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Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt

26.02.2009 | 23:45 Uhr
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt

Düsseldorf. Es ist ein Alarmsignal für den Arbeitsmarkt: Im Februar haben die Unternehmen in NRW die Kurzarbeit massiv ausgeweitet und damit Entlassungen verhindert. Doch Experten sind skeptisch, wie lange die Betriebe dies durchhalten. Sie befürchten schon bald einen Einbruch am Arbeitsmarkt.

Die Wirtschaftskrise trifft immer mehr Firmen hierzulande. Doch noch versuchen die Unternehmen, Massenentlassungen zu vermeiden: Im Februar weiteten die Unternehmen in NRW die Kurzarbeit massiv aus. Die Zahl der neu angemeldeten Kurzarbeiter verdoppelte sich im Vergleich zum Januar.

Zahl der Kurzarbeiter und Betriebe mit Kurzarbeit im Jahresdurchschnitt von 1993 bis 2008.

„Die Unternehmen setzten verstärkt auf Kurzarbeit. Das weist darauf hin, dass man das eingearbeitete Personal so lange wie möglich halten will“, erklärte Christiane Schönefeld, Chefin der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit.

Einbruch am Arbeitsmarkt verhindert - doch wie lange?

Die massive Ausweitung der Kurzarbeit dämpfte im Februar den Anstieg der Arbeitslosenzahlen in NRW. Den Angaben zufolge waren 795.360 Frauen und Männer erwerbslos – 14.445 mehr als im Januar. Doch trotz der Zunahme liegen die Arbeitslosenzahlen immer noch leicht unter denen des Vorjahres.

>>> Die aktuelle Arbeitsmarktgrafik für NRW finden Sie hier  <<<

Arbeitsmarktexperten befürchten jedoch, dass die Firmen die Kurzarbeit nicht lange durchhalten. Schon ab Sommer dürften die Arbeitslosenzahlen stark steigen. „Der rapide Anstieg der Kurzarbeit ist ein Alarmsignal für den Arbeitsmarkt“, sagte der Arbeitsmarktexperte des Institutes der deutschen Wirtschaft (IW), Holger Schäfer. Kurzarbeit sei ein Mittel, um auf zeitlich befristete Krisen zu reagieren. Doch wenn sich nach einem halben Jahr bis dreiviertel Jahr keine Aussicht auf Besserung zeigt, dürften viele Unternehmen die Reißleine ziehen. „Dann sind Entlassungen wohl nicht zu vermeiden“, sagte Schäfer.

Ein Szenario, das sich unter anderem bei Thyssen-Krupp abzeichnet: Obwohl die Stahlsparte von Thyssen-Krupp die Kurzarbeit bereits massiv ausgeweitet hat und etwa die Hälfte der 19.000 in Deutschland Beschäftigten davon betroffen ist, drohen nun auch Entlassungen. Bislang ist von einem Stellenabbau in der Größenordnung von 1500 die Rede. Der Betriebsrat will sich jedoch gegen drohende Entlassungen wehren.

262.700 Menschen in Kurzarbeit in NRW

Info
Kosten der Kurzarbeit

Der Arbeitnehmer erhält an den Tagen mit Kurzarbeit 60 bzw. 67 Prozent seines ausfallenden Lohnes von der Arbeitsagentur gezaht. Bislang musste der Arbeitgeber noch auf 80 Prozent des ausfallenden Lohnes die Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Das hat sich zum 1. Februar geändert. Seither übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Hälfte dieser 80 Prozent. Wenn der Arbeitgeber an den Kurzarbeitstagen seine Mitarbeiter weiterbildet, zahlt er gar nichts mehr.

Wie Thyssen-Krupp nutzen die Unternehmen in NRW die Kurzarbeit derzeit besonders stark. Das zeigen die Zahlen der Regionaldirektion:: Von 1. bis zum 24. Februar meldeten 2640 Betriebe für 94.100 Mitarbeiter Kurzarbeit an. Das waren doppelt so viele, wie im Januar, als 1700 Unternehmen für 45.000 Beschäftigte Kurzarbeit einführten. Auch bundesweit stiegen die Anmeldezahlen von Januar auf Februar rapide an, von rund 290.000 Beschäftigte auf 670.000.

In NRW summiert sich seit Oktober nunmehr die Anzahl der Betriebe mit Kurzarbeit auf 7600. Betroffen davon sind 262.700 Arbeitnehmer.

Die Krise hat vor allem den Automobilbau, die Autozulieferer, die Metall verarbeiteten Unternehmen und den Maschinenbau erfasst. Laut IG Metall gibt es aktuell bei etwa 70 bis 80 Prozent aller Automobilzulieferer in NRW Kurzarbeit. 

Allerdings gibt die Abwrackprämie Anlass zur Hoffnung. Wegen der gestiegenen Nachfrage haben Automobilzulieferer wie Ford, Opel und VW ihre für März geplante Kurzarbeit wieder zurückgeschraubt. Das könnte nicht nur den Zulieferern helfen, auch in der Stahlindustrie könnte dies wieder zu mehr Aufträgen führen.  

