Ruhrgebiet ist Sorgenkind

Berlin..  Auch 2014 stieg die Zahl überschuldeter Menschen im Ruhrgebiet um 0,35 Prozentpunkte. Das steht im jüngsten Schuldneratlas 2014, der von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform jährlich erstellt wird. Als überschuldet gilt jemand, dessen Einkünfte nicht mehr ausreichen, um seine Schulden zu tilgen.

Besonders auffällig ist die Stadt Essen. Sie führt die Spitze der Tabelle mit der höchsten und der niedrigsten Schuldnerquote im Ruhrgebiet an. Die Spreizung, die so zwischen dem Stadtteil Heisingen und dem Stadtkern entsteht, beträgt 25,33 Prozent. In Heisingen liegt die Schuldnerquote bei 4,62 Prozent, damit führt der Essener Stadtteil die Tabelle mit der niedrigsten Überschuldung im Ruhrgebiet an. Der Stadtkern hingegen ist mit 29,95 Prozent auf Platz eins der Tabelle mit der höchsten Überschuldung.

Dortmund folgt Essen mit einer Spreizung von 22,19 Prozent. Duisburg liegt mit 21 Prozent auf Platz drei. Die niedrigste Spreizung gibt es in Bottrop mit 6,7 Prozent und Herne (7,8 Prozent).

Bundesdurchschnitt liegt bei 9,9 %

Arbeitslosigkeit gilt zwar als Hauptauslöser für Überschuldung, wird jedoch nicht mehr als Indikator für Veränderungen gerechnet. Denn laut Schuldneratlas hätte sich die Qualität der Arbeitsverhältnisse in den letzten Jahren verändert, indem die prekären Beschäftigungsverhältnisse gestiegen wären. Die Einkünfte bei dieser Arbeit eigneten sich in der Regel nicht, sich aus der Überschuldungssituation zu befreien.

Nordrhein-Westfalen liegt mit 11,46 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,9 Prozent. Im Bundesländer-Ranking belegt NRW Platz 13 vor Sachsen-Anhalt (12,57 Prozent), Berlin (13,02 Prozent) und Bremen (13,95 Prozent). Angeführt wird die Tabelle von Bayern mit einer Verschuldung von 7 Prozent und Baden-Württemberg (8,02 Prozent).

Ampel stehe auf „mittelrot“

Laut Schuldneratlas sind mehr Privatpersonen in Kernstädten und Ballungszentren überschuldet als in ländlichen Regionen.

In ganz Deutschland habe die Überschuldung zugenommen, die Ampel stehe auf „mittelrot“ – eine weitere Verschlechterung sei zu erwarten. Um dem entgegenzuwirken, schlägt das Unternehmen Creditreform vor, zu ungewöhnlichen Mitteln zu greifen. Beispielsweise könnten ehrenamtliche Paten Kindern aus dauerhaft überschuldeten Familien helfen, ein selbstverantwortliches Leben zu führen.