Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Pferdefleisch-Skandal

Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen

18.02.2013 | 08:34 Uhr
Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen
Ein Mitarbeiter im Labor des Bundeslandes Berlin-Brandenburg untersucht Fleischproben auf Pferdeanteile.Foto: Florian Schuh/dpa

Essen.   Allein 144 Tonnen Pferdefleisch sollen in Luxemburg in 360.000 Fertiggerichten für den deutschen Markt untergerührt worden sein, heißt es in einem Medienbericht. Dazu kommen noch rund 750 Tonnen, die in Frankreich zu Rind „veredelt“ worden sein sollen. Täglich werden neue Rückrufe von kontaminierten Lebensmitteln gemeldet: Eine Chronik.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will zügig Konsequenzen aus dem Skandal mit falsch deklariertem Pferdefleisch in Fertigprodukten ziehen. "Wir brauchen auf alle Fälle ein schnelles Vorgehen", sagte Aigner am Montag im Deutschlandfunk. Sie will am Vormittag bei einem Treffen der Verbraucherminister von Bund und Ländern in Berlin einen Entwurf für einen Nationalen Aktionsplan vorlegen. Das Konzept der CSU-Politikerin sieht unter anderem eine europaweite Herkunftskennzeichnung auch für verarbeitete Fleischprodukte vor.

Bereits jetzt müssten bei Produkten die einzelnen Zutaten aufgeführt werden, sagte Aigner. "Es muss jetzt schon Rindfleisch gekennzeichnet werden. Wenn jemand Pferdefleisch reinmischt, dann ist es schlicht und ergreifend ein Vergehen. (...) Betrug, könnte man auch sagen." Die Ministerin räumte jedoch ein: "Eine Herkunftskennzeichnung hätte auch diesen Fall nicht verhindert, weil es hier um die Fleischart geht und nicht um die Herkunft."

Ein Überblick zu den Lebensmittel-Rückrufen

Mittwoch, 6. Februar. Tengelmann nimmt heimlich seine A&P-Lasagne aus den Regalen, nachdem der Lieferant auf Pferdefleisch hingewiesen habe, erklärt das Mülheimer Unternehmen Kaiser’s Tengelmann.

Freitag, 8. Februar: In England wird vor Pferdefleisch-Lasagne gewarnt. In der dort verkauften „Beef Lasagne“ von Findus soll nur Pferdefleisch sein, gar kein Rind. Eismann zieht Lasagne in Deutschland heimlich zurück und informiert erst am Aschermittwoch darüber. Real verfährt ähnlich.

Dienstag, 12. Februar: Real zieht „Tip Lasagne Bolognese 400g“ offiziell zurück.

Mittwoch 13. Februar: Erst jetzt veröffentlicht Tengelmann seinen Lasagne-Rückruf.

Donnerstag, 14. Februar: Edeka nimmt Tiefkühl-Lasagne der Hausmarke „Gut & Günstig“ aus den Regalen. Der französische Fleischpanscher Comigel teilt mit, dass in seinen Produkten flächendeckend Pferd verwurstet wurde.

Freitag, 15. Februar: Aldi Süd entschuldigt sich für „Cucina Ravioli 800 g - Bolognese“ in der Dose und falsche Gulaschsuppe „Delikatess Rindergulasch, 540 g“ von Dreistern Konserven. Metro stoppt den Verkauf von „Lasagne Bolognese Capri 400 g“. Lidl nimmt die Nudeln „Combino Tortelloni Rindfleisch“ von Gusto aus dem Handel. Das Fleisch kommt von dem deutschen Unternehmen Vossko und Suttero aus der Schweiz.

Sonntag, 17. Februar: RTL berichtet von Pferdefleisch bei Stichproben in 20 Dönerbuden in Berlin und Leipzig. Rewe ruft „Rewe Chili con Carne 350 g” und „Rewe Spaghetti Bolognese 400 g“ zurück. Die beiden Kühl-Produkte stammen von Schuhbecks Genießer Service des bekannten gleichnamigen Fernsehkochs.

Montag, 18. Februar: Ein Drittel der britischen Verbraucher hat bei einer Umfrage angegeben, seit dem Pferdefleischskandal keine Fertiggerichte mehr zu kaufen. Der „Spiegel“ berichtet, dass Comigel 4,5 Millionen Pferde-Gerichte an 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verhökert habe. Guten Appetit.

Gerd Heidecke


Kommentare
19.02.2013
16:12
wetten dass wir schon jahrzehntelang pferd fressen?
von utecaro | #5

gabs schon immer. hund, katze und pferd im china-restarant z.b.

