RWE-Chef Terium setzt auf das Silicon Valley

Essen..  Nach Ostern will Peter Terium nach Kalifornien reisen, genauer gesagt ins Silicon Valley – Heimat von Apple, Google, Facebook und Co. Es geht um die Zukunft des Essener Energiekonzerns RWE. Derzeit prägen große Kohlekraftwerke das Bild, künftig sollen es verstärkt Produkte aus der Google-Welt sein. Eine kleine Mannschaft aus Essen sei schon jetzt im Valley, erzählt ein Insider. Sie soll nach neuen Geschäftsideen oder möglichen unternehmerischen Partnern suchen.

Schon bei der RWE-Hauptversammlung vor einem Jahr hat Terium seine Vision für den angeschlagenen Konzern skizziert. Sein Auftritt glich einer Produktpräsentation für intelligente Haustechnik. Mit einem iPad in der Hand zeigte der RWE-Chef, wie man von unterwegs die Heizungen hochdrehen oder das Licht einschalten kann. Eine Zeitung verglich Terium sogar mit Apple-Gründer Steve Jobs – und RWE twitterte die These prompt.

Doch auch ein Jahr später sieht sich Terium mit Fragen nach dem künftigen Geschäftsmodell seines Konzerns konfrontiert. Seit der Düsseldorfer Konkurrent Eon die eigene Neuerfindung verkündet hat, richtet sich der Blick auch auf RWE. Eon wird aufgeteilt in Unternehmen mit alten (Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke) und neuen Geschäften (Öko-Energie, Vertrieb, Netze). Ähnliches ist bei RWE nicht vorgesehen.

Terium gibt sich demonstrativ gelassen, denn „nur eines von vier Standbeinen“ des Konzerns sei „angeknackst“, wie der RWE-Chef der FAZ sagte. Probleme gebe des bei der konventionellen Energieerzeugung, aber die Bereiche Netze, Handel und Vertrieb seien gesund.

RWE habe schon im Jahr 2012 „die Weichen für die Zukunft gestellt“, sagt Terium. Kostenabbau, mehr Dynamik und Innovationen – so lauten seine Stichworte. Auch auf eine konzerninterne Plattform für Innovationen verweist Terium: „Innovation Hub“. Für die nahe Zukunft plant der verschuldete Konzern zudem einen Fonds für Wagniskapital. Das Geld will RWE unter anderem in Ideen aus dem Silicon Valley stecken.

Der Niederländer Terium steht seit Mitte 2012 an der Spitze von RWE. Sein derzeitiger Vertrag läuft bis Ende August nächsten Jahres. Bald dürfte es also darum gehen, ob Terium weitermachen darf.