Schweizer Paukenschlag lässt den Euro abstürzen

Zürich..  Die Schweiz hat völlig überraschend die Kopplung ihres Franken an den Euro aufgehoben und damit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Seit mehr als drei Jahren galt ein Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro, der die heimische Währung künstlich billig machen sollte, um Schweizer Exporteuren zu helfen. Die Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Donnerstag ließ den Aktienmarkt in Zürich einbrechen. Der Franken wurde massiv teurer gehandelt. Die Börsen gingen auch außerhalb der Schweiz auf Achterbahnfahrt.

Der Euro fiel zwischenzeitlich auf 1,1575 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 2003. Die Finanzmärkte wurden vom spektakulären Schritt der Schweizer auf dem falschen Fuß erwischt. Der deutsche Leitindex Dax und andere europäische Börsen knickten ein, fingen sich aber wieder. Der Dax sprang schließlich sogar über die psychologische wichtige Marke von 10 000 Punkten. Analysten fanden drastische Worte, sie sprachen von einem „Schocker“, gar von einer „Kapitulation“ der Notenbank. Deren Glaubwürdigkeit wurde in Frage gestellt.

Eingeführt hatte die SNB den Mindestkurs in der heißen Phase der Euro-Schuldenkrise. Damals hatten viele Anleger aus dem krisengeschüttelten Währungsraum ihr Geld in der als sicher geltenden Schweiz angelegt. Die darauf folgende deutliche Aufwertung des Franken belastete den eigenen Export.

SNB-Chef Thomas Jordan rechtfertigte die überraschende Aufgabe des Franken-Mindestkurses. Ein Festhalten an dem Kursziel hätte auf lange Sicht keinen Sinn ergeben. „Der Ausstieg musste überraschend erfolgen“, erklärte er. Die SNB begründete die jetzige Aufhebung des Mindestkurses auch mit der Abschwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Gleichzeitig habe der Franken zum Dollar abgewertet. Der Euro-Franken-Mindestkurs sei daher „nicht mehr gerechtfertigt.“ Hintergrund ist auch die unterschiedliche Entwicklung der Geldpolitik in den bedeutenden Währungsräumen, hieß es. Während in den USA die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise ansteht, dürfte die Europäische Zentralbank am 22. Januar mit breit angelegten Anleihekäufen eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik beschließen. Das kann den Euro weiter schwächen. Die SNB hätte dann noch mehr Euro kaufen müssen, um ihren Franken zu verteidigen.

Finanzexperten kritisierten die SNB. „Durch die Entscheidung gefährdet die Notenbank ihre Glaubwürdigkeit, da sie sich immer zu dem Mindestkurs bekannt hatte“, sagte Ulrich Wortberg, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Die SNB hatte stets versichert, den Mindestkurs unter allen Umständen zu verteidigen und dazu unbegrenzt Euro anzukaufen.

Die Ausfuhren der Schweiz dürften unter der Entscheidung stark leiden. Nach Einschätzung der Großbank UBS könnte die Exportwirtschaft um fünf Milliarden Franken schrumpfen. Produkte aus der Schweiz und Urlaub dort werden teurer. Gleichzeitig dürfte es Unternehmen aus Deutschland leichter fallen, in die Schweiz zu exportieren.

Zugleich senkte die Notenbank ihre Leitzinsen weiter ins Negative, um die Aufwertung des Franken zu bremsen. Der Zins für Bankeinlagen bei der SNB fällt um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent.

Der Euro geriet im Vergleich zum Franken gestern stark unter Druck. Zeitweise fiel er auf das Rekordtief von 0,8517 Franken, erholte sich aber wieder auf 1,043 Franken.