18.02.2013
13:01
Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen
von mirabiledictu | #4

Stelle fest: erst letzte Woche das erste Mal seit langem wieder eine Dose Ravioli verspeist. Offenbar mit einem Hottemax verfeinert. Stelle auch fest: lebe noch, keine zusätzlichen Körperteile wie Mähne oder Schweif gewachsen, Zähne sind auch nicht länger geworden und fühle mich ingesamt wie immer: gut.

Guter Augenblick allerdings, um mal wieder inne zu halten und sich die guten Vorsätze vor Augen zu halten: einfach lieber selbst kochen.

Macht mehr Spaß, schmeckt viel besser und man hat zumindest ein wenig mehr Einfluss auf den Inhalt. Irgendwie ist das Ganze schon fast wieder witzig wenn man darüber nachdenkt. Wer billig kauft, bekommt eben billig. Richtig ist es nicht, was hier gelaufen ist - keine Frage. Aber früher oder später musste sowas kommen. Irgendwer findet immer ein Schlupfloch.

18.02.2013
12:24
Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen
von Freespacer | #3

Es sind nur die Produkte genannt worden, die sowieso schon preislich wie auch qualitativ billig sind. Noch interessanter finde ich, dass es ausgerechnet die günstigen Eigenmarken (White-label-Produkte) der jeweiligen Kette betreffen. Wenn da mal der Slogan "Einmal hin, alles drin" von real,- für die Tip-Produkte nicht voll in die Hose geht. Jetzt läuft auch noch in der Glotze die Edeka-Werbung, die ihre Eigenmarke "Gut & Günstig" wirbt. Nun hat jetzt auch die Eigenmarke von Rewe voll erwischt. Das Vertrauen in die Eigenmarke der Kette schwindet merklich. Bei dem niedrigeren Kampfpreis ist das auch kein Wunder, dass in den Fertiggerichten einige Zutaten weggelassen bzw. gegen minderwertigere Zutaten ausgetauscht werden.

Der Lebensmittel-Einzelhandel sollte wirklich mal von dieser Ultrabillig-Qualitativ-Schlechte-Eigenmarke-Um-Mehr-Einnahmen-Generieren-Mentalität wegkommen. Das Image der Eigenmarke ist definitiv futsch und bestätigt sich mit meinen Erfahrungen über dessen Qualität.

18.02.2013
11:35
Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen
von zuiop | #2

" da hilft nur noch der Wechsel zum Vegetarier! "

Der Vegetarier schmeckt auch nicht besser als Rind oder Pferd :)

18.02.2013
11:03
Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen
von nussknacker | #1

da hilft nur noch der Wechsel zum Vegetarier!

1 Antwort
Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen
von Codemancer | #1-1

Mich würde mal interessieren, bei wie vielen dieser "hochwertigen" veganischen Lebenmittel ebenfalls geschummelt wird.

Vielleicht ist da ja doch weniger vegan im Tofu, als man an nimmt.

Aus dem Ressort
Wichtigster Absatzmarkt - Volkswagen legt in China stark zu
Auto
Volkswagen will in diesem Jahr auf seinem wichtigsten Absatzmarkt in China wieder stark wachsen. Europas größter Autobauer plant auch einen weiteren Ausbau der Kapazitäten, um dem rasanten Wachstum des größten Automarktes der Welt folgen zu können.
Niemand will mit Barbie spielen - Umsatzrückgang bei Mattel
Kult-Puppe
Jahrzehntelang waren Barbie und Ken aus Kinderzimmer der Mädchen weltweit nicht wegzudenken. Aber jetzt schwächelt der Umsatz von Hersteller Mattel: Die Verkäufe der Puppen-Ikone fielen im ersten Quartal um 14 Prozent. Schuld sind wohl Smartphones und Konsolen.
Taxifahrten und Gemüse könnten mit Mindestlohn teurer werden
Arbeitsmarkt
Mit der Einführung des Mindestlohns könnten Taxifahrten und Saisongemüse deutlich teurer werden. Das fürchten zumindest die Branchenverbände. So müsste eine durchschnittliche Taxifahrt um 15 Prozent teurer werden, heißt es. Auch für Spargel müssten Verbraucher mehr zahlen.
Flughafen BER wird laut einem Experten nicht vor 2017 fertig
Großprojekt
Wann werden am neuen Hauptstadtflughafen Passagiere abgefertigt? Ein Verkehrsexperte aus dem Bundestag hat angeblich Erkenntnisse dafür, dass es noch länger dauert als bisher gedacht. Der Betreiber widerspricht: "Nein, das entspricht nicht dem Sachstand der Flughafengesellschaft."
Zulieferer Continental könnte in GM-Skandal hereinrutschen
Massen-Rückruf
Der deutsche Automobil-Zulieferer Continental könnte in den Skandal um General Motors rutschen. In den USA wird eine Conti-Tochter verklagt, weil von ihr produzierte Airbags für den amerikanischen Konzern nicht funktioniert haben sollen.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?