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Lebensmittel-Skandal

Real ruft Lasagne mit Pferdefleisch-Spuren zurück

13.02.2013 | 19:36 Uhr

Essen.   Der Pferdefleisch-Skandal schwappt nach NRW: Real nimmt vorsorglich seine Lasagne aus den Regalen. Eine Warnung des EU-Schnellwarnsystems löste im NRW-Verbraucherschutzministerium Alarm aus. Lieferlisten belegten, dass über den Zwischenhändler, der falsch etikettierte Lasagne nach Großbritannien lieferte, auch ein Lager in NRW versorgt worden sei, hieß es.

Nicht immer haben Lebensmittelkontrolleure ein so leichtes Spiel wie vor knapp neun Jahren in Gelsenkirchen. Da betraten sie genau in jenem Moment eines der zwei gigantischen Kühllager in ihrer Stadt, als ein Fleischhändler damit begann, zehn Jahre altes Fleisch in frisches umzuetikettieren. So offensichtlich wie beim Gammelfleisch-Skandal geht es bei dem aktuellen um rumänisches Pferdefleisch leider nicht zu. Dessen Wege sind verschlungener. Doch auch sie führen nun nach Nordrhein-Westfalen.

Am späten Dienstagabend jedenfalls löste eine Warnung des EU-Schnellwarnsystems im NRW-Verbraucherschutzministerium Alarm aus. Lieferlisten belegten, dass über jenen Zwischenhändler, der falsch etikettierte Lasagne nach Großbritannien geliefert hat, auch ein Lager in Nordrhein-Westfalen versorgt worden sei. „Wir versuchen nun, die Wege der Waren von diesem Lager aus weiterzuverfolgen“, erklärt Ministeriums-Sprecher Stephan Malessa.

Kommentar
Kontrolliert, was wir essen! - von Hayke Lanwert

Man fragt sich schon, wieso es für den Hersteller profitabler war, Pferdefleisch zu verarbeiten als das auf dem Etikett angegebene Rindfleisch. Denn Pferdefleisch ist eigentlich teurer. Aber das, was draufsteht, sollte auch drin sein. Darauf haben Verbraucher ein Recht.

Im Laufe des Tages jedenfalls saßen Lebensmittelkontrolleure unter anderem im Büro der Tiefkühlfirma Eismann in Mettmann. Auch hier geht es um Lasagne. „Ja, die waren bei uns. So wie bei vielen anderen Firmen auch!“, versucht Firmen-Sprecher Hubertus Menke zu relativieren. Die Kontrolleure seien vor allem an der Lieferkette interessiert gewesen. Eismann habe aufgrund einer Information bereits in der vergangenen Woche zwei Produkte aus dem Sortiment genommen. Ein Laborbefund liege bislang noch nicht vor.

Auch Real nahm vorsorglich Lasagne aus dem Verkauf

Auch bei Kaiser’s Tengelmann hatte man vor ein paar Tagen vorsorglich reagiert und eine Lasagne der Marke A&P aus den Truhen genommen. Hersteller der Tiefkühllasagne sei der französische Hersteller Comigel, der auch die mit Pferdefleisch verarbeitete englische Lasagne produziert hat. Der Laborbefund steht noch aus.

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er Skandal um nicht deklariertes Pferdefleisch zieht weitere Kreise - und die Aufregung bei den Verbrauchern ist groß. Doch anrüchig, da sind sich ein Recklinghäuser Ross-Metzger und ein Kölner Philosoph einig, ist es nicht, Pferdefleisch zu essen. Aber: es als Rindfleisch auszuzeichnen.

Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte, der Tipp sei vom Großhändler Markant gekommen, einer Schweizer Firma, deren deutscher Part in Offenburg beheimatet ist. Markant wollte gestern gegenüber dieser Zeitung keine Stellungnahme dazu abgeben. Auch Real nahm vorsorglich Lasagne der Marke Tip aus dem Verkauf, ebenso Mini-Cheeseburger von Agro-On. Ein Fernsehsender habe das Unternehmen auf die Produkte aufmerksam gemacht. „Laut Labor befanden sich in der Lasagne 0,4 Prozent Pferdefleisch“, sagt Real-Sprecher Jablonski. Real startete am Abend einen Rückruf.

Der Skandal schwappt ins Land der Pferdeliebhaber

Die Suche nach dem als Rind deklarierten Pferdefleisch hat in Deutschland gerade erst begonnen. Doch so sicher es ist, dass ordnungsgemäß verarbeitetes Pferdefleisch an sich keine Gefahr für den Menschen darstellt, ja, manchem gar als Delikatesse gilt, so sehr drängen sich diese Fragen auf: Warum wurde Pferdefleisch verarbeitet, das doch von der Branche als teurer eingeschätzt wird? Von welchen Tieren genau stammt das Fleisch, wieso erschien es den Erzeugern von Lasagne und Mini-Cheeseburgern profitabler?

