Opelaner in Bochum kämpfen gegen die Werksschließung

Beschäftigte der Opel Werke protestieren gegen die drohende Schließung.
Beschäftigte der Opel Werke protestieren gegen die drohende Schließung.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Beschäftigte streiken gegen das drohende Aus des Bochumer Werks. Sie gehen auf die Straße. Auch die Landesregierung äußerte sich zum Thema. Für NRW sei Opel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, so Ministerpräsidentin Kraft. Die Bundesländer mit Opel-Standorten planen gemeinsam eine Initiative.

Bochum/London.. „Wir wollen bleiben!“ So fordern die Aufkleber, die streikenden Opelaner auf ihre Zafiras und Astras geklebt haben. Das „Wollen“ fehlt auf dem T-Shirt von Rainer Einenkel, beim Bochumer Betriebsratsvorsitzenden heißt das nur: „Wir bleiben“. Keine zehn Tage vor einem Beschluss, der das Ende für die Automobilfertigung an der Ruhr bedeuten würde, gingen die Opelaner für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße.

Gleichzeitig äußerte sich die Landesregierung erstmals prominent zum Thema, ebenso Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. „Opel ist bei uns schon lange Chefsache“, erklärte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) vier Tage vor der Wahl in NRW. „Ihr sollt bleiben“, sagte sie nicht, aber: „Für das Land ist Opel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“

Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger wies Kritik zurück, die Landesregierung würde sich nicht entschieden genug öffentlich engagieren: „Die Zukunft des Standortes wird durch Verhandlungen hinter verschlossenen Türen entschieden. Lautsprecherei hilft niemandem.“

Entscheidender Beschluss für 18. Mai erwartet

Dem Vernehmen nach hat NRW eine Initiative der Bundesländer mit Opel-Standort angeschoben. So soll verhindert werden, dass NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen gegeneinander ausgespielt werden. Einen Termin für ein Treffen gibt es noch nicht. Allerdings wurde Voigtsberger schon im Herbst 2011 persönlich von der IHK Mittleres Ruhrgebiet darauf aufmerksam gemacht, wie ernst es um Opel in Bochum steht.

Ein entscheidender Beschluss über die Zukunft Bochums soll bis 18. Mai fallen: Sollte GM wie erwartet die Astra-Fertigung aus Rüsselsheim abziehen, dürfte Bochum die Zafira-Produktion an die Hessen verlieren. Die endgültige Entscheidung über die Gesamtstrategie wird nach Informationen unserer Zeitung Ende Juni erwartet.

Gewerkschafter brachten Rösler ins Spiel

Die Politik kommt nun in Bewegung. Am Dienstag schrieb Bundeswirtschaftsminister Rösler (FDP) an Voigtsberger, äußerte Verständnis für die Sorgen der Mitarbeiter und verwies auf Termine, die GM „ohne Begründung jeweils kurzfristig abgesagt“ habe. Landes- und Bundesminister sollten sich am 4. Juni zusammensetzen. Deutsche Gewerkschafter hatten Rösler auch deshalb ins Spiel gebracht, weil sie verbotene Subventionen der britischen Regierung fürchten, um dem Werk Ellesmere Port das Überleben zu ermöglichen, am Ende zu Lasten deutscher Werke. London bestreitet dies.

David Bailey, Auto-Experte der Universität Coventry, hält die üblicherweise auf der Insel gewährte Unterstützung im einstelligen Millionen-Bereich für viel zu gering, „um eine Entscheidung zu beeinflussen“. Umgekehrt seien „immer noch britische Arbeitnehmer am leichtesten zu kündigen.“ Andererseits sind in Ellesmere Port ein Viertel der 2800 Beschäftigten billigere Leiharbeiter. Die Zeitung „Guardian“ berichtet, dass die Opel-Schwestermarke Vauxhall Abfindungen für die anbietet, die freiwillig gehen.