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"Alle Mitarbeiter ziehen mit" – RWE verteidigt Sparkurs

26.03.2016 | 05:00 Uhr
"Alle Mitarbeiter ziehen mit" – RWE verteidigt Sparkurs
RWE-Personalvorstand Uwe Tigges in seinem Büro im Essener RWE-Turm: „Wir sparen nicht nur bei den Aktionären, auch die Mitarbeiter spüren längst die Auswirkungen der schwierigen Lage“, sagt Tigges.Foto: Kai Kitschenberg, FUNKE Foto Services

Essen.   Interview mit RWE-Personalvorstand Uwe Tigges: Er kündigt den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen an und verteidigt die umstrittene Dividenden-Kürzung.

RWE-Personalvorstand Uwe Tigges stimmt die rund 60 000 Beschäftigten des Essener Energiekonzerns RWE auf harte Zeiten ein. Im Gespräch mit Ulf Meinke verteidigt Tigges auch die umstrittene Dividenden-Kürzung.

Herr Tigges, wie bedrohlich ist die Krise von RWE?

Uwe Tigges: Durch den Verfall der Strom-Großhandelspreise sind wir erheblich unter Druck geraten. Aber wir machen unsere Hausaufgaben und sind dabei, die finanzielle Leistungsfähigkeit des Konzerns wiederherzustellen.

Sie haben den RWE-Stammaktionären und damit dem Großteil Ihrer Anteilseigner eine Dividenden-Nullrunde verordnet. Haben Sie Verständnis für den Aufschrei in den finanzschwachen Revierkommunen, die an RWE beteiligt sind?

 

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Tigges: Ja. Es ist ein harter Einschnitt, den wir auch bedauern. Aber mit Blick auf die Gesamtsituation des Unternehmens mussten wir handeln. Wir haben in den vergangenen sieben Jahren 7,4 Milliarden Euro als Dividende ausgeschüttet. In diesem Jahr gibt es aber nichts zu verteilen. Hinzu kommt: Wir sparen nicht nur bei den Aktionären, auch die Mitarbeiter spüren längst die Auswirkungen der schwierigen Lage. Als Vorstand müssen wir dafür Sorge tragen, dass alle im Unternehmen ihren Beitrag leisten.

Der Vorstand hat RWE einen drastischen Sparkurs verordnet. Was heißt das für die Mitarbeiter?

Tigges: Die Mitarbeiter haben beim jüngsten Tarifabschluss auf reale Gehaltssteigerungen verzichtet. Es hat lediglich einen Inflationsausgleich gegeben. Wir haben alle freiwilligen sozialen Leistungen auf den Prüfstand gestellt. Das geht soweit, dass der Arbeitgeberzuschuss für die Kantine weggefallen ist. Nicht zu vergessen: 44 000 aktive und ehemalige Mitarbeiter halten RWE-Aktien - zumeist für ihre Altersvorsorge. Auch sie trifft es, wenn es keine Dividende gibt. Trotz der unangenehmen Entscheidungen ziehen alle mit, manchmal zähneknirschend, aber immer einvernehmlich. Alle Beteiligten sehen, dass wir nun die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam durch eine schwere Zeit gehen müssen.

Vor drei Jahren hat RWE noch rund 70 000 Mitarbeiter beschäftigt. Mittlerweile sind es etwas weniger als 60 000 Beschäftigte. Planen Sie weiteren Personalabbau in den kommenden Jahren?

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Tigges: Wir haben für dieses Jahr keine größeren Stellenstreichungen geplant. Unsere bisherigen mittelfristigen Planungen sehen bis Ende 2018 einen Abbau um etwa 2000 Arbeitsplätze vor, unter anderem auch durch natürliche Fluktuation.

Gleichzeitig steht RWE vor einem großen Konzernumbau. Etwa 40 000 Beschäftigte sollen in eine neue Tochtergesellschaft für Erneuerbare, Vertrieb und Netze wechseln. Wann haben alle Mitarbeiter Klarheit über ihren neuen Job?

Tigges: Ein Großteil der Betroffenen wechselt schon zum 1. April in die neue Gesellschaft – unter Beibehaltung aller arbeitsvertraglichen Bedingungen. Bei rund 5000 Mitarbeitern stellt sich noch die Frage nach der künftigen Zugehörigkeit. Spätestens bis zum Herbst wollen wir für alle Beschäftigten Klarheit schaffen.

Stichwort Sparkurs: Die Vorstandsbezüge sind kaum gesunken. Bei Ihnen, Herr Tigges, sind es für das vergangene Jahr rund 1,79 Millionen nach 1,84 Millionen Euro. Hätte der Vorstand angesichts der roten Zahlen stärker verzichten müssen?

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Tigges: Wir haben schon 2014 als Vorstand ein Zeichen gesetzt und freiwillig insgesamt auf 500 000 Euro verzichtet. Grundsätzlich haben sich unsere Vertragsbedingungen in den vergangenen Jahren nicht geändert.

Wird es größere Verschiebungen an den Standorten geben – insbesondere in Dortmund und Essen?

Tigges: Die Gesamtzahlen werden etwa stabil bleiben. Auf Arbeitsebene und im Management gibt es die eine oder andere Veränderung, aber keine strukturellen Verschiebungen.

Sie haben eine interne Jobbörse namens Switch gegründet, damit Beschäftigte innerhalb des Konzerns ihren Arbeitsplatz wechseln. Wie läuft das Projekt?

Tigges: Das ist sehr erfolgreich. Im vergangenen Jahr konnten wir 1550 offene Stellen anbieten und haben 5100 Bewerbungen verzeichnet. Switch hilft uns dabei, dass die Mitarbeiter dort sind, wo sie gebraucht werden.

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Tigges: Wir wünschen uns schnelleres Handeln, bei dem der Kunde im Mittelpunkt steht. Gleiches gilt für die Flexibilität der Beschäftigten. Viele Mitarbeiter haben freiwillig den Standort gewechselt, um RWE voranzubringen.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten und den Gewerkschaften Verdi und IGBCE?

Tigges: Es ist uns gelungen, schwierige, aber notwendige Entscheidungen ohne große Auseinandersetzungen zu treffen. Dafür bin ich dankbar und darauf bin ich auch ein bisschen stolz.

Die Beschäftigungsgarantie ist abgeschafft. Auch Kündigungen sind möglich, wenn Beschäftigte Jobangebote innerhalb des Konzerns ablehnen. Gab es bereits Trennungen von Mitarbeitern auf diesem Weg?

Tigges: Nein. Bisher ist es uns gelungen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Und wir tun alles dafür, dass es auch weiterhin so bleibt.

Ulf Meinke

Kommentare
26.03.2016
11:49
Schade
von SimpleMBA | #1

Leider wurde es versäumt zu fragen, warum die RWE-Bosse öffentlich nie inhaltliche Kritik an der eigentlichen Ursache, dem EEG, geäußert haben. Sie...
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2016-03-26 05:00
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