Ringen um Tengelmann-Verkauf geht weiter - Edeka kommt Kartellamt entgegen

Tengelmann- und Edeka-Tüten: Das Ringen um einen Verkauf der Supermärkte an Edeka geht weiter.
Tengelmann- und Edeka-Tüten: Das Ringen um einen Verkauf der Supermärkte an Edeka geht weiter.
Foto: dpa
In den Streit um die geplante Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka kommt Bewegung. Ein Sprecher des Bundeskartellamtes sagte am Freitag, bei der Behörde sei inzwischen eine Stellungnahme der Unternehmen zum angedrohten Veto der Wettbewerbsaufsicht eingegangen.

Mülheim.. Die rund 16.000 Beschäftigten der Kaiser’s/Tengelmann-Supermärkte werden auch in den kommenden Wochen keine Gewissheit haben, ob und für wen sie künftig arbeiten. Denn das Ringen mit dem Bundeskartellamt um den Verkauf an Edeka geht wohl in die Verlängerung. Die Hamburger Edeka-Zentrale will den Wettbewerbshütern anbieten, einen Teil der Märkte an Konkurrenten abzugeben, wie diese Zeitung aus Branchenkreisen erfuhr. Damit würde sich die eigentlich am 6. März auslaufende Frist für die Entscheidung des Kartellamts um vier Wochen verlängern. Edeka und Tengelmann gewännen damit Zeit bis Karfreitag, 3. April, um mit dem Kartellamt Bedingungen auszuhandeln, zu denen die Behörde die Fusion doch genehmigen könnte.

Edeka will die zum Verkauf stehenden, defizitären 451 Filialen von Kaiser’s/Tengelmann übernehmen. Das Kartellamt war jedoch von Anfang an skeptisch, weil die Hamburger Gruppe mit rund 27 Prozent Marktanteil ohnehin die klare Nummer eins im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel ist. Nach einer Marktanalyse schickte das Amt vergangene Woche eine hart formulierte Abmahnung an die Unternehmen. Es sieht besonders im Raum München, in Berlin und einigen Großstädten in NRW den Wettbewerb gefährdet, also überall dort, wo Kaiser’s/Tengelmann stark präsent ist. Nach einer Übernahme blieben mit Edeka und Rewe in manchen Gegenden nur noch zwei Konkurrenten übrig. Damit war gleichzeitig das Gegenangebot von Rewe, Kaiser’s/Tengelmann komplett zu übernehmen, hinfällig, weil es die gleiche Konsequenz hätte.

Es drohte die „Komplettablehnung“

Edeka und die Mülheimer Tengelmann-Gruppe erhielten zunächst bis 26. Februar Zeit, zu reagieren. Diese Frist hielten sie ein und schickten Stellungnahmen ans Kartellamt. Dass die nicht ausreichen würden, machte die Bonner Behörde jedoch gleich klar – ohne ein Entgegenkommen drohe eine „Komplettablehnung“, wie es in Bonn hieß. Darauf will es Edeka offenbar nicht ankommen lassen und schnürt deshalb ein Kompensationspaket, mit dem auch Tengelmann leben könnte. Vor allem im Raum südlich von München mit seinen vielen Kaiser’s-Märkten solle demnach ein Verkauf an die Konkurrenz angeboten werden. Als Favorit wird seit Wochen die Schweizer Migros-Gruppe genannt, die vor zwei Jahren bereits die in Nordbayern und Hessen starke Regionalkette Tegut gekauft hat.

Viele Kritikpunkte in dem 260-seitigen Abmahnschreiben des Kartellamts wollen die Unternehmen aber nicht so stehen lassen. Zu Details äußerten sich beide gestern nicht. Wie in Branchenkreisen verlautet, sieht man aber etwa in NRW die drohende Marktkonzentration nicht. Auch unabhängigen Marktbeobachtern gilt zudem als angreifbar, dass die Wettbewerbshüter bei ihrer Marktanalyse den Discountriesen Aldi gar nicht erst als Konkurrenten berücksichtigt haben, obwohl er doch bei vielen Produkten die Preise vorgibt. Grundsätzlich wird bezweifelt, ob die Edeka-Gruppe mit ihren vielen selbstständig geführten Märkten überhaupt als homogener Marktteilnehmer gelten kann, schließlich unterscheiden sich die Sortimente der Edeka-Läden teils deutlich.

Gewerkschaft in großer Sorge

Die Gewerkschaft Verdi beobachtet die Hängepartie mit großer Sorge. „Das ist eine sehr angespannte Situation für die Mitarbeiter, sie haben es nicht verdient, so vertickert zu werden“, sagte Verdi-Experte Horst Margner dieser Zeitung. Eine Übernahme durch Edeka bedeute für die meisten den Verlust der Tarifbindung, eines Betriebsrats und letztlich der Jobsicherheit. „Das hat nichts mehr mit der Welt von Tengelmann zu tun, wo es diese Sicherheiten noch gibt“, so Margner. Er kann sich auch eine Teilung von Kaiser’s/Tengelmann „in möglichst große Einheiten“ vorstellen, etwa mit neuen Besitzern in Bayern, Berlin und NRW. Ans Kartellamt appelliert er, neben dem Wettbewerb auch die Beschäftigten im Blick zu haben.

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