Schonfrist für Siemens-Chef ist vorbei

München..  Die Schonfrist für Siemens-Boss Joe Kaeser ist abgelaufen. Anderthalb Jahre nach seinem Amtsantritt musste er auf der Hauptversammlung in der Münchener Olympiahalle heftige Kritik einstecken. Viele Mitarbeiter – auch am Standort Mülheim – bangen um ihre Arbeitsplätze. Gleichzeitig murren die Aktionäre über schwache Zahlen und strategische Fehler. Ohne Zahlen zu nennen, ließ Kaeser gestern kaum Zweifel daran, dass über den bereits beschlossenen Abbau von 1200 Stellen weitere Arbeitsplätze wegfallen werden.

„Mit der Akquisition von Dresser Rand haben Sie viel Kredit verspielt“, kritisierte Fondsmanager Henning Gebhardt. Damit gemeint ist der jüngste Zukauf des US-Konzerns für knapp sieben Milliarden Euro, den Kaeser zu verantworten hat. Mit der US-Firma will Siemens im großen Stil einen Fuß ins Öl- und Gasgeschäft in den USA bekommen. Nur hat sich der Ölpreis seit der Kaufentscheidung auf unter 50 Dollar je Barrel praktisch halbiert. Kaeser beschwört dagegen eisern, mit seiner Öl- und Gasstrategie das Richtige zu tun. Der Verfall des Ölpreises sei nur vorübergehend.

Zwiespältige Zwischenbilanz

Seine Zwischenbilanz nach 18 Monaten bleibt zwiespältig. Allseits gelobt wurde beim Eignertreffen der vom Siemens-Chef verordnete Konzernumbau mit einer organisatorischen Konzentration von 16 auf neun Geschäftsfelder. Die Bahnsparte ist kein Sorgenkind mehr und Randgeschäfte wie Bosch Siemens Hausgeräte wurden verkauft.

Das heißeste Eisen will Kaeser kommende Woche anpacken – einen deutlich stärkeren Stellenabbau. Darüber wird seit Mai 2014 spekuliert, von bis zu 12 000 Stellen ist die Rede. Kaeser will zunächst mit den Arbeitnehmervertretern reden, erst dann werde die Öffentlichkeit informiert. Vom bekannten Abbau ist auch Mülheim betroffen. Dort werden 299 Stellen gestrichen.