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Schienenkartell-Affäre

Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell

11.09.2012 | 19:18 Uhr
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
Das Berliner Etablissement Bel Ami wurde vom Schienenkartell häufig besucht.Foto: Getty Images

Essen.   Die Affäre um das Schienenkartell weitet sich aus. Nach Recherchen der WAZ Mediengruppe hatte das Kartell für Preisabsprachen zu Lasten kommunaler Verkehrsbetriebe Deutschland in vier Zonen aufgeteilt. Nach den Verhandlungen wurden häufig Bordelle besucht.

Informationen zufolge, die dem Bundeskartellamt vorliegen, umfasste die Kartellzone „West“ NRW und das Saarland. Hier hatte Thyssen-Krupp-Tochter GFT Gleistechnik die Führung des Kartells. Treffen von Thyssen-Krupp und Voest­alpine wurden telefonisch verabredet, um Vergaben an kommunale Verkehrsbetriebe zu manipulieren. Dabei wurde berücksichtigt, welcher Konzern gute Kontakte zu den Kunden hatte, um auch langfristig ein „in sich stimmiges Preisgefüge“ vorspielen zu können.

Insgesamt gab es bis zu 20 Kartellabsprachen pro Jahr zu lasten kommunaler Betriebe. Bereits bekannt waren Preismanipulationen in großem Stil auf Kosten der Deutschen Bahn. Im nun aufgedeckten Fall geht es vor allem um städtische Großprojekte wie U-Bahnen oder neue Straßenbahnen. Der jeweilige Auftragnehmer der Kommunen gab in der Regel Unteraufträge an seine Kartellpartner weiter. Die Details zu den Absprachen zeichnete vor allem Thyssen-Krupp auf. Betroffen waren in erster Linie die Düsseldorfer Rheinbahn und die Essener Verkehrs AG (Evag).

Thyssen-Krupp führte die Zone „West“

Letztere erklärte gestern, nach Hinweisen der Bochumer Staatsanwaltschaft ihre Akten zu prüfen. Wenn möglich, werde man das zu viel gezahlte Geld zurückfordern, „und zwar mit Zins und Zinseszins“, so ein Evag-Sprecher.

Verkehrsbetriebe
Evag fahndet nach Betrugs-Schäden durch "Schienen-Kartell"

Nach Bekanntwerden des Verdachts milliardenschwerer Preisabsprachen durch das so genannte „Schienen-Kartell“ zum Nachteil kommunaler Verkehrsunternehmen hat die Evag ihre hausinterne Revision eingeschaltet. „In der kommenden Woche dürften wir einen ersten Überblick haben“, so ein Sprecher.

Nach Kartellabsprachen in der Zone „West“ soll es, wie auch sonst im Kartell üblich, zu Besuchen im Rotlicht-Milieu gekommen sein. In Oberhausen soll regelmäßig ein Swingerclub aufgesucht worden sein, ebenso in Ratingen. Dieser Zeitung liegt eine Liste von mehr als 25 Teilnehmern der Sex-Parties vor. Gerichtlich festgestellt wurden 35 Bordellbesuche, die ein Geschäftsführer mit dem Decknamen „Nuttenprinz“ über Firmenkonten der Voestalpine abrechnete. Zusätzlich hätten weitere Mitarbeiter Bordellbesuche als Bewirtungen verrechnet, sagte der „Nuttenprinz“. Zu den Teilnehmern der Sex-Orgien, bei denen auch Champagner der Marke Moet & Chandon floss, sollen neben Kartellmitgliedern auch Mitarbeiter kommunaler Betriebe gehört haben.

Etliche Bordellbesuche des Kartells führten auch nach Berlin, ins „Bel Ami“. „Da ging es drunter und drüber“, sagte ein Teilnehmer der Partys. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt. Thyssen-Krupp und Voestalpine wollten sich zu den Ermittlungen nicht äußern.

Bahn-Absprachen in der Zone „Ost“

Von Berlin aus wurde die Zone „Ost“ unter anderem vom „Nuttenprinz“ gesteuert. Hier wurden die wichtigsten Projekte der Deutschen Einheit und der Hochgeschwindigkeitstrassen der Deutschen Bahn verschoben. Dabei handelte das Kartell nicht direkt mit der Bahn Preise aus, sondern rechnete über zwischengeschaltete Baufirmen ab. Der Umsatz ging in die Milliarden. Von den Kommunalbetrieben wurden vor allem die Berliner und Leipziger Verkehrsbetriebe ausgenommen. In der Zone „Nord“ reicht das Kartell mindestens bis Anfang der 80er Jahre zurück. Betrogen wurden die Hamburger Hochbahn und die Bremer Straßenbahn. Hier wurden die Absprachen erst im März 2011 beendet. In der Kartellzone „Süd“ wurden vor allem die Stadtwerke München geschädigt.

