Opel-Stadt Bochum setzt auf Jobs der Gesundheitsindustrie
02.08.2012 | 18:24 Uhr 2012-08-02T18:24:00+0200
Bochum. Die Gesundheitsindustrie schafft neue Jobs im Ruhrgebiet. Firmen wie die Software-Schmiede Visus profitieren davon. Gerade die Opel-Stadt Bochum setzt auf das Geschäftsfeld Gesundheit. Dass Firma wie Visus im großen Stil Opelaner einstellen, ist aber unrealistisch.
Andere reden über Opel, Jörg Holstein kümmert sich ums Geschäft. Doch ganz ohne Opel kommt auch die Geschichte über Holsteins Firma Visus nicht aus. Das Bochumer Unternehmen gehört zu den Vorzeigebetrieben der Gesundheitsindustrie im Ruhrgebiet. Vor zwölf Jahren ist Visus an den Start gegangen, als Existenzgründung an Dietrich Grönemeyers Institut für Mikrotherapie in Witten-Herdecke. Mittlerweile beschäftigt Visus etwa 100 Mitarbeiter. Allein in den vergangenen drei Jahren hat sich die Belegschaft verdoppelt. Damit gehört die Firma zu den Hoffnungsträgern in der Stadt Bochum, die angesichts der ungewissen Zukunft des Opel-Werks nach einer neuen wirtschaftlichen Identität sucht.
Was bleibt, wenn Opel geht? Und was kommt? Nicht einmal Ur-Bochumer wie die Grönemeyer-Brüder können sich auf eine Antwort einigen. „Opel ist Bochum und Bochum ist Opel“, meint der Musiker. Doch sein Bruder Dietrich Grönemeyer will weniger zurück als vielmehr nach vorne blicken. Auf eine „positive Perspektive für die Opelaner“ komme es nun an, sagt er – und diese biete sich insbesondere in der Gesundheitswirtschaft des Ruhrgebiets: „Das ,Medical Valley Ruhr’ hat rund 300.000 Arbeitsplätze. Es hat schon viele umgeschulte Bergleute aufgenommen und sucht neue Kräfte.“
Auch Thomas Westphal, Chef der Wirtschaftsförderung Metropoleruhr, gerät ins Schwärmen, wenn er über die wachsende Gesundheitsbranche im Revier spricht. „Die Gesundheit ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Westphal. Er spricht von einem „Leitmarkt für das Ruhrgebiet“ – mit Unternehmen, die jährlich 12,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften.
Produkte und Ideen aus dem Revier sollen Exportschlager werden
Die Gesundheitswirtschaft gilt mittlerweile als die bedeutendste Einzelbranche in NRW. Allein im Ruhrgebiet gibt es Schätzungen zufolge 130 Krankenhäuser, 9000 Haus- und Fachärzte, 1100 Pflegeheime und ambulante Dienste sowie 1400 Apotheken. „Wir wollen dafür sorgen, dass der Heimatmarkt zu einem Referenzmarkt wird“, erklärt Uwe Kremer, Geschäftsführer von Medecon Ruhr, einem Netzwerk der Gesundheitswirtschaft. Das heißt: Produkte und Ideen aus dem Revier sollen Exportschlager werden.
An dieser Stelle kommen Firmen wie Visus ins Spiel. Das Team um Jörg Holstein entwickelt Software für Kliniken oder Arztpraxen und hat sich auf Produkte für digitale Röntgenbilder spezialisiert. Visus sorgt auch dafür, dass sich die Krankenhäuser besser vernetzen. Per Mausklick können Röntgenbilder von einer Klinik zur nächsten geschickt werden. Früher wurden die Aufnahmen im Notfall noch mit dem Taxi transportiert.
„Gerade im Ruhrgebiet, wo es die höchste Krankenhausdichte im Bundesgebiet gibt, wechseln die Patienten häufig die Anbieter“, sagt der Radiologe Lothar Heuser von der Ruhr-Universität Bochum. Der Transport von Röntgenbildern habe in der Vergangenheit ziemlich lange gedauert. „Wenn das heute per Mausklick geht, ist das eine entscheidende Verbesserung.“
Informatiker anstelle von Opelanern
Die Nachfrage nach der Software von Visus steigt. Die Kunden kommen aus Europa, China und den USA. „Ich gehe davon aus, dass wir jedes Jahr zehn Prozent Wachstum haben“, berichtet Holstein. Entsprechend werde sich auch die Zahl der Jobs weiter erhöhen.
Dass eine Firma wie Visus im großen Stil Opelaner einstellen wird, ist aber unrealistisch. Die meisten Visus-Mitarbeiter sind Informatiker. Der Betrieb pflegt enge Kontakte zu den Unis der Region, um Fachkräfte für sich zu gewinnen. Vermutlich hätte nicht einmal der Opel-Werksleiter bei Visus eine Chance.

00:54
Manno @4 - sie haben es ja echt drauf. So könnte es gehen in der Ex-Eisen-Stahl-Kohle Stadt, der Ex-Nokia Stadt, der bald Ex-Opel Stadt - Bochum. Einige wenige reiche Russen sollen es richten? wahrscheinlich glauben sie auch an Nikolaus, Christkind und Osterhase - oder?
11:06
@3: Die Scheichs will doch keiner mehr haben...Fragen Sie doch mal nach, wie viele Kliniken auf ihren Kosten sitzengeblieben sind, weil die Herren meinen, man müsse nicht bezahlen.
Aber seit mehreren Jahren sind schon die Russen dick im Geschäft! Hier gibt es sogar extra russische Ansprechpartner und wer Bock hat, kann mit dem Heli zum Shoppen nach München geflogen werden, während der Verwandte operiert wird.
20:34
und andere Superreiche ihr Geld in den Krankenhäusern lassen muss man sich leider der Meinung von #1 und #2 anschließen.
Die verschlafene IHK tut auch in diesem Bereich mal wieder nichts um Bochum für dieses Klientel interessant zu machen.
16:46
Welch ein fataer Irrglaube und welche grenzenlose Dummheit blickt da denn durch? Gesundheitsbereiche sind keine "Industrie" sondern lediglich "Dienstleistungsbereiche", die nur funktionieren so lange wie im primären Bereich der Industrie und in Gewerbebereichen Werte und Geld erwirtschaftet werdeen oder ein Besrtand an Vermögen vorhanden ist, der dann in Dienstleistungen weiter genutz werden kann.Genau das ist aber schon lange vorbei - das Gesundheitssystem ist morade und läuft schon seit Jahren nur noch auf Kredit. Der weitere Abstieg des Ruhrgebietes von der einstigen Industrie - und damit Wohlstandszone - zur europäischen "bunten" Slum-Metropole geht unaufhaltsam weiter.
An der Uni erzählt man uns, dass wir jetzt eine Dienstleistungsgesellschaft werden und Wissen exportieren. Na dann Prost Mahlzeit.
15:21
Die Stadt Bochum setzt also auf das marode Krankenkassensystem.