Probleme bei Zulieferern sorgen die Autohersteller

Detroit..  Es ist ein Alptraum für jeden Autofahrer: Der Lebensretter Airbag wird beim Unfall zur tödlichen Splitterbombe. Nach den Pannen des japanischen Zulieferers Takata ist dieses Horrorszenario in den USA und Asien Realität. Die bisherige Bilanz: Fünf Todesopfer, 20 Millionen zurückgerufene Autos. Welche Wellen das Drama noch schlägt, wollen auch Fachleute nicht abschätzen.

In der Kritik steht das Krisenmanagement des Zulieferers. Probleme waren länger bekannt, schon 2013 mussten Millionen Autos in die Werkstatt. Inzwischen nahm der Rückruf nie geahnte Ausmaße an, vieles ist ungeklärt. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg sieht einen wachsenden „Eindruck der Verschleppung“.

Denn nach der Eskalation im vergangenen Oktober schwieg Takata-Konzernchef Shigehisa Takada wochenlang. Inzwischen nahm Gründer-Enkel Takada das Tagesgeschäft in die Hand. Die Autohersteller, die ihren Kunden den Rückruf erklären müssen, beobachten Takatas Krisenmanagement mit Argusaugen.

Die ganze Branche ist durch Fehler von Zulieferern verwundbarer geworden. Sie hat zuletzt immer größere Teile der Wertschöpfung ausgelagert, rund zwei Drittel kommen mittlerweile von externen Lieferanten. Zum Sparen werden identische Bauteile quer durch alle Modellreihen verwendet – so kann schon eine vergleichsweise kleine Panne zu Rückrufen im Millionenbereich führen.

„Wir wissen, dass die Qualität unserer Fahrzeuge stark vom Qualitätsmanagement der Zulieferer abhängig ist“, bringt es Daimler-Chef Dieter Zetsche auf den Punkt. Die Hersteller müssen daher mögliche Fehlerquellen im Auge haben und den Zulieferern sehr genau auf die Finger schauen. „Die Lieferantenqualität ist insgesamt ein Thema in der Autobranche“, sagt Porsche-Chef Matthias Müller.

Stephen Lind, Chef des US-Branchenanalysten KBB, erwartet, dass die Autobauer nach dem Takata-Schock gerade die Fehlerkultur ihrer Lieferanten genauer durchleuchten. Kernfrage: Wie transparent geben sich die Zulieferer nach Pannen? Mit der praktizierten Offenheit steht und fällt laut Lind, ob ein Rückruf die Kunden vergrätzt. Daher beordern die Hersteller ihre Autos selbst bei kleinen Mängeln zu „Servicemaßnahmen“ in die Werkstätten. Zwar gehen auch diese Wartungen ins Geld – im Vergleich zu einem bleibenden Imageschaden kommt das aber weit günstiger.

Als zweite Gegenmaßnahme könnten die Hersteller Risiken breiter streuen. Laut Autoexperte Dieter Becker vom Beratungsunternehmen KPMG erwartet die Zuliefererbranche als Folge des Takata-Dramas, dass ihre mächtigen Kunden bei zentralen Bauteilen noch stärker auf unterschiedliche Lieferanten setzen.

Doch es gibt längst nur noch ein knappes Dutzend globale Zulieferer - darunter die deutschen Größen Continental, Bosch und ZF. Wer internationale Autobauer bedienen will, muss selber groß sein. Daran hatten bisher auch die Autobauer Interesse, weil hohe Stückzahlen in der Regel geringere Absatzpreise ermöglichen. Nun zeigt sich: Im Trend zur Größe steckt auch großes Risiko.