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Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke

21.09.2012 | 19:11 Uhr
Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
Kohlekraftwerk am Main: Die Regierung will Energieriesen notfalls per Gesetz zwingen, Kraftwerke am Netz zu lassen.Foto: ddp

Berlin.   Die Bundesregierung will die Energieriesen notfalls per Gesetz zwingen, Anlagen bereitzuhalten, um Stromengpässe im Winter zu vermeiden. Allerdings hofft Berlin noch immer, dass die Betreiber sich freiwillig bereiterklären, Kraftwerke am Netz zu lassen. Dafür soll es auch eine Entschädigung geben.

Nach den Stromengpässen im vergangenen Winter will die Bundesregierung notfalls per Gesetz die Stromversorgung in Deutschland sicherstellen. Für den Verbraucher könnte dies zu geringen Mehrkosten im Jahr führen, weil die Netzentgelte steigen. Dies geht aus einem Gesetzentwurf aus dem Wirtschaftsministerium hervor, der weitreichende Eingriffe in die Energiewirtschaft vorsieht.

Demnach sollen die Betreiber mindestens ein Jahr im voraus der Bundesnetzagentur und den Netzbetreibern mitteilen, wenn sie ein Kraftwerk stilllegen wollen. Dagegen kann der Staat sein Veto einlegen, wenn es sich um Anlagen handelt, ohne die die Stromversorgung im Extremfall zusammenbrechen könnte. Dann muss der Betreiber sie betriebsbereit halten, um sie einsetzen zu können, wenn Stromknappheit droht. Bis zum 31. März 2013 sollen die Netzbetreiber nun eine Liste mit Gaskraftwerken aufstellen, die sie für systemrelevant halten.

Finanzieller Ausgleich für Kraftwerksreserve

Nach dem Entwurf hat die Regierung Gaskraftwerke mit einer Leistung von 3900 Megawatt im Visier. Konkret geht es dabei vor allem um Anlagen aus Süddeutschland. Denn im vergangenen Winter waren die Sicherheitsreserven im süddeutschen Stromnetz nach der wochenlangen Kältewelle nahezu ausgeschöpft. Hinzu kam, dass die Gasbetreiber ihre Lieferungen an Kraftwerke wegen russischer Lieferschwierigkeiten gedrosselt hatten. Damals drohte also ein Blackout, der beispielsweise dann entstehen kann, wenn die Verbraucher mehr Strom benötigen als vorhanden ist. Um diesen zu verhindern, mussten an zehn Tagen alte Reservekraftwerke wieder ans Netz, darunter auch in Österreich.

Video
Fessenheim, 06.09.12: Im französischen AKW Fessenheim an der deutschen Grenze ist es zu einem Unfall mit zwei Verletzten gekommen. Aus einem Bereich der Anlage sei während Wartungsarbeiten Wasserdampf entwichen, teilte der Betreiber am Mittwoch mit.

Sollten die Energiekonzerne ein Kraftwerk nicht abschalten dürfen, können sie nach dem Gesetzentwurf einen finanziellen Ausgleich fordern. Das soll ihre Auslagen decken. Im Gegenzug müssen sie sich verpflichten, die Anlage fünf Jahre im Notbetrieb zu halten. Wollen sie anschließend das Kraftwerk „normal“ nutzen und den Strom frei verkaufen, müssen die das Staatsgeld zurückzahlen.

Ob das Gesetz benötigt wird, ist noch offen

Unter dem Strich könnten sich die Zusatzkosten auf bis zu 287 Millionen Euro belaufen, wie aus Berechnungen in dem Entwurf hervorgeht. Ein Vierpersonenhaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden müsste demnach weniger als zwei Euro pro Jahr zusätzlich für die Stromrechnung berappen. Der genaue Betrag würde davon abhängen, wie viele Anlagen die Betreiber für den Ernstfall bereithalten und wie oft diese mit Notstrom das heimische Netz vor dem Kollaps bewahren müssen.

Urteil
Chilenen verhindern vorerst Bau von Eon-Kraftwerk

Bewohner einer südamerikanischen Wüstenstadt haben sich vor Gericht erfolgreich gegen den Welt-Konzern Eon durchgesetzt. Das Unternehmen muss jetzt seine Pläne für den Bau eines milliardenschweren Kohlekraftwerks vorerst auf Eis legen. Firmenchef Johannes Teyssen dürfte das nicht gefallen.

Ob das Gesetz am Ende benötigt wird, ist offen. Derzeit laufen Gespräche über eine Selbstverpflichtung der Betreiber. Sie sollen alte Anlagen einsatzbereit halten, um den Blackout zu verhindern. Dies sei die angestrebte und wünschenswerte Lösung, hieß es gestern im Wirtschaftsministerium. Sollten diese Gespräche jedoch scheitern, müsse man „sehr kurzfristig gesetzgeberische Maßnahmen auf den Weg“ bringen.

