Schlingerkurs und hohe Gehälter

Frankfurt..  Montag und Dienstag Kirch-Prozess in München, Donnerstag Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle: Für Jürgen Fitschen wird es eine anstrengende Woche. Doch der Co-Chef der Deutschen Bank gibt sich gelassen – wie auch Anshu Jain, der zweite Mann an der Spitze des Instituts.

Er freue sich, in München demnächst seine Position verdeutlichen zu können, dass er unschuldig ist. Den Vorwurf der Staatsanwälte, er habe im Kirch-Prozess gelogen und betrogen oder zumindest Falschaussagen ehemaliger Vorstandschefs- und Vorstandsmitglieder nicht verhindert, hält der 66-Jährige für absurd. Fitschen sieht keinen Grund, sein Amt für die Dauer des Prozesses ruhen zu lassen. Überhaupt sind die beiden Manager fest überzeugt, dass sie weiter die Richtigen an der Spitze der Deutschen Bank sind. Jain sagt, das Beste was er tun könne sei, die Probleme der Bank zu lösen. Investoren und Anleger hegen allerdings Zweifel, ob da die richtigen Missionare am Werk sind.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert eine externe Überprüfung der Rechtsstreitigkeiten. Immer noch sollen 6000 Verfahren offen sein. 3,5 Milliarden Euro hat die Bank bereits für weitere Strafen und Vergleiche zurückgelegt. Die mächtige US-Investorenvereinigung ISS rät ebenso wie die deutsche Aktionärsberatung Ivox, Fitschen, Jain und den gesamten Vorstand nicht zu entlasten.

Insgesamt liegen für die Hauptversammlung fast ein Dutzend Gegenanträge vor, die auch bemängeln, dass vom versprochenen Kulturwandel wenig zu sehen sei und Vorstand und Investmentbanker weiter großzügig bezahlt würden, während die Aktionäre knapp gehalten würden. Auch die Strategie wird diskutiert. Vor einem Jahr auf der Hauptversammlung lobte Jain die Postbank überschwänglich. Elf Monate später soll sie abgestoßen werden.