RWE-Chef warnt vor Abwanderung der Industrie
10.06.2011 | 20:58 Uhr 2011-06-10T20:58:00+0200
Essen. RWE-Chef Jürgen Großmann geht mit seiner Kritik am Atomausstieg in die Offensive und warnt vor einer Abwanderung der Industrie. Bislang habe RWE den Großteil seiner Investitionen auf Deutschland konzentriert. Das werde sich ändern.
RWE-Chef Jürgen Großmann geht mit seiner Kritik am Atomausstieg in die Offensive und warnt vor einer Abwanderung der Industrie. „Wenn die Politik weiter so konsequent die Zerstückelung der industriellen Energieerzeugung betreibt, werden wir bald auf ganze Industriezweige verzichten müssen. Konzerne wie BASF oder Thyssen-Krupp wird es dann hier nicht mehr geben“, sagte Großmann der Süddeutschen Zeitung.
Die Beschlüsse der Bundesregierung seien „rational und rechtlich nicht begründbar“. Investitionen würden in der Folge des Atomausstiegs bereits heute zurückgehalten, sagte Großmann unter Berufung auf Vorstandschefs anderer Unternehmen. Diese warteten ab, welche Richtung der Strompreis einschlage. Großmann, der zugleich Eigentümer des Stahlkonzerns Georgsmarienhütte ist, kündigte auch für RWE ein größeres Tempo bei den Auslandsinvestitionen an.
Der Konzern müsse das „Klumpen-Risiko Deutschland“ verringern. Bislang habe RWE den Großteil seiner Investitionen auf Deutschland konzentriert. Das werde sich ändern. „Die Investitionen werden künftig eher im Ausland erfolgen. Denn Wachstum findet für uns derzeit woanders statt.“
„Gefahr einer feindlichen Übernahme wächst“
Der RWE-Chef räumte ein, dass ihm der Absturz der RWE-Aktie Sorgen bereite. Der Wert des Papiers hat sich seit 2008 mehr als halbiert. Die internationalen Aktionäre des Konzerns, die zu mehr als der Hälfte aus dem Ausland kämen, „kritisieren mittlerweile offen die politischen Risiken des deutschen Energiemarktes“.
Wohl mit Blick auf große internationale Konzerne wie den französischen Atom-Konzern EdF sagte Großmann: „Die Gefahr einer feindlichen Übernahme wächst mit sinkenden Kursen.“ Die kommunalen Aktionäre halten noch um die 25 Prozent an RWE, die Tendenz ist allerdings seit Jahren rückläufig. Ein Unterschreiten dieser Sperrminorität ist jedenfalls nicht ausgeschlossen.
RWE-Chef Großmann spricht sich offensichtlich für einen internen Kandidaten für seine Nachfolge im Herbst 2012 aus. Er habe dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, einen Stellvertreter zu benennen. Die Vorstände Rolf Martin Schmitz und Leonhard Birnbaum gelten als Kandidaten. Bis Sommer solle über den Vize-Posten entschieden sein.
Auf die Frage, ob RWE offen sei für eine Fusion, sagte Großmann, der Konzern sei stark genug, um alleine zu bestehen. Er verwies aber auf die zunehmend komplexer werdenden Energiemärkte und einen „Flickenteppich regulatorischer Maßnahmen“, die grenzüberschreitende Arbeitsteilung nötig machten. In der Tat sind die Spielräume gerade in Deutschland eng geworden. Nur noch rund 30 Prozent des Strompreises bilden sich am Markt, der Rest unterliegt der staatlichen Regulierung wie etwa der Einspeisvergütungen für erneuerbare Energien.
Fusionsgespräche mit Iberdrola abgebrochen
Diese als einschränkend empfundenen Bedingungen sind auch der Grund, weshalb Großmann in der Zeit vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima Fusionsgespräche mit dem spanischen Versorger Iberdrola führte.
