Saturn, Kik, Rewe, dm: Das Ende der Gratis-Plastiküten

Plastiktüten verschmutzen die Weltmeere.
Plastiktüten verschmutzen die Weltmeere.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Die Plastiktüte hat einen schweren Stand. Unternehmen wie Saturn, Kik, Rewe und die Drogeriemarktkette dm haben ihr den Kampf angesagt.

An Rhein und Ruhr.. Der Textildiscounter Kik will sein Image polieren und schlägt ab Oktober 2015 einen neuen Weg ein. Das Unternehmen plant, dann keine Plastiktüten mehr zu verkaufen und setzt auf Baumwollbeutel und Permanent-Tragetaschen. Damit sollen jährlich rund 33 Millionen Plastiktüten eingespart werden. „Die neuen Taschen schonen die Umwelt, sind langlebig und sehen außerdem schick aus“, meint zumindest Kik-Chef Heinz Speet. Eine sechsmonatigen Testphase sei erfolgreich verlaufen. Das Ergebnis: Künftig kosten die neuen Taschen zwischen 75 Cent und einem Euro.

Drogeriekette Kik ist bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das aktiv wird. Auch der Elektronikhändler Saturn hat die kostenlose Plastiktüte aus den Filialen verbannt. „Ende 2014 haben wir in vielen Saturnmärkten eine Testphase gestartet und Plastiktüten nur noch gegen eine Gebühr ausgegeben. Dadurch hat sich der Verbrauch um rund 80 Prozent reduziert“, sagt eine Unternehmenssprecherin der Media-Saturn-Holding GmbH. Das Modell habe sich etabliert. Seit Anfang dieses Jahres müssen Kunden für Plastiktüten – je nach Größe – zwischen fünf und 50 Cent zahlen. Außerdem hat Saturn eine Mehrwegtasche eingeführt.

Wer in der Vergangenheit beim Drogeriemarkt DM eingekauft hat, konnte sich sicher sein, an der Kasse kleine Plastiktüten in nahezu unbegrenzter Zahl gratis zu bekommen. Das ist in vielen Filialen jetzt nicht mehr der Fall. Geschäftsführer Christoph Werner: „Wir beschäftigen uns schon seit einiger Zeit mit der Frage, welche Einkaufstaschen von unseren Kunden gewünscht sind und inwieweit wir dies mit den Aspekten der ökologischen Nachhaltigkeit vereinbaren können.“ Deshalb habe das Unternehmen an einigen Standorten den Test gestartet, keine Plastiktüten mehr anzubieten. „Unsere Kunden haben das überwiegend positiv aufgenommen“, sagt Werner. In jeder Filiale dürfe eigenverantwortlich entschieden werden, ob es einen Plastiktüten-Verzicht gibt.

EU-Richtlinie kann erfüllt werden

Hintergrund der Veränderungen sind auch politische Bemühungen, den Verbrauch von Plastiktüten zu reduzieren. „Die Initiative zeigt, dass das Thema auf der Agenda des Handels steht“, sagt Kai Falk, Geschäftsführer des Deutschen Handelsverbands (HDE). Dass Deutschland das durch eine EU-Richtlinie vorgegebene Ziel, bis ins Jahr 2025 einen Pro-Kopf-Verbrauch von 40 Tüten pro Jahr erreichen wird, hält er für realistisch. Falk: „Dadurch, dass sich viele Unternehmen schon in der Vergangenheit dazu entschieden haben, Plastiktüten nur gegen ein Entgelt rauszugeben, liegen wir mit aktuell 71 Tüten pro Kopf im Jahr gut.“

Umweltschutz Auch die Kölner Rewe-Gruppe hat das Thema Plastiktüten aufgegriffen. „Wir begrüßen die öffentliche Diskussion und geben Plastiktüten schon seit Jahrzehnten ausschließlich kostenpflichtig ab“, betont Rewe-Sprecher Marco Sander. Zusätzlich bietet das Unternehmen auch Tragetaschen aus recyceltem PET und Baumwolltaschen an. Die tatsächlichen Umweltauswirkungen würden hier aber von zahlreichen Faktoren, wie zum Beispiel der (Rohstoff-) Herstellung, der Anzahl der Nutzungen und der Entsorgung beziehungsweise des Recyclings abhängen.

Und genau bei diesen vermeintlich kompostierbaren Plastiktüten sieht Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack Probleme. „Diese Plastiktüten sind reine Augenwischerei“, sagt er und beruft sich damit auf eine Studie der Deutschen Umwelthilfe. Neben der Rewe-Gruppe würde das auch die Tüten von Aldi betreffen. Aldi betont, die kompostierbaren Tüten wieder vom Markt genommen zu haben. Man arbeite weiterhin daran, Verpackungen und Tragetaschen nachhaltiger zu gestalten.

Thilo Maack rät, sich ein Beispiel an anderen Ländern zu nehmen: „Irland und Australien haben uns vorgemacht, wie es geht.“ Irland hat die Steuern erhöht, Australien gar ein Verbot ausgesprochen.