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sowie der Osterloh-Vize Stephan Wolf.

Winterkorns Vertrag als Volkswagen-Chef läuft Ende 2016 aus

Winterkorn war bis zu der Piëch-Aussage im "Spiegel" ("Ich bin auf Distanz zu Winterkorn") als Nachfolger des VW-Patriarchen an der Spitze des Aufsichtsrates gehandelt worden. Neben der Distanz-Ansage zitierte das Nachrichtenmagazin Piëch auch mit den Worten: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen."

Volkswagen Mit diesen Aussagen steht nicht nur Winterkorns möglicher Wechsel an die Spitze des Kontrollgremium infrage, sondern auch sein weiterer Verbleib im Vorstand. Winterkorns Vertrag als Volkswagen-Chef läuft Ende 2016 aus, Piëchs Kontrakt als Aufsichtsratschef hat eine Laufzeit bis zum Frühjahr 2017.

Machtkampf mit Piëch ist eskaliert

Mit der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat und den zwei Vertretern des VW-Großaktionärs Niedersachsen auf der Kapitalseite hat sich eine Allianz für Winterkorn ausgesprochen. Doch in der derzeitigen Führungskrise geht es möglicherweise nicht ums Stimmenzählen der Mandate im Aufsichtsrat.

Übereinstimmend sagen Insider, dass eine offene Frontenbildung im Aufsichtsrat gegen Piëch eher unwahrscheinlich ist. Der Aufsichtsratschef und Vertreter der Piëch-Eigentümerfamilie gilt als das VW-Machtzentrum.

Wolfgang Porsche ist im Präsidium der Sprecher des Familienzweigs der Posches, der zusammen mit den Piëchs die Stimmenmehrheit an VW hält. Porsche hatte Ferdinand Piëchs vernichtendes Zitat zunächst als "Privatmeinung" zurückgewiesen. Die Aussage sei nicht abgestimmt.

Dirk Roßmann hält Demontage von Winterkorn für stillos

Der Familienunternehmer Dirk Roßmann hält die öffentlich vorangetriebene Demontage von Winterkorn für stillos. "Ich sage: Das ist ein No-Go, das geht gar nicht. Solche Probleme müssen intern besprochen werden, das darf nicht nach außen getragen werden", sagte der Gründer und Chef der Drogeriemarktkette Rossmann der Deutschen Presse-Agentur.

Führungsspitze Piëch habe mit Sicherheit seine Gründe, womöglich gebe es Differenzen in der Konzernstrategie. "Aber: Das nach außen zu tragen, ist der falsche Weg. Und das, glaube ich, weiß Herr Piëch auch ganz genau", sagte Roßmann. "Dennoch tut er es."

Unter Winterkorns gut achtjähriger Ägide - er wurde 2007 Konzernchef - legten die Auslieferungen des heute größten Autobauer Europas nach dpa-Berechnungen um 64 Prozent zu, der Umsatz um 86 Prozent, das operative Ergebnis vervierfachte sich. Bei seinem Amtsantritt zählte der Konzern 329.000 Mitarbeiter. Heute sind es, auch dank vier neuer Marken, fast 600.000 Menschen. (dpa)