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Rechtsstreit: Stillstand auf dem Opel-Gelände in Bochum

08.01.2016 | 18:57 Uhr
Rechtsstreit: Stillstand auf dem Opel-Gelände in Bochum
Die Abrissarbeiten auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Bochum stehen vorerst still.Foto: Lars Heidrich

Bochum.   Die Abrissarbeiten kommen wegen eines Rechtsstreits nicht voran. Betroffen ist auch der geplante Bau eines Paketzentrums der Post-Tochter DHL.

Ein Jahr nach dem Ende der Autoproduktion verzögert sich der Neustart auf dem Bochumer Opel-Gelände. Bislang ist erst ein kleiner Teil der Hallen verschwunden – und es ist nicht absehbar, dass sich daran schnell etwas ändern wird. Damit verzögert sich auch der Zeitplan für mögliche Ansiedlungen.

„Wir hätten gerne schon vor vier Monaten losgelegt“, sagt Rolf Heyer, Geschäftsführer der zuständigen Projektgesellschaft „Bochum Perspektive 2022“, mit Blick auf die Abrissarbeiten. Doch es schwelt ein Rechtsstreit mit einem Unternehmen, das bei einer Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen ist. Das Oberlandesgericht Düsseldorf befasst sich aller ­Voraussicht nach am 16. März mit dem Fall. „Wir müssen uns also noch etwas gedulden“, räumt ­Heyer ein.

Rechtsstreit um Vergabe der Abrissarbeiten

In erster Instanz habe die zuständige Vergabekammer Westfalen in Münster der Bochumer Projektgesellschaft zwar Recht gegeben. Doch da das Verfahren noch läuft, könne mit den Abrissarbeiten nicht begonnen werden. Damit verzögert sich auch der geplante Bau von Straßen und Kanälen auf dem ehemaligen Opel-Gelände.

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Vom Stillstand bei den Abrissarbeiten ist auch die Post-Tochter DHL betroffen, die den Bau eines großen Paketzentrums plant. Ursprünglich war die Rede davon, dass bereits im September 2014 ein rechtsverbindlicher Vertrag zum Erwerb des Grundstücks zwischen der Perspektive 2022 und DHL geschlossen werden sollte. Aber eine Unterschrift gibt es noch nicht. „Wir sind weiter in Gesprächen“, teilte die Deutsche Post auf Anfrage mit. Zu Details wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

„Wir sind alle nicht begeistert“

Auf die Frage, ob die Gefahr bestehe, dass DHL abspringt, antwortet Projektgesellschaftschef Heyer: „Wir befinden uns in den Gesprächen mit DHL auf der Zielgeraden. Natürlich sind wir alle nicht begeistert über die Verzögerungen.“ Wann es zum Baubeginn von DHL kommt, ist noch unklar.

Auf die Ansiedlung der Post-Tochter sollten weitere Unternehmen folgen. Insgesamt geht es um ein Gelände, das mehr als 100 Fußballfelder groß ist – viel Raum für potenzielle Investoren. Opel hat das frühere Werksgelände mit seinen Gebäuden bereits vor einigen Monaten abgegeben, Eigentümer ist nun die Projektgesellschaft Perspektive 2022.

Erste Ansiedlungen ab Mitte 2017 erwartet

Vor mehr als einem Jahr hatte Geschäftsführer Heyer angekündigt: „Erste Ansiedlungen sind ab dem Jahr 2016 wahrscheinlich.“ Das NRW-Wirtschaftsministerium teilte nun auf Anfrage mit, die ersten Ansiedlungen werde es „voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2017“ geben.

Die Entwicklung auf der ehemaligen Opel-Fläche wird von der NRW-Landesregierung aufmerksam beobachtet. Die Gründung der Projektgesellschaft von der Stadt Bochum und dem Opel-Konzern wurde von Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) eng begleitet. „Gemeinsam mit Opel und der Stadt Bochum wurde das Beste aus der schwierigen Lage nach der Werksschließung gemacht – und zwar frühzeitig und vorausschauend“, heißt es im Ministerium.

„Verzögerungen keine Seltenheit“

Auch nach Einschätzung des Ministeriums befinden sich die Verhandlungen mit DHL über den Bau des Paketverteilzentrums „auf der Zielgeraden“. Darüber hinaus gebe es zahlreiche Firmen, die bereits Interesse an Flächen auf dem ehemaligen Opel-Gelände angemeldet haben. Namen von potenziellen Investoren nennt Perspektive-Geschäftsführer Heyer nicht. Die Interessenten seien Gewerbetreibende, Logistiker und Dienstleistungs- oder Technologieunternehmen, sagt er lediglich.

„Wie komplex es ist, ehemalige Industriegelände fit für eine Nachnutzung zu machen, zeigen genügend andere Beispiele aus dem Ruhrgebiet. Verzögerungen sind keine Seltenheit“, gibt Heyer zu bedenken. „Dass es bei unserem Projekt an einer Stelle hakt, macht mich nicht nervös.“

Ulf Meinke

Kommentare
09.01.2016
14:13
Stillstand auf dem Opel-Gelände in Bochum
von otkom | #2

Vielleicht baut Amazon auch noch auf dem Gelände (s)ein Verteilzentrum für das Ruhrgebiet?!!
Denn Platz hätten sie da, aber nur der Zeitfaktor wird...
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