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Promis aus Plastik

20.06.2008 | 22:05 Uhr
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Die Puppe muss ihren Platz in Kinderzimmern und am Markt hart gegen die Konkurrenz aus Videospielen verteidigen.Ein Neusser Unternehmer hat mit Figuren, die Angela Merkel oder Barack Obama ähneln, eine Nische entdeckt

Neuss. Der Dalai Lama, Barack Obama und Papst Benedikt XVI. schauen aus dem Fenster am Marienkirchplatz in Neuss. Nebeneinander stehen sie im Schaufenster der "Puppenklinik". Das kleine Geschäft ist ringsum verglast, kaum ein Passant, der nicht den Blick kurz über die Regale schweifen lässt. Hinter den Scheiben sitzt Marcel Offermann, Puppendoktor und Unternehmer. Gerade ist er mit seiner neuesten Idee weltweit in den Schlagzeilen gelandet. Der 37-Jährige hat eine Barack-Obama-Puppe auf den Markt gebracht.

Der Präsidentschaftsbewerber der USA ist Teil der Serie "Offermanns Berühmtheiten". Zuvor hat Offermann schon Angela Merkel, den Papst, Mozart, Prinzessin Diana und den Dalai Lama in den Kunststoff Tortulon gießen lassen. Mit den Prominenten hat der ausgebildete Rettungssanitäter eine Marktnische im Puppenmarkt gefunden. Auf die Puppen-Idee kam Offermann während er als Student der Germanistik bei einem Puppenmacher jobbte. Vor 13 Jahren machte er sich mit der Restaurationen und Reparaturen von Puppen selbstständig.

Damals war die Spielzeug-Welt beinahe noch in ihrer alten Ordnung. Plüschtiere, Bausteine, Brettspiele und Co stellten mit gut 2,6 Milliarden Euro 90 Prozent vom gesamten deutschen Spielzeugmarkt. Und davon flossen immerhin 317 Millionen Euro den Puppenherstellern zu. Barbie, Ken und Baby born hatten einen Anteil von 13 Prozent am traditionellen Spielzeugumsatz. Zum Vergleich: Vor 13 Jahren, als Offermann den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, kamen Videospiele erst auf 270 Millionen Euro Umsatz. Puppe schlägt Lara Croft - das war einmal.

Heute liegt der Umsatz mit Videospielen weit über 950 Millionen Euro. Und die Puppen halten nur noch zehn Prozent am traditionellen Spielzeug-Markt, der über die Jahre bröckelte. Kurzum: Heute schaffen die Puppen nur noch rund 220 Millionen Euro Umsatz - fast ein Drittel weniger als 1995.

Kein Wunder, dass PuppenErfinder Offermann sich etwas einfallen lassen musste. 2005 brachte er seine erste Promipuppe auf den Markt. Die Ähnlichkeit erzeugt der Neusser mit Haaren, Bemalung und detailgetreuen Kostümen. Barack Obama etwa ziert ein kleiner Stars-and-Stripes-Pin. Der Ausflug in die Politik hat Offermann einige Kritik eingetragen. Das Gesicht von Obama ist mit einer 60 Jahre alten Form gegossen worden, eine Form, mit der in den Fünfzigern "Negerpüppchen im Bastrock" gegossen wurden, während Afro-Amerikaner im Bus hinten sitzen mussten. Obamas Pressesprecher, dem er, Offermann, eine Puppe geschickt hat, habe sich allerdings positiv geäußert: Auf die Idee hätte doch eigentlich ein Amerikaner kommen müssen.

Die Form stammt von dem traditionsreichen Puppenhersteller Schildkröt GmbH in Thüringen. Dort lässt Offermann seine Puppen-Ideen in Plastik gießen. Eine neue Form zu fertigen, "kostet 30 000 bis 35 000 Euro, wenn man damit 1000 Puppen herstellen will", sagt Offermann. Zur Einordnung: Die auf 999 Stück limitierte Obama-Puppe kostet 139 Euro. "So viel wie eine andere Schildkröt-Puppe in der Größe auch kostet."

Einen Gesamtumsatz nennt der Puppen-Doc nicht, ebenso verschwiegen gibt sich der Produzent Schildkröt. Nur so viel: In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen "einen leichten Rückgang" des Umsatzes verzeichnet, sagt Geschäftsführer Stephan Biemann. "Allerdings sind wir Schwankungen nicht so unterworfen, weil wir nicht in der Massenproduktion sind".

Für die Masse produziert hingegen Zapf Creation, der Marktführer bei Spielpuppen in Deutschland. 58,5 Prozent Marktanteil hatte der Hersteller von "Baby born" 2007 laut Geschäftsbericht. Von 110,5 Millionen Euro Umsatz entfallen auf die Babypuppe 59,7 Millionen Euro.

Über Absatzprobleme kann auch Marcel Offermann nicht klagen: Obama verkaufe sich in den USA sehr gut, der Papst sei nach zwei Wochen vergriffen gewesen. "Nur von der Kanzlerin sind noch Exemplare erhältlich."

Von Nadja Kremser

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