Ostsee-Pipeline Nord Stream wird nun doch ausgebaut

Essen..  Den Boykottmaßnahmen der EU gegen Russland zum Trotz haben der russische Gaskonzern Gazprom und drei westeuropäische Partner den Weiterbau der Ostsee-Pipeline Nord Stream beschlossen. Gestern unterzeichneten die beteiligten Unternehmen – darunter der Düsseldorfer Energiekonzern Eon – auf dem Wirtschaftsforum in der russischen Metropole St. Petersburg eine Absichtserklärung über den Weiterbau des Milliardenprojekts.

Damit wolle Eon die erfolgreiche Partnerschaft mit Gazprom fortsetzen und ausweiten, so Eon-Vorstandsmitglied Klaus Schäfer. Zu den Unterzeichnern gehören zudem der Öl-Konzern Shell und der österreichische Gasversorger OMV.

Der Ausbau sieht vor, dass die beiden bestehenden Nord-Stream-Leitungen um zwei neue Stränge ergänzt werden. Damit sollen jährlich 55 Milliarden Kubikmeter russisches Gas zusätzlich in die EU geleitet werden. Das kommt einer Verdoppelung der jetzigen Förderkapazität gleich. Im Januar hatte Gazprom den Ausbau der Pipeline zunächst gestoppt. In St. Petersburg sagte Gazprom-Chef Alexej Miller jetzt, der Bau der neuen Leitungen werde zur „Erhöhung der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Lieferung nach neuen Verträgen“ beitragen.

Die rund 1200 Kilometer lange Pipeline vom russischen Wyborg durch die Ostsee bis nach Lubmin in der Nähe von Greifswald gilt als kürzeste Verbindung zwischen den russischen Gasfeldern und der EU. Bisher war die krisengeschüttelte Ukraine wichtigstes Gas-Transitland zwischen Russland und der EU.

Aufmerksam verfolgt wurde der Vertragsschluss auch in Mülheim. Dort spekuliert der Großrohrproduzent Europipe, Hauptlieferant der ersten Ostseepipeline, auf einen lukrativen Folgeauftrag. „Wenn das realisiert wird, können wir uns Hoffnungen für unser Werk machen“, sagte ein Europipe-Sprecher dieser Zeitung. Für die beiden ersten Stränge hatten das Mülheimer Werk Rohre in einer Gesamtlänge von über 1800 Kilometer geliefert.