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Schluss-Spurt um Steag

08.09.2010 | 18:24 Uhr
Schluss-Spurt um Steag
Das neue Steag-Heizkraftwerk in Duisburg-Walsum hat einen 181 Meter hohen Kühlturm. Foto: Friedhelm Geinowskii

Essen. Ein Stadtwerke-Verbund, Remondis und die türkische Park-Holding wollen jeweils die Mehrheit am Kohleverstromer. In Finanzkreisen heißt es, das kommunale Konsortium habe derzeit gute Karten in dem Poker.

Der Bieterprozess um die Evonik-Tochter Steag geht mit drei Bietern in die entscheidende Runde. Nach Informationen von DerWesten dürfen das Stadtwerke-Konsortium Rhein Ruhr, der Entsorger Remondis aus Lünen sowie die türkische Park-Holding bis Ende Oktober jetzt verbindliche Angebote für den Essener Stromerzeuger abgeben. Alle drei Bieter haben den Informationen aus Finanzkreisen zufolge ein Angebot für die Mehrheit abgegeben.

Dem Stadtwerke-Konsortium aus bislang acht kommunalen Versorgern aus dem Ruhrgebiet und der Region Niederrhein ist auch die Stadtwerke Saarbrücken AG beigetreten. Dem Konsortium unter Führung der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe (DVV) ist als Finanzpartner der Allianz-Konzern angegliedert.

In zweiter Reihe stehen noch ein Bieter aus Indien, die Hinduja Group, die jüngst die Privatbank Merck Finck & Co. erworben hat, sowie der tschechische Finanzinvestor EPH. Die Tür für diese Bieter sei noch nicht ganz zu.

Kommunales Konsortium

In Finanzkreisen heißt es, das kommunale Konsortium habe derzeit gute Karten in dem Poker, allerdings seien auch die anderen Gebote sehr ernstzunehmen. So hat der Entsorger Remondis als Berater die Investmentbank Rothschild hinzugezogen, die Park Holding (aktiv im Geschäft mit Kraftwerken, Minen, Medien und Reisen) des Milliardärs Turgay Ciner arbeitet mit Credit Suisse.

Das Stadtwerke-Konsortium (Bochum, Essen, Dinslaken, Krefeld, Saarbrücken, Oberhausen sowie aus Dortmund DEW 21 sowie DSW 21) hat die Investmentbank Lazar im Rücken. Für Remondis könnte Steag interessant sein, um eine Wertschöpfungskette über das Müllgeschäft hinein in die Energieerzeugung zu schaffen – ob in der Müllverbrennung oder über Ersatzbrennstoffen bei Biomasse.

Hochpolitischer Prozess

Der Verkauf der Steag ist ein hochpolitischer Prozess. Kommenden Dienstag wird das Thema auch in der Kuratoriumssitzung des Evonik-Mehrheitseigentümers RAG-Stiftung diskutiert. Im Kuratorium sitzen neben gewählten Kuratoren die Regierungschefs der Bergbau-Länder NRW und Saarland, Hannelore Kraft (SPD) und Peter Müller (CDU), sowie die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen. Die maßgebliche Rolle im Verkauf sehen Beobachter jedoch bei der IG BCE und deren Vorsitzendem Michael Vassiliadis, ebenfalls geborenes Mitglied im Kuratorium. Beschlusslage der IG BCE ist es, nicht die Mehrheit an der Steag abgeben zu wollen, sondern höchstens 49 Prozent. So hat das auch Evonik kommuniziert.

Die Bieter aber wollen das Sagen haben. Die Stadtwerke machen sich durchaus Hoffnung, auf dem Verhandlungswege den Zuschlag zu erhalten. Darauf deuten auch die Prioritäten hin, die für den Verkauf gesetzt sind: Einverständnis des Sozialpartners – bei den Stadtwerken ist das die Gewerkschaft Verdi, im Falle der Steag die IG BCE; ein überzeugendes Strategiekonzept wird ebenso erwartet wie die nötigen Mittel zur Weiterentwicklung des Konzerns.

Wichtiger Pflock für die IG BCE

Für die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hat die Steag strategische Bedeutung. Schließlich muss die IG BCE damit rechnen, dass sie nach dem Auslaufen des Steinkohlebergbaus 2018 auf Chemie und Energie reduziert ist. Beim Eon-Konzern hat die IG BCE ihre starke Stellung bereits an Verdi abgeben müssen, auch bei RWE dominiert Verdi unter dem Vize-Aufsichtsratschef Frank Bsirske (Grüne). Die Steag könnte nun ein wichtiger Pflock sein, den die IG BCE bei den Verhandlungen in der Energiebranche einschlägt.

Politisch ist der Verkauf zudem, weil Rot-Grün im Koalitionsvertrag den Erhalt industrieller Kernkompetenzen von Evonik in NRW verlangt. Und: Immerhin würde zu dem Oligopol aus RWE, Eon, EnBW und Vattenfall ein fünfter großer Wettbewerber treten. Steag und Stadtwerke kämen auf über acht Milliarden Euro Umsatz und 20 000 Beschäftigte. Vor dem Hintergrund der Debatte um die Atomlaufzeiten dürfte so ein neuer Energie-Wettbewerber auch der Kanzlerin gefallen.

Thomas Wels

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