David Schraven



Kommentare
13.09.2012
22:11
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von Tyler-Durden | #11

von schnurri23 | #8

Wie primitiv sind doch einige Männer gestrickt, die einen Puffbesuch als Belohnung ansehen.
Noch schlimmer die Missachtung der Vorgesetzten, Ihren Mitarbeitern so etwas anzubieten.

Und Frauen würden sich halt dann als Belohnung in einen Schuhladen einladen lassen,
mit der Möglichkeit "kostenlos" zu shoppen
;-)

12.09.2012
12:31
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Name von Moderation entfernt | #10

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12.09.2012
12:15
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Name von Moderation entfernt | #9

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12.09.2012
11:38
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von schnurri23 | #8

Wie primitiv sind doch einige Männer gestrickt, die einen Puffbesuch als Belohnung ansehen.
Noch schlimmer die Missachtung der Vorgesetzten, Ihren Mitarbeitern so etwas anzubieten.

12.09.2012
09:22
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von grundwissen | #7

Mafiöse Geschäftspraktiken von Ehrenmännern mit weißem Kragen und Krawatte erinnern doch stark an die Verstrickungen auf höchster Ebene im Volkswagenkonzern und an den Namen Peter Hartz. FAZ-online, 30.09.2005: "In der VW-Affäre um angebliche Luxusreisen und Edelprostituierte (...) Hartz war (...) knapp sechs Stunden lang als Zeuge vernommen worden. Anschließend erschien ein Interview mit dem von dem Autokonzern mittlerweile gekündigten Personalmanager Hans-Joachim Gebauer. Dieser erhebt darin schwere Vorwürfe auch gegen seinen früheren Chef Hartz, die er mit eidesstattlichen Versicherungen bekräftigt. Gebauer schildert (,,,) ein System organisierter Selbstbedienung, in das er eingebunden gewesen sein will. Nach seiner Darstellung war er das Bindeglied zwischen Vorstand und Betriebsrat. Gegen dessen bisherigen Vorsitzenden Klaus Volkert wird mittlerweile wegen des mutmaßlichen Aufbaus von Tarnfirmen zulasten seines Arbeitgebers ermittelt."

12.09.2012
09:19
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von wissenhilft | #6

Kartellbildung und -absprachen sind so alt wie der Kapitalismus selbst.
Auch wenn konservativ-neoliberale Kreise immer wieder ihren "Gott" freie Marktwirtschaft anbeten, genau diese Kartelle, die im verborgenen agieren und vermutlich auch nur die Spitze eines riesigen Müllberges darstellen, sind beispielhaft dafür, dass eine Marktwirtschaft eben nur mit strenger staatlicher Kontrolle auch dem Bürger nutzt.
Ölkonzerne, Energiemafia, Pharmaindustrie....um nur ein paar Beispiele zu nennen, es gibt viele Mitspieler. Und alle haben ein gemeinsames Ziel: Profitmaximierung. Da arbeitet man auch gerne mal mit der Konkurrenz eng zusammen, schließlich profitieren letztlich alle davon, wenn die Preise künstlich hochgehalten werden.
Da gönnt man sich auch gern mal Lustreisen, Sonderzahlungen oder den Swingerclub, ganz exclusiv natürlich, man hat es ja. Und das nicht nur bei den ganz Großen, gerade auf kommunaler Ebene, bei Auftragsvergabe ans Handwerk zB, wird geschmiert bis der Arzt kommt....

12.09.2012
08:56
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von OmenEstNomen | #5

Ist doch auch egal mit wem das passiert wäre. Viel verwerflicher ist der erste Teil des Abends.

12.09.2012
08:38
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von flummi1974 | #4

@ harrass und @ Hugo60:Das hat nichts mit dem Geschlecht oder der sexuellen Ausrichtung zu tun,

12.09.2012
08:23
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von Hugo60 | #3

Mit Schwulen wäre das nicht passiert.

1 Antwort
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von holmark | #3-1

Schwule hätten die boys ins Haus bestellt...

12.09.2012
07:41
Dieser Zeitung liegt eine Liste von mehr als 25 Teilnehmern der Sex-Parties vor ...
von machtlos | #2

... darf ich da mal reingucken?

1 Antwort
Schienenkartell - Erst Preise abgesprochen, dann ins Bordell
von pritt1 | #2-1

...ich auch?

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