Soest und Märkischer Kreis Spitze

Die meisten Kurzarbeiter – bezogen auf die Beschäftigtenzahl – gab es Ende letzten Jahres im Kreis Soest. Mit einer Kurzarbeiter-Quote von 6,5 Prozent führte der Kreis die Liste sowohl in NRW als auch bundesweit an. An zweiter Stelle folgte der Märkische Kreis. Dort lag die Quote bei 3 Prozent. Mittlerweile ist sie nach einem Bericht der IKZ auf 12 Prozent in die Höhe geschnellt. Auch im Kreis Soest hat sich die Kurzarbeiterzahl fast verdoppelt. Vor allem die Kurzarbeit bei großen Unternehmen wie Thyssen Feinguss und beim Autozulieferer Hella mit 5800 Mitarbeitern schlagen sich dort nieder.

Im Februar wurden besonders viele Kurzarbeiter im Märkischen Kreis (Iserlohn) sowie in Hagen angemeldet.

Die Bundesregierung hatte die Kurzarbeiterregelung in ihrem Konjunkturpaket auf 18 Monate ausgedehnt, um so eine Entlassungswelle zu verhindern. Mittlerweile soll Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) erwägen, die mögliche Dauer auf zwei Jahre zu verlängern. IW-Arbeitsmarktexperte Schäfer warnt jedoch vor einem solchen Schritt: „Es besteht die Gefahr, dass wir überholte Strukturen mit Beitragsmitteln zementieren.“

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Janet Grund

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Kommentare
27.02.2009
17:10
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von Elektrosteiger | #10

Oder die tollen Zahlen der Arbeitslosen vom Onkel Weise aus Nürnberg...

Das, was die BA monatlich veröffentlich ist sowieso nicht das Papier wert, auf dem es steht...

27.02.2009
11:30
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von ScholzesZahlenspiele | #9

Die Tätigkeit von Olaf Scholz (SPD-Hamburg) beträgt m.E. zu 95 % darin, die Arbeitslosenzahlen SCHÖN zu reden mit der Clementschen Zählformel. Hunderttausend ältere Arbeitslose über 57 Jahre, werden ebenfalls nicht in den Statistiken mitgeführt, weil sie sich für die sog. 57.er Regelung entschieden haben !!! Weiterhin sind hunderttausen sog. Leiharbeiter bei den Sklavenhändlern dabei, ihren Urlaub zu verplämpern und Überstundenkonten abzubauen - Quasi ebenfalls ohne Arbeit, jedoch nicht auf SPD-Scholzes Zählzettel !!!

27.02.2009
10:47
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von immerNett | #8

Es brennt Herr Arbeitsminister Olaf Scholz, was tun sie dagegen? Nur palavern hilft nicht.

27.02.2009
07:49
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von ZivilerUngehorsam | #7

Januar 2009 = 6,5 Millionen Arbeitslose.

Ein Artikel bei Stern-Online hat die üblicherweise aus der Statistik herausfallenden Arbeitslosen ( 1€-Jobber, Maßnahme usw.) mit aufgelistet.

http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/arbeit/:Arbeitsmarktstatistik-Wer--/655995.html

27.02.2009
01:18
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von hamicha | #6

Selten so eine wirklich dämliche Überschrift gelesen !
Die Kurzarbeiter von heute werden die Hartz IV-er von morgen sein.
Die Umschüler,Arbeitsgelegenheits-Wahrnehmer, 1-Euro und 400,- Euro -Jobber kommen in den Statistiken vmtl. auch nicht vor. Sind ja Arbeitnehmer.

26.02.2009
19:52
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von dasKollektiv | #5

werden in den veröffentlichen Arbeitslosenzahlen aus Nürnberg explizit auch die Kurzarbeiter aufgelistet?

26.02.2009
18:12
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von supply | #4

Oh ja, da wird wieder gelogen was das Zeug hält....bin mal gespannt wie die Zahlen im November 09 aussehen, meine Prognose 10000000...boh müssen die Maßnahmen aus dem Boden stampfen um die Zahl zu Manipulieren....

26.02.2009
16:04
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von Kurzarbeit ist Hartz4Anwärter | #3

Mittlerweile soll Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) erwägen, die mögliche Dauer auf zwei Jahre zu verlängern.
DAS habe ich mir schon gedacht, als ich nur den Leitartikel gelesen habe.
Zwei Jahre? Wann sind in dem Land des Arbeiterführers Rüttgers noch einmal Landtagswahlen?

26.02.2009
14:49
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von ayberger | #2

Die Kurzarbeit bewahrt immerhin die Anwartschaft auf einen bzw. den Bestand eines Arbeitsplatzes. Wer ihn generell verliert, kommt später auch wesentlich schlechter wieder hinein. Lieber kurz als gar nicht!

26.02.2009
14:32
Rapider Anstieg der Kurzarbeit rettet den Arbeitsmarkt
von Meinemal | #1

Ob die Steuergelder bzw. die Schulden der nachfolgenden Generationen den Schutzschirm der Bundesregierung solange spannen werden, bis die Bundestagswahl vorbei ist ? Wie lange wird Arbeitslosigkeit euphemistisch als Kurzarbeit verkauft, wenn Arbeit und Aufträge ausbleiben ? Na ja, die Statistikverdreher aus Nürnberg werden uns das schon ganz genau erklären.

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