RWE-Spitze geht deutlich auf Distanz zu den Städten

Energie-Manager: Rolf Martin Schmitz (l.) soll die alte RWE AG leiten, Peter Terium die zukunftsträchtige Ökostrom-Tochter.
Energie-Manager: Rolf Martin Schmitz (l.) soll die alte RWE AG leiten, Peter Terium die zukunftsträchtige Ökostrom-Tochter.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
RWE-Chef Terium verteidigt den Verzicht auf eine Ausschüttung gegen Kritik der kommunalen Aktionäre. 2015 rutschte der Konzern in die roten Zahlen.

Essen.. Vor dem Essener RWE-Turm stehen Fernsehübertragungswagen, drinnen umlagert ein Pulk von Fotografen den Chef des Energiekonzerns. Peter Terium muss rote Zahlen für das Jahr 2015 vorlegen und dennoch Hoffnung verbreiten, dass der geplante gigantische Umbau das Unternehmen aus der schweren Krise führen wird.

Stromkonzern Als Terium und seine Vorstandskollegen im Februar entschieden, angesichts der weggebrochenen Gewinne für 2015 keine Dividende zu zahlen und nur für Vorzugsaktien 13 Cent auszuschütten, gab es einen Aufschrei in den Ruhrgebiets-Kommunen, denen knapp 25 Prozent von RWE gehören. Von Vertrauensverlust ist die Rede.

Schmitz: „Die Diskussion schadet dem Konzern“

Das gestörte Verhältnis zu den Städten vermag die Konzernspitze an diesem Vormittag nicht zu übertünchen. Terium erwähnt die vergrätzten Kommunen von sich aus nicht mit einem Wort. Erst in der Fragerunde mit den Journalisten äußert sich der Niederländer zu dem Streit: „Für die kommunalen Aktionäre steht nicht die Dividende an erster Stelle, sondern das Unternehmen“, sagt er.

Energiekonzern Selbst RWE-Vize Rolf Martin Schmitz, im Vorstand der „Vertrauensmann“ der Städte, appelliert an die kommunalen Aktionäre, „auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren“. Schmitz: „Wir haben in den letzten Jahren viele Milliarden ausgeschüttet, auch als wir es uns gar nicht leisten konnten. Die Diskussion schadet dem Konzern.“ Auch die Forderung der Städte, im Aufsichtsrat der neuen Ökostrom-Gesellschaft vertreten zu sein, scheint im Vorstand abzublitzen. „Die Kommunen sind willkommen, in der Newco zu investieren“, sagt Terium im Hinblick auf den geplanten Börsengang frühestens Ende des Jahres. Die alte RWE AG will mindestens 51 Prozent an der Tochter behalten.

RWE machte 170 Millionen Euro Verlust

Wegen hoher Abschreibungen auf die Großkraftwerke und negativer Steuereffekte rutschte RWE im vergangenen Jahr mit 170 Millionen Euro in die roten Zahlen. 2014 erwirtschafteten die Essener noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter blieb mit 59 762 nahezu unverändert. RWE konnte das Geschäft mit erneuerbaren Energien zwar auf fast eine halbe Milliarde Euro mehr als verdoppeln. Mit seinen großen Kohle- und Gaskraftwerken bleibt der Konzern aber weiter mächtig unter Druck. Terium schraubte die Erwartungen für das laufende Jahr deshalb deutlich zurück. So soll der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von zuletzt sieben auf 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro sinken.

Größtes Sorgenkind für RWE bleiben die Braunkohlekraftwerke. Um die deutschen Klimaziele zu erreichen und den Ausstoß von Kohlendioxid zu drosseln, überführt der Konzern in den nächsten Jahren fünf Blöcke in die Sicherheitsbereitschaft, um sie am Ende ganz stillzulegen. Um die verbleibenden Kraftwerke werde es aber auch immer enger: „Bei einem Börsenpreis von rund 20 Euro je Megawattstunde kann die Braunkohle wirtschaftlich nicht überleben“, so Terium. Nötig seien 40 Euro.