Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Internet

Politiker und Unternehmer bei Internet-Regulierung uneins

12.11.2012 | 13:36 Uhr
Politiker und Unternehmer bei Internet-Regulierung uneins
Politiker auf der einen und Unternehmer auf der anderen Seite kommen in der Debatte über Chancen und Risiken des Internets kaum zum Konsens.Foto: dapd

Berlin.  Deutsche Unternehmen fühlen sich im Internet in ihrer Freiheit eingeschränkt. Das geht aus einer Befragung von 60 Führungskräften hervor. Politiker dagegen, versuchen Regeln für das Internet zu entwerfen um Bürger zu schützen. Damit kommen beide Seiten auf keinen gemeinsamen Konsens.

Mehr Regulierung versus Selbstkontrolle der Masse: Politiker und Unternehmer haben laut einer Studie häufig gegensätzliche Ansichten bei netzpolitischen Fragen. Die größten Differenzen gibt es in der Frage, welche Verhaltensregeln für die digitale Welt gelten müssen, wie Studienleiterin Silke Borgstedt vom Sinus-Institut am Montag in Berlin sagte.

Die Forscher befragten 60 Führungskräfte im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), das von der Deutschen Post finanziert wird. Am Dienstag kommen Experten der Branche in Essen zum nationalen IT-Gipfel zusammen.

Borgstedt sagte, viele Politiker äußerten das Bemühen, Regeln zu schaffen, um Bürger zu schützen. Unternehmer sähen sich dadurch in Deutschland aber in ihrer Freiheit eingeschränkt, im Netz zu agieren. Etwa habe ein Politiker im Gespräch mit den Forschern die Befürchtung geäußert, dass die Steuerungsfähigkeit demokratischer Institutionen ein Stück weit verloren gehe, wenn die moderne Informationstechnik weiter Raum greife.

Der "schwarze Peter" Verantwortung

Derartige Ängste empfänden viele Wirtschaftsvertreter hingegen als lästig, fasste Borgstedt den Eindruck aus den Interviews zusammen. Sie sähen im Netz zahlreiche Chancen für neue Vertriebswege und sich als Unternehmen als "Kapitäne im Netz". Firmenchef bedauerten die Macht der internetkritischen Lobby nach dem Motto: "Nur weil die einen zu doof sind, sich zu schützen, müssen die anderen auf Freiheit verzichten."

DIVSI-Direktor Matthias Kammer wies darauf hin, dass die meisten Führungskräfte die Verantwortung für die Gestaltung des Internets bei den Nutzern selbst ansiedelten und sich weitgehend gegen Regulierungen aussprachen. Doch nur etwa ein Viertel der Nutzer habe in einer Studie des Instituts aus dem Frühjahr für völlige Freiheit plädiert. Die meisten Bürger erwarteten den Schutz des Staates . Kammer wies darauf hin, dass die Verantwortung für die Regulierung beziehungsweise Selbstregulierung als "Schwarzer Peter" hin- und hergeschoben werde.

Zeit der Offliner ist vorbei

Weitgehend einig waren sich die Befragten der sogenannten "Meinungsführer-Studie", unter ihnen auch Professoren und Medienmanager, dass sich niemand mehr dem Einfluss des Internets entziehen könnte. "Auch diejenigen, die der Meinung sind, sie seien Outsider und offline, weil sie das persönlich so empfinden, sind in Wirklichkeit doch längst mit der digitalen Welt verbunden", sagte Kammer.

Er bezog sich dabei auf die "Milieu-Studie" seines Instituts, bei deren Erhebungen sich 39 Prozent selbst als digitale Außenseiter bezeichneten. Diese gibt es aber Kammer zufolge nicht mehr, weil etwa über internetfähige Fernseher und Mobiltelefone überall Schnittstellen zum Internet bestünden.

Für März 2013 kündigten Borgstedt und Kammer Ergebnisse einer großen repräsentativen Befragung mit ähnlichen Schwerpunkten an.

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7284849/create

Umfrage
Dramatischer Kurseinsturz beim Nikkei-Index in Tokio , auch der DAX hatte am Vortag verloren . Legen Sie noch an der Börse Ihr Geld an?

Dramatischer Kurseinsturz beim Nikkei-Index in Tokio , auch der DAX hatte am Vortag verloren . Legen Sie noch an der Börse Ihr Geld an?

 
Fotos und Videos
Premiere der neuen S-Klasse
Bildgalerie
Mercedes-Benz
Zwischen Bangen und Hoffen
Bildgalerie
Opel Bochum
Opel-Aus im Jahr 2015
Bildgalerie
Opel
Zyperns Banken geöffnet
Bildgalerie
Euro-Krise
Aus dem Ressort
Neue Zuwanderer sind laut Studie gebildeter als Deutsche
Studie
Ingenieure aus Spanien, indische IT-Spezialisten und Ärzte aus Marokko: Nach Deutschland wandern immer mehr Fachkräfte ein. Eine Studie belegt, dass das Bildungsniveau der Neuzuwanderer deutlich über dem deutschen Durchschnitt liegt. Das Klischee des analphabetischen Bauern hat ausgedient.
Brauer in NRW sehen "Kulturgut Bier" durch Fracking bedroht
Erdgas
Bis zu 13 Jahre lang könnte Deutschland den Gasbedarf mit im Gestein schlummernden Reserven decken. Doch mit reinem Bier könnte dann Schluss sein - meint zumindest der Brauerverband. Die Gasfördermethode Fracking könne zu Verunreinigungen im Grundwasser führen und so die Bierqualität beeinflussen.