Paketdienste stehen vor einer Mega-Fusion

Mit einer Milliarden-Fusion will der US-Konzern FedEx die Deutsche Post herausfordern. Der Paketdienst plant die Übernahme des niederländischen Konkurrenten TNT Express. Etwa 4,4 Milliarden Euro wollen sich die Amerikaner den Ausbau ihres Europa-Geschäfts kosten lassen. Das bringt Bewegung in einen Markt, der wegen deutlich höherer Zustellgebühren lukrativ für die Lieferdienste ist. Voraussetzung ist aber, die europäischen Wettbewerbshüter geben grünes Licht für diese Mega-Fusion am Paketmarkt.

Das europäische Expressgeschäft wird zurzeit von vier Unternehmen dominiert. Unangefochtener Marktführer ist die Deutsche Post-Tochter DHL Express, die auf rund 41 Prozent Marktanteil kommt. Danach folgt UPS (23 Prozent). TNT Express kommt auf 14 und FedEx aktuell auf etwa zehn Prozent Anteil. Durch den Zusammenschluss würde das neue Unternehmen also knapp auf Platz zwei landen, aber trotzdem weit hinter dem Branchenprimus DHL Express, der weltweit auf rund 100 000 Mitarbeiter und einen Gesamtumsatz von sechs Milliarden Euro kommt.

FedEx bietet den TNT-Aktionären acht Euro pro Aktie, das entspricht etwa 33 Prozent mehr als der Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag. Der TNT-Großaktionär PostNL, die niederländische Post, hat dem Angebot bereits zugestimmt. PostNL hält aktuell 15 Prozent an TNT Express. FedEx ist der zweite Konkurrent, der die Niederländer übernehmen möchte. Vorvergangenes Jahr hatte bereits UPS einen Versuch unternommen, TNT Express zu übernehmen, war allerdings am Nein der europäischen Wettbewerbshüter gescheitert. Die Kartellwächter untersagten das Geschäft, weil sie zu wenig Wettbewerb in 15 EU-Staaten und deshalb steigende Preise befürchteten.

Ein Nein zum FedEx-TNT-Geschäft ist zwar auch nicht ausgeschlossen, aber deutlich unwahrscheinlicher, weil die Marktmacht des neu entstehenden Unternehmens beileibe nicht so groß wäre wie bei einer Übernahme von TNT Express durch den Konkurrenten UPS.

Der Branchenriese DHL Express sieht der geplanten Fusion auch deshalb gelassen entgegen. Aber: „Wir beobachten das aufmerksam“, sagte ein Sprecher des Bonner Unternehmens auf Anfrage.