RWE will Wasser zu Geld machen

Mülheim/Essen..  Um Geld in die Kasse zu spülen, will der kriselnde Energiekonzern RWE auch Anteile an seiner Wasser-Tochter RWW verkaufen. Doch der Prozess zieht sich hin. Nach Informationen dieser Zeitung laufen derzeit Verhandlungen mit der Gelsenwasser AG.

Die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) versorgt ein Gebiet von Velbert im Süden bis Velen im Norden mit Trinkwasser. Im Jahr 2013 betrug die Bilanzsumme des Versorgers, der damals 447 Mitarbeiter beschäftigte, 202 Millionen Euro. Er gehört aber nicht der RWE allein. Zum Gesellschafterkreis zählen auch die Städte, die RWW mit Wasser beliefert. So entfallen zehn Prozent der Anteile auf die Stadt Mülheim, die auch Sitz des Unternehmens ist. Bottrop hält 5,61 Prozent, Gladbeck 4,24 Prozent und der Kreis Recklinghausen 0,36 Prozent. Auch die Stadt Oberhausen gehört zum Gesellschafterkreis.

Nach NRZ-Informationen will RWE ihr Aktienpaket von knapp 80 auf 50 Prozent reduzieren. Da die an RWW beteiligten Städte ein Vorkaufsrecht haben, wurde ihnen zuerst ein Angebot unterbreitet. Die Preisvorstellungen seien den Kommunen aber zu hoch gewesen, heißt es. RWE nahm deshalb Kontakt auch zum Umweltdienstleister Remondis auf, der dem Vernehmen nach aber schon wieder aus dem Rennen ist. Nun verhandelt RWE offenbar allein mit Gelsenwasser, das bei RWW einsteigen soll.

Die beteiligten Kommunen verfolgen die Gespräche mit Argwohn. Aus ihren Kreisen ist zu hören, dass sie keinen privaten Partner an Bord holen wollen. Mit Gelsenwasser, so heißt es, könnten sie dennoch am ehesten leben. Der Energieversorger mit Sitz in Gelsenkirchen gehört nahezu komplett den Stadtwerken Dortmund und Bochum. Schwerpunkte des inländischen Versorgungsgebiets sind das Ruhrgebiet, das Münsterland, der Niederrhein, Ostwestfalen und Niedersachsen.

Beteiligte hüllen sich in Schweigen

Die Beteiligten hüllen sich in Schweigen: „Da können wir nichts zu sagen“, erklärte Henning Deters, Vorstandsvorsitzender der Gelsenwasser AG. Auch ein RWE-Sprecher wollte sich nicht zu Plänen mit RWW äußern. „RWE ist an der Fortführung der Partnerschaft mit den Kommunen interessiert“, sagte er. Um das Verhältnis zwischen den Ruhrgebietsstädten, die rund 24 Prozent der RWE-Aktien halten, und dem Konzern stand es zuletzt nicht zum Besten.

Die klammen Kommunen pochen auf eine Dividende, die Geld in ihre Kassen spülen soll. RWE-Chef Peter Terium dagegen kündigte im Dezember an, die Berechnung der Ausschüttungsquote an die Anteilseigner ab dem Geschäftsjahr 2015 auf eine breitere Basis stellen zu wollen.

Der zweitgrößte deutsche Energieversorger ist mit 31 Milliarden Euro hoch verschuldet. Um den Schuldenberg abzubauen, hat RWE 2014 seinen Büroturm an der A 40 in Essen verkauft und zurückgemietet. Sehr viel höhere Einnahmen kann der Konzern indes durch die Veräußerung seiner Gas- und Ölfördertochter Dea verbuchen. Der russische Milliardär Michail Fridman will dafür rund fünf Milliarden Euro zahlen.