Preise in NRW eingefroren

Vor allem Heizkosten sind 2014 gesunken.
Vor allem Heizkosten sind 2014 gesunken.
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Was wir bereits wissen
Die Teuerungsrate lag im Dezember nahe Null. Das hebt die Konsumlaune

In Nordrhein-Westfalen sind die Preise eingefroren. Im Dezember büßte die Inflationsrate ihre eigentliche Bedeutung fast komplett ein, denn eine Teuerung von Verbrauchsgütern war kaum noch feststellbar. Gegenüber dem Vorjahresmonat betrug sie laut Statistischem Landesamt nur noch 0,1 Prozent, im Vergleich zum November sanken die Preise im Schnitt sogar um 0,1 Prozent. Einen noch niedrigeren Wert gab es in NRW zuletzt auf dem Höhepunkt der europäischen Schulden- und Finanzkrise im September 2009.

Weil die Menschen gleichzeitig durch recht ordentliche Tariferhöhungen aus dem vergangenen Jahr rund zwei Prozent mehr Geld zur Verfügung haben, darf der Handel darauf hoffen, dass die ohnehin schon enorm gute Kauflaune der Deutschen weiter steigt. Die kaum noch spürbare Teuerung könne zumindest die übliche Januar-Delle glätten, sagte Dirk Pfeffer, Partner beim Marktforschungsunternehmen Puls, dieser Zeitung. „Niedrige Inflation und niedrige Sparzinsen – viel mehr Anreize zum Konsum kann es für die Menschen kaum geben“, sagte er.

Die Heizöllieferanten und Tankstellenpächter treffen schon seit Monaten auf ungewöhnlich entspannte Kunden. Auch im Dezember trug der Preisverfall bei den Kraftstoffen (-15 Prozent gegenüber Dezember 2013) und Heizöl (-23 Prozent) maßgeblich zur kaum messbaren Inflation bei. Doch im Gegensatz zum Frühjahr und Sommer wurde es zuletzt auch im Supermarkt nicht mehr teurer. Nahrungsmittel waren im Dezember im Schnitt um 0,6 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.

Auch Lebensmittel günstiger

Allein die um 1,4 Prozent gestiegenen Mieten und die um 1,8 Prozent höheren Stromkosten verhinderten, dass im Dezember aus der Inflations- eine Deflationsrate wurde. Im Gesamtjahr 2013 bewegten sich die Nahrungsmittelpreise mit einem Plus von 1,7 Prozent aber noch im normalen Rahmen. Solange vor allem die fallenden Ölpreise am Weltmarkt für die niedrige Teuerungsrate in Deutschland verantwortlich sind, befürchten die meisten Ökonomen hierzulande auch keine negative Deflationsspirale, die das Potenzial hätte, die gesamte Wirtschaft nach unten zu ziehen. Das wäre dann der Fall, wenn sinkende Preise zu sinkenden Umsätzen, sinkenden Löhnen bei steigender Arbeitslosigkeit und letztlich noch stärker sinkenden Preisen führen würden.

Die Kauflaune der Deutschen, die laut den Konsumforschern der GfK gerade erst einen neuen Acht-Jahres-Höchstwert erreicht hat, steht diesem Negativ-Szenario entgegen. Der Konsumrausch müsste im Gegenteil die Preise eigentlich wieder steigen lassen. Das verhindert derzeit aber laut Marktforscher Dirk Pfeffer der schwächelnde Export von Verbrauchsgüter. So erhöht etwa das wechselseitige Handelsembargo zwischen Europa und Russland hierzulande das Angebot der betroffenen Waren. Das spiegelt sich zum Beispiel in sinkenden Preisen für Obst und Gemüse wider.

Die Null-Inflation lindert auch das Leid der deutschen Sparer: Ihr auf Giro-, Spar- oder Tagesgeldkonten darbendes Geld verlor in den vergangenen Monaten beständig an Wert, weil die Teuerung zwar niedrig, aber immer noch deutlich höher lag als die Sparzinsen von wenigen Zehntel Prozenten. Zum Jahresende hielten sich Zinsen und Inflation auf niedrigstem Niveau immerhin die Waage, was den Wertverlust des Geldes statistisch gestoppt hat.

Konsumexperte Pfeffer glaubt trotzdem nicht, dass die Leute ihr Geld nun wieder vermehrt aufs Konto packen als es auszugeben – „dafür sind die Zinsen einfach viel zu niedrig“.