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Öko-Designer setzen auf schlüpfende Falter und Rhabarber

29.06.2012 | 14:13 Uhr
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Öko-Designer setzen auf schlüpfende Falter und Rhabarber

Berlin.   Mode, Models und viel Glamour: Berlin wird in der kommenden Woche wieder zum Treffpunkt der internationalen Modeszene. Zur Berlin Fashion Week präsentieren die Designer ihre Kollektionen für den Frühling und Sommer 2013. Labels zeigen dort auch nachhaltige und faire Mode.

Die Zeiten von sackartigen Leinenkleidern zum Ausdruck der politischen Haltung sind nach Ansicht der Designerin Magdalena Schaffrin vorbei. Heute sei grüne Mode nicht mehr von herkömmlicher Kleidung zu unterscheiden, sagt die Organisation der beiden Messen Green Showroom und der Ethical Fashion Show in Berlin. "Die Menschen wollen sich modisch kleiden und das Thema Nachhaltigkeit ist dabei für viele selbstverständlich".

Beim Thema grüne und fair hergestellte Mode setzen die Hersteller unterschiedliche Schwerpunkte. Manchen gehe es um den Rohstoff, anderen um eine geringe Schadstoffbelastung und wiederum andere setzten sich für faire Produktionsbedingungen ein, erklärt Rolf Buschmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Hamburger Jungdesignerin Julia Starp hat noch etwas ganz anderes im Sinn: das Leben von Seidenspinner-Raupen. Denn Starp verwendet für ihrer Kleider sogenannte Ahimsa-Seide. Im Gegensatz zu herkömmlicher Maulbeerseide dürfen die Raupen aus ihren Kokons schlüpfen und als Falter in die Welt hinaus fliegen. "Ich finde die Vorstellung einfach schön, dass die Schmetterlinge überleben und nicht in ihrer natürlichen Entwicklung gestört werden", sagt Starp.

Ihr Überleben verdanken die Falter dem Inder Kusuma Rajaiah, der dir Kokons vor dem Kochtopf retten wollte. Denn normalerweise werden die Larven getötet, damit der bis zu 1.000 Meter lange Endlosfaden beim Schlüpfen nicht zerstört wird. Da bei Ahimsa-Seide der durchfressene Faden erst gesponnen werden muss, ist der Stoff auch nicht ganz so "luftig leicht" wie andere Seide, sagt Matias Langer. Er gehört zu den wenigen Händlern, die Ahimsa-Seide in Deutschland verkaufen - für mindestens 19 Euro pro Meter. Im Vergleich zu herkömmlicher Seide sei dies rund doppelt so viel. Doch das ist es seinen Kunden wert: "Vielen Leuten war es schon immer ein Gräuel, dass die Raupen getötet werden".

Recycling liegt im Trend

Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Ein neuer Trend der diesjährigen Ethical Fashion Show ist nach Ansicht von Magdalena Schaffrin das Recyceln von Kleidern. Das österreichische Label Milch etwa verwendet alte Herrenhosen und Hemden, um daraus neue Kleider zu nähen. Recycling sei im Kommen, bestätigt die verantwortliche Designerin Cloed Baumgartner. Denn die Ressourcen würden immer knapper. Die Lebensdauer der Kleidung zu verlängern, sei viel besser als Bio-Baumwolle zu kaufen, da auch für deren Anbau sehr viel Wasser benötigt werde.

Baumgartner bezieht ihre Rohmaterialien kiloweise aus der Altkleidersammlung. Dann werden die Sachen erst einmal sehr heiß gewaschen und anschließend begutachtet. Woraus die Damenkleider gefertigt sind, ist häufig noch deutlich zu sehen - etwa am Hosenbund, der nun als Saum eines Kleides fungiert. Dahinter stecke auch ein klein wenig Feminismus, der die Frage aufwerfe: "Wer hat jetzt die Hosen an?", erklärt die Designerin lachend.

Die Metamorphose von der Herrenhose zur Kappe

Das Recyceln von Kleidung funktioniere auch zuhause. Alles was aus Jersey gefertigt sei, also die meisten T-Shirts, könnten einfach abgeschnitten werden, da das Material nicht ausfranse. Aus einem alten Shirt kann somit ein neues Top oder einen Bikini gezaubert werden. Mit der Metamorphose der Hose zum Rock ist das Ende der Kleiderstange noch nicht erreicht, sagt Baumgartner. Aus einem beschädigten Kleid könne eine Tasche oder eine Kappe gemacht werden. Und zum Schluss bleibe immer noch der Schuhputzlappen.

Auf Rhabarber statt auf Schadstoffe setzt das Label Deepmello. Hintergrund ist ein natürliches Gerbverfahren, bei dem die Tierhaut mit "der Kraft der Rhabarberwurzel" zu Leder verarbeitet wird. Bei Deux Filles en Fil werden Reststücke der Textil- und Lederwarenindustrie zu Handtaschen und anderen Accessoires verarbeitet. Die grünen Ideen rund um die Berliner Fashion Week sind vielfältig. Eines haben sie jedoch gemeinsam: Sie sollen die Welt ein klein wenig verbessern. Auch wenn dies nicht so deutlich zu sehen ist wie einst bei den sackförmigen Leinenkleidern. (dapd)

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