Ausgerechnet nach NRW, ins Land der Pferdeliebhaber, schwappt der Skandal nun. Laut Verbraucherministerium sind alle Lebensmittelüberwachungsbehörden angewiesen worden, gezielt nach Produkten zu suchen, die im Verdacht stehen, Pferde- statt Rindfleisch zu enthalten. Stichproben jedoch ergaben, dass dieser Hinweis bei vielen Kontrolleuren noch nicht angekommen ist. „Unsere sechs Leute sind unterwegs. Aber es gab keinen konkreten Hinweis, wonach sie suchen sollen“, erklärte Bochums Stadtsprecher Thomas Sprenger. Ähnlich klang das auch in anderen Städten des Ruhrgebiets.

Hayke Lanwert



Kommentare
14.02.2013
08:34
Real ruft Lasagne mit Pferdefleisch-Spuren zurück
von Wunderratte | #9

@ cui.bono #5

Nicht okay ist es, wenn auf der Verpackung etwas anderes deklariert ist, als tatsächlich darin enthalten ist.

Ausserdem ist unklar, ob das verwendete Pferdefleisch vom Veterinär als zum Verzehr geeignet deklarirert worden ist/wäre.

Ansonsten habe ich persönlich auch nichts dagegen Pferdefleisch zu essen, wenn es denn als solches deklariert ist und mir nicht als Rindfleisch verkauft wird. Im Gegenteil, Rouladen und Gulasch vom Pferd sind mit die besten. Und ungarische Salami mit Fleisch von Pferd und Esel galt mal als Delikatesse - heutzutage fast nicht mehr zu bekommen.

14.02.2013
08:16
Real ruft Lasagne mit Pferdefleisch-Spuren zurück
von R.Gras | #8

War doch klar, das Real wieder dabei ist.

14.02.2013
07:58
Real ruft Lasagne mit Pferdefleisch-Spuren zurück
von peterjanzen | #7

Was bedeutet genau "Spuren von Pferdefleisch"? 0,2%, 1%, 50%?

Bevor der Stammtisch der Berufsbetroffenen mit der Moralkeule mal wieder den Untergang des Abendlandes propagiert, sollen doch erstmal genaue Fakten auf den Tisch.

2 Antworten
Real ruft Lasagne mit Pferdefleisch-Spuren zurück
von DerRheinberger | #7-1

"Im Pferdefleisch-Skandal sind nun auch in Deutschland Produkte mit falsch deklariertem Fleisch aufgetaucht. Die Supermarktkette Real rief am Mittwoch die "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück, nachdem in einzelnen Stichproben Anteile von Pferdefleisch gefunden worden waren, wie das Unternehmen in Mönchengladbach mitteilte."

RP-Online schreibt von "Anteilen", und das sind keine Spuren!

Real ruft Lasagne mit Pferdefleisch-Spuren zurück
von peterjanzen | #7-2

Und hier steht Spuren. Ist die RP nun allwissend oder nur skandalgeiler?

14.02.2013
06:36
Damit hat sich die "Fertigfraßindustrie" selbst ins Knie geschossen!
von DerRheinberger | #6

Wäre Hunde- oder Katzenfleisch in Fertigfraß enthalten, wie groß wäre dann der Aufschrei der Stammtischbrüder hier im Forum.

Endlich sind die Ämter dadurch mal auf Trab gebracht worden. Was jetzt erfolgen muß, sind heftige Strafen wegen Betrugs an den Verbrauchern. Hoffentlich verschwinden durch diesen Skandal die undefinierbaren Fertigprodukte aus den Regalen der Supermärkte! Selbst Kochen ist angesagt!



14.02.2013
06:12
Und wo ist das Problem?
von cui.bono | #5

Was ist an Pferdefleisch eigentlich nicht okay. Das ist sogar gesünder als Rindfleisch!

14.02.2013
00:30
"Denn Pferdefleisch, das bestätigen Vertreter der Branche, ist eigentlich teurer."
von Schorlemme | #4

Ja nee iss klar.

(Hamm/NRW)
vollfleischig Warmblut: 0,35 - 0,50 €
geringfleischige Pferde: 0,15 - 0,30 €

Und in Ungarn und Rumänien kostet Pferdefleisch, das in der Lasagne verarbeitet wurde ca. 0,04 € pro Kilogramm

14.02.2013
00:06
@Hayke Lanwert
von vaikl2 | #3

Es gibt keinen "Pferdefleisch-Skandal", außer man möchte statt echter Berichterstattung nur Auflage mittels Nachäffen und Abschreiben machen.

13.02.2013
23:39
Real ruft Tiefkühl-Lasagne mit Pferdefleisch-Spuren zurück
von Schorlemme | #2

Pferdefleisch ist 80 % billiger als Rindfleisch. Und beim Pferdemetzger kostet es doppelt so viel wie Rindfleisch.

13.02.2013
21:31
Lebensmittelkontrolleure suchen in NRW nach Pferdefleisch
von dannywild2 | #1

Seid doch froh, dass es nicht Ratte ist !

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