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Euro-Krise

RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht

25.12.2012 | 17:21 Uhr
Der RWI-Präsident erwartet "konjunkturell magere Zeiten".Foto: dpa

Essen.  Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph Schmidt, erwartet im neuen Jahr "konjunkturell magere Zeiten". Schmidt sagte in einem Interview, für den Jahresdurchschnitt 2013 sei mit einem Wirtschaftswachstum von nur 0,3 Prozent zu rechnen.

Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten auch 2013 große Risiken durch die europäische Schuldenkrise. Besorgt äußerte sich am Dienstag unter anderem der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph Schmidt. Er warnte in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd: "Die Schuldenkrise ist nicht gelöst."

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, sagte: "Die deutsche Wirtschaft kann sich der im Euroraum ausbreitenden Rezession nicht entziehen." Die Nachfrage aus den Euroländern sei bereits kräftig gesunken - und die "Verunsicherung durch die Eurokrise" bleibe bestehen.

Der Konjunkturexperte des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Kai Carstensen, sagte: "Es kann jederzeit zu einer erneuten Eskalation kommen." Er befürchte, "dass wir in einem Jahr noch mehr Rettungsmechanismen etabliert sehen werden und Eigenverantwortung noch weniger gilt als bisher".

RWI: Probleme können immer wieder aufbrechen

Schmidt warnte, die Ankündigung unbegrenzter Interventionen durch die Europäische Zentralbank und die Beschlüsse des Europäischen Rates hätten "nur etwas Luft verschafft". Von daher könnten die Probleme immer wieder aufbrechen.

Krise bei ThyssenKrupp

Der RWI-Präsident, der einer der "Wirtschaftsweisen" ist, forderte die Bundesregierung auf, "in der Krise des Euro-Raums Standhaftigkeit zu bewahren". Dies gelte auch gegenüber "Forderungen von außen sowohl nach einer allzu schnellen Einrichtung einer halbherzig ausgestalteten Bankenunion als auch nach einer Übernahme von Haftungsrisiken, die nicht hinreichend an die Gegenleistung von Konsolidierung und Strukturreformen geknüpft sind".

Ifo-Institut warnt vor "Gemeinschaftshaftung"

Carstensen mahnte, die Bundesregierung sollte "das europäische Prinzip der Subsidiarität und der damit einhergehenden Selbstverantwortung der Länder stärker als bisher berücksichtigen". Der Ifo-Konjunkturexperte fügte hinzu: "Es ist einfach nicht wahr, dass die Krise allein durch 'mehr Europa' - verstanden als mehr Umverteilung, Gemeinschaftshaftung und zentrale Kontrolle - gelöst werden kann."

Carstensen betonte ferner: "Es lassen sich beliebig dramatische Szenarien malen, die auch Deutschland - zumindest kurzfristig - erheblichen Schaden zufügen könnten." Dies dürfe aber nicht als "Freifahrtschein für kaum oder gar nicht begrenzte Rettungspakete" genommen werden. Denn die langfristigen Folgen "vergemeinschafteter Haftung" könnten "noch viel schlimmer sein".

"Europa außerhalb Deutschlands 2013 in der Rezession"

Straubhaar sagte voraus: "Die Euro-Krise wird uns auch im nächsten Jahr tagtäglich beschäftigen." Der HWWI-Direktor fügte hinzu: "Zwar sind wir bei der Feuerbekämpfung weiter als vor einem Jahr, weil mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) jetzt eine 500 Milliarden Euro schwere Feuerwehr einsatzfähig ist und der Brand nicht alleine von der EZB gelöscht werden muss." Aber nichtsdestotrotz werde sich Europa außerhalb Deutschlands 2013 in der Rezession befinden.

Straubhaar betonte jedoch, bei der Bundesrepublik überwiege für 2013 die Hoffnung auf eine deutliche Besserung der Konjunktur. Diese werde sich im ersten Halbjahr "wieder allmählich beleben und im weiteren Jahresverlauf an Schwung gewinnen". Im Durchschnitt von 2013 werde das Wirtschaftswachstum "wegen des gedämpften Jahresanfangs-Niveaus aber mit 0,5 Prozent geringer sein als 2012".

RWI-Präsident Schmidt erwartet "konjunkturell magere Zeiten". Für den Jahresdurchschnitt 2013 sei in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von nur 0,3 Prozent zu rechnen. (dapd)

 



Kommentare
28.12.2012
12:27
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von kuba4711 | #16

Wenn man sich den Artikel zu Gemüte führt und die sich darauf beziehenden Kommentare so durchliest ,dann fällt mir automatisch als Kurpfälzer der Spruch ein (hochdeutsch) :
"Hast Du schon mal einem politisch - ökonomischen Ochsen ins Horn gekniffen?"
Selbstverständlich sind alle bisherigen Zahlungen -direkter oder indirekter Art - der öffentlichen ,europäischen Hand via EZB - hauptsächlich dazu geleistet worden ,um dem bestehenden System zu dienen .
Und vor allem den bestehenden Konten des europäischen Geldadels quasi den Rücken frei zu halten.
Dies ist die monetäre Ebene (Geldebene).
Der deutsche Steuerzahler wird sich noch entsprechend freuen dürfen.
Davon streng zu unterscheiden ist die realwirtschaftliche Ebene.
Zu fragen ist aber ,ob die bisherige Vorgehensweise -nachhaltig - in der Lage ist die Funktion dieser realwirtschaftlichen Ebene zu gewährleisten.
Zweifel sind erlaubt .
Und der RWI -Präsident gehört zu den Zweiflern.
Zu recht ,wie auch ich meine.

