RWE muss für Einigung im Gasstreit mit Arabern zahlen

Der Essener Energieversorger RWE will die Dividende drastisch kürzen.
Der Essener Energieversorger RWE will die Dividende drastisch kürzen.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Ein Konflikt des Energieversorgers RWE mit Konzernen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist zwar beigelegt, doch der Frieden hat seinen Preis.

Essen.. Als der Energiekonzern Dana Gas aus den Vereinigten Arabischen Emiraten vor wenigen Tagen seine Bilanz vorlegte, spielte der Essener Energiekonzern RWE ei­ne entscheidende Rolle. Obwohl die Ölpreise gefallen sind, verzeichnete das arabische Unternehmen einen deutlichen Gewinnsprung – dank RWE. Das Geld, das der Ruhrgebietskonzern überwiesen habe, sei „der Schlüsselfaktor“ für den Zuwachs gewesen, teilte Dana Gas zufrieden mit.

Hintergrund ist eine außergerichtliche Einigung von RWE mit dem Konzern aus dem Mittleren Osten. Ende vergangenen Jahres legte der Essener Energiekonzern hinter verschlossenen Türen einen Streit mit den einstigen Geschäftspartnern bei. Der Fall beschäftigte zwischenzeitlich ein internationales Schiedsgericht in London. Es war spekuliert worden, RWE müsse womöglich eine Milliardenstrafe an Dana Gas und ein weiteres beteiligtes Unternehmen namens Crescent Petroleum zahlen. Im Raum stand der Vorwurf, RWE habe eine Vertraulichkeitsvereinbarung gebrochen.

RWE Dass RWE einen Preis für den Frieden mit den Konzernen gezahlt hat, ist unstrittig. Wie hoch die Summe ausfiel, bleibt indes ein Geschäftsgeheimnis des Essener Versorgers. „Hierüber haben wir Vertraulichkeit vereinbart“, erklärte RWE auf Anfrage. Spekulationen, es handele sich um eine Summe zwischen 700 und 900 Millionen Euro, wies das Unternehmen auf Anfrage zurück. „Die genannte Bandbreite trifft nicht zu“, hieß es.

„Keine strategische Entscheidung“

Immerhin hat RWE im Zuge der Einigung mit Dana Gas und Cres­cent Petroleum eine kleine Beteiligung in Höhe von fünf Prozent an Öl- und Gasförderaktivitäten der beiden Unternehmen erhalten. Was die Beteiligung abwirft, lässt sich nur schwer einschätzen.

Eigentlich wollte RWE gerade den Abschied aus dem Fördergeschäft vollziehen. Damit angesichts hoher Schulden Geld in die Kassen kommt, hat RWE die traditionsreiche Öl- und Gasfördertochter Dea kürzlich verkauft. Die Beteiligung am Projekt von Dana Gas und Crescent Petroleum sei jedenfalls nicht als „strategische Entscheidung“ zu sehen, heißt es im RWE-Umfeld. Es ging offenbar um Schadensbegrenzung.

Fehlt das Geld für den Deal nun in der RWE-Bilanz?

Vor dem Hintergrund der geplanten drastischen Dividenden-Kürzung bekommen der Gasstreit und die offenbar kostspielige Einigung neue Brisanz. Im Umfeld von RWE wird vermutet, das Geld, das die Bilanz der Araber verbessere, fehle nun im Ruhrgebiet. „Die Verknüpfung mit dem Dividendenvorschlag ist nicht zutreffend, denn unsere Dividende ist ja an eine Reihe von Kriterien geknüpft“, betont RWE. Entscheidend seien unter anderem die nachhaltige Ertragslage und die Cash-Situation.

Nach dem Willen von Konzernchef Peter Terium sollen die RWE-Aktionäre in diesem Jahr weitestgehend auf eine Dividende verzichten. Im vergangenen Jahr hatte RWE noch einen Euro je Aktie gezahlt. Mit Spannung wird erwartet, ob Terium seine Pläne bei der Hauptversammlung Mitte April in Essen durchsetzen kann.