In dem Interview wollte er das nicht kommentieren. Nach Informationen unserer Zeitung aber hat es über drei Monate dauernde Sondierungsgespräche gegeben, in die nur wenige Personen eingeweiht waren. Auch einige Vertreter des Aufsichtsrats hatten Kenntnis davon. Insbesondere der hohe Anteil erneuerbarer Energien bei Iberdrola schienen interessant, ebenso die vergleichsweise geringe Überschneidung der Geschäfte. Die Gründung einer europäischen Aktiengesellschaft mit Sitz im Ausland ist diskutiert worden. Die Gespräche wurden aufgrund der sehr komplexen Strukturen eingestellt.

08:41
Ich finde es schon sehr spannend wieviel Polemik und Unwissenheit sich hier im Portal versammelt. Ein Wirtschaftsunternehmen ist nun einmal da, um Geld zu verdienen. Und wenn das in Deutschland zu stark reglementiert wird bzw. schwieriger wird, ist es ganz normal dass das betroffene Unternehmen seine Investitionen verstärkt im Ausland tätigt.
Herr Grossmann weist zurecht darauf hin, dass auch andere Unternehmen die von einem günstigen Energie-Zugang abhängig sind, eventuell weiter ins Ausland verlagern könnten.
Nur weil es im Moment schick erscheint, die Energiekonzerne anzuprangern, ist das nicht unbedingt schlau.
Und wohin staatliche Regulierung führen kann haben wir in Deutschland lange genug sehen können. Wer einen derartigen Weg vorschlägt sollte sich das immer vor Augen führen.
Wir haben eine hohe Versorgungssicherheit zu halbwegs erträglichen Preisen. Schlechte Versorgung zu den gleichen Preisen ist da keine Alternative.
09:46
Bevor die Konzerne hier abwandern, werden diese ihre Lobbyisten losjagen um dafür zu sorgen, dass endlich die Übergabepunkte an den Grenzen endlich geöffnet werden und wir alle von günstigerem, ausländischen Strom profitieren werden.
Lieber Herr Großmann. Bange machen gilt nicht.
08:46
Wer meint unseren Staat erpressen zu müssen, sollte gegangen werden. So ein Unternehmen, welches zu kriminellen Handlungen (Erpressung)
fähig ist, hat in unserem Land nichts verloren.
00:33
Jürgen Grossmann kann eben nicht ganzheitlich und zukunftsorientiert denken, armes Deutschland..
21:21
Herr Grossmann vergißt dabei aber, das es sich jetzt schon um den zweiten beschlossenen Atomausstieg handelt. Beim Ersten war aber keine Rede von Abwanderung oder Ähnlichen. Was hat sich geändert?
Aber der Herr hat ja schon mal damit gedroht den Strom abzudrehen, weil die Politik nicht spurte.
19:31
Herr Grossmann, was Sie betrieben ist moralische Erpressung und nicht besonders intelligent.
Und wenn ich gestern zu einer bestimmten Stunde unter einem bestimmten Baum gestanden hätte, hätte mir bestimmt ein Vogel auf den Kopf gesungen.
Mein Güte, Kalkül und Angstmacherei, ist das alles was uns einfällt? Qualt etwas das Stühlchen unterm Popöchen? Sorry, habe keine Angst, auch nicht vor Angstmacherei, damit lebe ich schon ein ganzes Leben, kann Muttilein besonders gut. Also, durchschaut. Und was gibt es sonst noch an Optionen, außer dass Profitgier und Leidenschaft für Ausbeutung geringer werden dürften??
15:06
# nie88
Wenn die abwandern und im Ausland investieren, dann die Frage : Woher kommt das nötige Kleingeld dazu? Antwort: Von den unverschämt hohen Erlösen in Deutschland. Deutschland ist für die EVUs das profitabelste Land. Daher werden sich die EVUs eine Abwanderung schon noch überlegen.
17:50
Klar die EVU´s wandern ab ins Ausland...RWE beteiligt sich doch gerade an einem AKW in den Niederlanden...oder?
10:44
Soll Großmann doch gehen. Deutsche Wertarbeit und gute Ingenieursleistungen kommen auch ohne den Großmann in aller Welt an.
21:33
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