26.12.2012
14:03
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von Karlot | #15

@meisgust

Ich fordere gar nichts. Ich sage nur, wie es aussieht.

Mit den Krediten an Griechenland werden die Gläubiger Griechenlands bedient und das sind zu einem Großteil deutsche Banken und deutsche Bürger.Die Kredtite an Griechenland sollen ja die deutsche Wirtschaft und die deutschen Banken und reiche Bürger retten, und nicht etwa Griechenland.

26.12.2012
13:11
Karlot hilf mir wo bin ich Chauvinist
von meigustu | #14

und wo sage ich etwas anderes als Sie bis zum #12.

In #13 fordern Sie dann wir sollen weiter Geld nach Griechenland schicken. Wie naiv ist das denn. Schicken wir weiter Geld, das wir uns bei Drogenbaronen und griechischen Steuerflüchtlingen leihen, geht das auch nur solange gut, wie diese Herrschaften glauben, dass bei uns pfänden lohnt.

Es hilft nichts, das Geld das Banken geschaffen haben muss an die Realgütern angepasst werden. Andersherum ist es sowieso schwierig, aber unmöglich wenn jede Produktion in Südeuropa platt gemacht wird.

1 Antwort
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von DaDU | #14-1

Unterbelichtete???

Menschen können sich nicht um alles kümmern und auch nicht alles wissen, deswegen sind diese Leute noch lange nicht unterbelichtet. Der einzige der das vielleicht ist, ist derjenige, welcher sich anmaßt derart über andere zu urteilen.

26.12.2012
11:18
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von Karlot | #13

Und so glaubt der ökonomisch unterbelichtete Teil der Bevölkerung, dass die Zahlungen an andere EU-Länder unseren Bankrott bedeuten würde. Dabei ist ja gerade so, dass mit diesen Zahlungen weiterhin gewährleistet werden soll, dass diese Länder bei uns einkaufen und Arbeitsplätze sichern. Es ist also genau anders als es die Unterbelichteten glauben.
Reißt der ZAhlungsstrom ab, wird es auch in Deutschland ungemütlich.
Der Einzige, der das hier unter den Kommentatoren versteht, ist wohl "Kuba".

1 Antwort
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von Optio | #13-1

Boh äh, ich gebe dem Bankrotteur (Griechenland) Geld damit er meine (Deutschlands) Waren kauft und meine Firma rettet. So geht Wirtschaft?

Da kann ich auch gleich meine produzierten Waren verschenken.

26.12.2012
11:11
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von Karlot | #12

Das Schlime ist doch, dass ein Großteil ökonomisch unterbelichtet ist. Karl-Napp begreift beispielsweise immer noch nicht, dass Deutschlands Erfolg darin lag, dass das Ausland auf Pump bei uns Waren kaufte und der Bankrott Deutschlands schon darin begründet ist. und nicht etwa drin, dass Deutshcland weiterhin versucht durch Pump seine Wirtschaft am Laufen zu halten.

26.12.2012
11:07
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von Karlot | #11

meigustu wieder ganz Chauvinist.

Und wieder die Wahrheit verdrehend.

26.12.2012
09:55
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von TVtotal | #10

Bleibt nicht aus wenn Gewinne privat sind Verluste aber von der Allgemeinheit getragen werden müssen damit die Kaviarfraktion weiter ihrem Lebensstil frönen kann und die Politiker sich mit denen auf Partys oder im Urlaub vergnügen können!

26.12.2012
06:23
Das durch private aber auch staatliche Banken geschaffene Buchgeld
von meigustu | #9

muss entschädigungslos eingezogen werden. Was anderes hilft einfach nicht. Auch wenn damit manche private Altersvorsorge in der EU weg ist.

Ja und der deutsche Michel muss begreifen, dass er um Gewinne für Shareholder & Co zu produzieren 25 Jahre auch den Breitenwohlstand in südlichen Ländern der EU erarbeitet hat. Als es in den Nuller Jahren eng wurde, hat Schröder H4 eingeführt um mit den Löhnen der letzten Realgüter produzierenden Betriebe in der Süd-EU mithalten zu können.

Sein Geld bekommt Michel auch nicht zurück indem man diese Länder deindustrialisiert. Das hat wie zahlreiche Beispiele außerhalb der EU beweisen nur noch mehr Armut generiert. Was ja auch logisch ist wenn beispielsweise die Spanier lieber Baustellen vergammeln lass als die unverkäuflichen Wohnungen jenen zu schenken, die mangels anderer Arbeit genug Zeit haben sich so wenigstens ein Dach über den Kopf selbst zu bauen.

26.12.2012
01:08
RWI-Präsident sieht deutsche Wirtschaft durch Rezession im Euroraum bedroht
von Karl-Napp | #8

Ach wie kann denn sowas bloss passieren?
Der stärkste Staat der Welt Deutschland muss doch die komplette EU vor dem Bankrott retten.
Danke Angie dass wir bald pleite sind....

25.12.2012
22:34
Ich sehe Deutschland und die EU
von rockingmom | #7

durch die Großkonzerne, deren Lobbyvertreter, besonders aber durch die Bildzeitung und deren propagierte Adelsfamilien bedroht.

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