Trittin hält Gesetz für „teure Vorsorge“

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft hält von solchen Drohungen freilich wenig. BDEW-Chefin Hildegard Müller warnte vor Eingriffen in die Eigentumsrechte der Unternehmen. Sie kündigte eine „marktnahe Lösung“ für die nächste Zeit an, ohne Details zu nennen.

EON Kraftwerk

Eon wollte die Pläne derweil nicht näher kommentieren. Der Energieriese rechnet aber mit einer baldigen Lösung, auch ohne den Gesetzgeber, wie eine Sprecherin mitteilte. RWE wollte sich auf Nachfrage ebenfalls nicht äußern.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält das Notgesetz für eine „schlechte und teure Vorsorge“ gegen Stromengpässe. „Wirtschaftsminister Rösler, der das EEG als Planwirtschaft geißelt, greift jetzt selbst zu Enteignung und Planwirtschaft“, sagte Trittin. Er sprach sich für eine „marktwirtschaftliche Ausschreibung von Kraftwerks-Kapazitäten“ aus, die für Engpässe bereit gehalten werden sollten.

Daniel Freudenreich

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Kommentare
24.09.2012
11:09
Rösler plant Teilenteignung der Energiekonzerne
von lass_mal_laufen | #5

Da muss es aber mächtig schlecht stehen für die FdP. Wenn selbst ein Spitzen Neoliberaler den Konzernen öffentlich ankündigt, in die Stromerzeugung notfalls per gesetz einzugreifen.
Und dieses Eigentumsgequatsche von dieser Lobbyistentusse Hildegard Müller ist der größte Mist! Wer genau subventioniert die Energiekonzerne? Den Netzausbau soll der Staat (mit)bezahlen!

Ich gebe Wen_juckts | #1 vollkommen recht: Diese Energiemafia ist per Gesetz verpflichtet, die Energiebereitstellung zu gewährleisten! Jede Form der Kommunikation, die etwas anderes suggerieren soll, gehört abgemahnt!

1 Antwort
Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von Broncezeit | #5-1

Sie würden natürlich einen LKW mit Fahrer für den Fall der Fälle kostenlos bereitstellen.

24.09.2012
09:54
Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von wolfgang123 | #4

Auch das haben uns die grünen eingebrockt. Das sind alles Kosten, die keiner auf dem Plan hat. Da wundert man sich, dass Hartz IV-Empfänger den Strom nicht mehr zahlen können.

23.09.2012
15:55
DIe Probleme im vor ein paar Monaten entstanden
von meigustu | #3

weil Stromhändler die Notfallreserve nutzten, statt den reichlich vorhandenen Spitzenstrom an der Börse zu erwerben. Dieses Gesetz ist die Reaktion, wenn auch die falsche.

3 Antworten
Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von Broncezeit | #3-1

Toll, liegt er dort abholbereit in Säcken?

Ja wenn sie es einfach formulieren wollen ja
von meigustu | #3-2

er ist nur teurer als der Strom aus der Notfallreserve. Deshalb haben die Energiekonzerne zu knapp kalkuliert. Die richtige Antwort ist deshalb, den Notfallstrom nur zum momentanen Marktpreis zu berechnen. Dann entfällt automatisch der Anreiz, zu knapp zu kalkulieren.

Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von Broncezeit | #3-3

Dann kalkulieren Sie mal wann die Sonne scheint und wann der Wind weht.

23.09.2012
14:04
Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von Broncezeit | #2

Ja , Sie haben etwas falsch verstanden. Mehrkosten zahlt der Verbraucher und nicht der liebe Gott.
Sie können sich von den Kosten befreien. Klemmen Sie sich vom Netz ab und machen Sie den Strom ihren Bedürfnissen entsprechend.

2 Antworten
Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von Wen_juckts | #2-1

Demnach würden Sie auch bereitwillig EXTRA Gebühren bezahlen, damit ihr Müll auch hanzjährig abgeholt wird, oder aber dass Wasser den ganzen Tag aus dem Hahn kommt?
Es obliegt doch den Unternehmen ihre Verträge zu erfüllen.
Kalkulieren solche Unternehmen nur den Bedarf der Aktionäre und Manager?

Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von Broncezeit | #2-2

Nein keine Extragebühren, sondern nur Gebühren für eine Versorgungssicherheit und die ist nach Berechnung der Netzagentur nur durch unter Dampfhaltung von Reservekraftwerken gewährleistet.

Leider auch ein erforderliches Übel aufgrund der Nichtplanbarkeit von Wind- und Photovoltaikstrom.

Die Kosten müßten gerechterweise den Erneuerbaren Energien zugerechnet werden.

23.09.2012
13:54
Regierung plant Notgesetz für Kraftwerke
von Wen_juckts | #1

Auch auf die Gefahr hin, dass ich das alle falsch verstehe:
Wieso solll ich als zahlender Kunde extra Gebühren zahlen, damit der Dienstleister den Vertrag erfüllen kann???
Sollte es nicht eher so sein, dass bei Ausfällen der Dienstleiter zur Kasse gebeten wird?

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