Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Gericht

Schneeballschlacht gehört für Lehrer zur Arbeit

07.01.2013 | 15:32 Uhr
Schneeballschlacht gehört für Lehrer zur Arbeit
Ein Lehrer beteiligt sich auf dem Schulhof an einer verbotenen Schneeballschlacht und wird dabei verletzt. Nach Angaben des Verwaltungsgerichts handle es sich um einen Unfall "in Ausübung des Dienstes". Foto: dapd

Freiburg.  Ein Lehrer beteiligt sich auf dem Schulhof an einer verbotenen Schneeballschlacht und wird dabei verletzt. Nach Angaben des Verwaltungsgerichts handle es sich um einen Unfall "in Ausübung des Dienstes". Somit müsse der Vorfall als Dienstunfall anerkannt werden. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

Eine Schneeballschlacht mit Schülern ist für Klassenlehrer nach Ansicht des Verwaltungsgerichtes Freiburg Teil der Arbeit. Wird der Lehrer dabei verletzt, so sei dies ein Dienstunfall. Dies gelte auch dann, wenn die Schulordnung das Werfen von Schneebällen untersage, entschied das Gericht in einem am Montag veröffentlichen Urteil (Az.: 5 K 1220/11). Es gab damit der Klage eines Lehrers statt. Dieser hatte sich beim Verlassen des Unterrichtsraums von seinen Schülern in eine Schneeballschlacht auf dem Schulgelände verwickeln lassen und war dabei am Auge verletzt worden. Er war operiert worden und einen Monat lang krankgeschrieben.

Unfall "in Ausübung des Dienstes"

Nach Angaben des Verwaltungsgerichts ereignete sich der Unfall "in Ausübung des Dienstes", nämlich am Dienstort auf dem Schulgelände und während der Arbeitszeit. Beim Verlassen des Unterrichtsraums sei der Pädagoge von rund 15 Schülern seiner Klasse mit Schneeballwürfen empfangen worden. Es habe sich daraus eine wilde Schneeballschlacht entwickelt, an der sich der Lehrer mit einigen Würfen beteiligt habe. Ein Schneeball hatte ihn direkt am Auge getroffen und verletzt.

Der Vorfall müsse als Dienstunfall anerkannt werden, entschied das Gericht. Dem Lehrer müsse Unfallfürsorge gewährt werden. Dies hatte das Regierungspräsidium Freiburg abgelehnt. Dagegen hatte der Lehrer geklagt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Es ist Berufung möglich vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden- Württemberg in Mannheim.

Lehrer versteht Schneeballattacke als Ausruck der Lebensfreude

"Es ist nachvollziehbar, dass der Lehrer die Schneeballschlacht nicht als Privatsache verstanden hat", sagte ein Gerichtssprecher. Wegen seines guten Verhältnisses zu den Schülern habe er die Schneeattacke nicht als böswillig, sondern als Ausdruck der Lebensfreude verstanden. Deshalb habe er sich beteiligt.

"Anders konnte der Pädagoge nicht reagieren, sonst hätte er sich lächerlich gemacht", hieß es zur Urteilsbegründung. Das Gericht bezeichnete es zudem als "lebensfremd", wenn das Regierungspräsidium Pädagogen das Werfen von Schneebällen grundsätzlich verbiete. (dpa)



Kommentare
08.01.2013
13:49
Schneeballschlacht gehört für Lehrer zur Arbeit
von ExWalsumer | #3

Ein Feuerwehrmann verletzt sich bei der Ausübung seiner Pflicht und bekommt keine Entschädigung, aber ein Lehrer, der entgegen der Hausordnung sich bei einer Schneeballschlacht verletzt?

08.01.2013
08:07
Schneeballschlacht gehört für Lehrer zur Arbeit
von hubmeier | #2

Kein Wunder, dass die alle mit Burn-out in Frühpension müssen. Was nicht alles für anstrengende Aufgaben unsere Lehrerschaft bewältigen muss.

07.01.2013
18:48
Schneeballschlacht gehört für Lehrer zur Arbeit
von gudelia | #1

Würde der Staat sich auch bei Politikern so anstellen wäre die Politikverdrossenheit etwas geringer.

Aus dem Ressort
Überholt trotz Verbot - Unwissenheit schützt vor Strafe
Verkehrs-Urteil
Autofahrer, die wegen eines Fahrerwechsels nichts von einem Überholverbot wissen, kommen unter Umständen um eine Geldbuße herum. Das geht aus einem Beschluss des Oberlandesgerichts Hamm hervor. Das Amtsgericht Olpe muss nun einen Fall aus Lennestadt erneut verhandeln.
Es ist erlaubt, Beamten "Korinthenkackerei" vorzuwerfen
Urteil
Im badischen Emmendingen hat sich ein Autofahrer laut über die "Korinthenkackerei" eines Ordnungsbeamten aufgeregt. Natürlich ging es um falsches Parken. Das Amtsgericht musste nun klären, ob der Autofahrer den Beamten mit seinem Ausspruch beleidigt hat - und entschied auf Meinungsfreiheit.
Abmahnung? Warnung vor gefälschten Gerichtsurteilen im Netz
Betrug
Im Internet kann man mit ein paar Klicks sehen, wie Gerichte in bestimmten Fällen geurteilt haben. Das nutzen auch viele Verbraucher, die eine Abmahnung bekommen und wissen wollen, wie sie sich weiter verhalten sollen. Aber kann man den Urteilen trauen? Verbraucherschützer warnen jetzt.
Nachbarskatze ständig zu Besuch? Mietminderung möglich
Gericht
Katzen können Grund für einen Mietmangel sein. Das hat jetzt der Verband Haus & Grund mitgeteilt. Ein Mieter hatte sich bei seinem Vermieter über häufige Besuche der Nachbarskatze beschwert und wollte die Miete mindern. Zu Recht, hatte ein Gericht entschieden.
Roaming, Rente, Warnwesten - was sich zum 1. Juli ändert
Recht
Autofahrer, Rentenbezieher, Mütter, Handynutzer oder Schuldner - für sie ist der 1. Juli ein wichtiger Termin. Einige gesetzliche Änderungen in Deutschland und der EU, die man kennen sollte, treten an diesem Dienstag in Kraft. Wir haben eine Auswahl zusammengestellt.
Umfrage
Bastian Schweinsteiger wird neuer Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft. Was halten Sie von der Entscheidung?

Bastian Schweinsteiger wird neuer Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft. Was halten Sie von der Entscheidung?

 
Fotos und Videos
"Das schnelle Geld"
Bildgalerie
Fotostrecke
Krebs durch Handynutzung?
Video
Gesundheit
Umstrittene Kündigungen
Bildgalerie
Arbeit
Große Korruptionsskandale
Bildgalerie
Fotostrecke