O2 bekommt Netzprobleme nicht in den Griff

O2-Kunden, die mit ihrem Handy im UMTS-Netz surfen wollen, geraten gerade in Ballungsräumen an ihre Grenzen. Foto: Ingo Otto
O2-Kunden, die mit ihrem Handy im UMTS-Netz surfen wollen, geraten gerade in Ballungsräumen an ihre Grenzen. Foto: Ingo Otto
Der Mobilfunkanbieter O2 kämpft weiter mit Netzproblemen. Aktuell ist derzeit etwa das UMTS-Netz in Bochum und Gelsenkirchen gestört. Aber auch aus anderen Landesteilen reißen die Beschwerden nicht ab. Das Unternehmen verspricht weitere Verbesserungen.

Bochum/München. Die Beschwerden von Kunden über die Netzqualität des Telekommunikationsanbieters Telefonica mit seiner Marke O2 reißen nicht ab. Täglich finden sich im O2-Forum als auch auf der Facebook-Seite neue Einträge unzufriedener Kunden, die über Verbindungsprobleme ins Netz klagen. Dabei hatte O2 auch im Interview mit DerWesten erklärt, dass sich bis Dezember die Situation deutlich verbessern würde.

Aktuell kämpft O2 unter anderem mit Verbindungsproblemen in Bochum. Ein Kunde aus Bochum (Name der Redaktion bekannt) beklagte sich gegenüber DerWesten, dass er seit über einer Woche in der Stadtmitte keinen UMTS-Empfang mehr habe. Die Nutzung von Datendiensten und Apps sei damit unmöglich. Damit nicht genug: Bei Beschwerden an der Hotline und im O2-Shop gab man ihm unterschiedliche Erklärungen über die Gründe. „Ich fühle mich mit meinem Problem nicht ernst genommen“, sagt er nun.

Beschwerden im O2-Forum

O2 räumte auf Nachfrage von DerWesten Probleme im Raum Bochum und Gelsenkirchen ein. Sprecher Markus Oliver Göbel bestätigte: „In diesem Bereich gibt es derzeit leider Qualitätseinschränkungen beim Telefonieren über UMTS.“

Doch der Bochumer Fall scheint längst kein Einzelfall. Im O2-Forum beschwerten sich in den vergangenen Tagen auch Kunden aus Essen oder Düsseldorf. Und die Klagen ziehen sich weiter durch die ganze Republik. Die Antwort, die die frustrierten Kunden vom Anbieter O2 dann zu hören bekommen, ist meist gleich: Es gebe Überlastungen oder Qualitätseinschränkungen im UMTS-Netz.

Immerhin spricht das Unternehmen nach dem Proteststurm im November vergangenen Jahres nun nicht mehr von Einzelfällen. Auf der Internetseite „Wir sind ein Einzelfall“ hatten sich viele Kunden mit Netzproblemen gemeldet und so gegen die damals lapidare Antwort des Unternehmens protestiert.

Schnelles Wachstum wird O2 zum Verhängnis

O2 sagt, sein rasantes Wachstum im Mobilfunkmarkt sei für die Netzüberlastungen verantwortlich. „Unsere Basisstationen kommen nicht mehr hinterher“, hatte im November ein O2-Sprecher gegenüber DerWesten erklärt. Für Marc Kessler, Telekommunikationsexperte beim Onlineportal Teltarif, stellt sich die Frage, ob die Wachstumsprognosen des Unternehmens nicht zu konservativ waren. „Das rächt sich möglicherweise jetzt“, so Kessler.

Als Reaktion auf die öffentliche Welle des Protestes rüstete O2 Ende 2011 an besonderen Brennpunkten in Großstädten seine Basisstationen auf. Das Ruhrgebiet war nicht dabei. Aus Sicht von Kessler bringt das Upgrade der Basisstationen jedoch nur eine gewisse Besserung. Denn das eigentliche Problem liege nicht bei den Basisstationen, sondern beim Datentransport von den Basisstationen ins Netz. Das gibt auch O2 auf Nachfrage zu.

Aus diesem Grund will das Unternehmen künftig mit der Telekom zusammenarbeiten. Der rosa Riese aus Bonn wird die Mobilfunk-Antennen von Telefonica in Deutschland an sein Datennetz anschließen. „Das wird unsere Performance sprunghaft nach vorn bringen“, verspricht O2-Sprecher Göbel. Allerdings müssen die Kunden bis dahin noch Geduld aufbringen. Der Schritt ist erst ab dem zweiten Quartal 2012 geplant.

Wann O2-Kunden vorzeitig kündigen können

Müssen unzufriedene Kunden also auf die versprochenen Verbesserungen hoffen oder können sie auch aus Verträgen früher aussteigen, weil die zugesagte Qualität nicht stimmt?

Thomas Bradler, Jurist bei der Verbraucherzentrale NRW, stellt klar: Hat ein Unternehmen Probleme mit dem Netzausbau, ist das nicht das Problem des Kunden. Allerdings kann man bei Störungen nicht einfach kündigen oder die Zahlungen einstellen.

Bradler rät, die Störungen genau zu protokollieren und den Anbieter um Abhilfe aufzufordern. Dabei sollte ihm eine Frist gesetzt werden, die mindestens drei Wochen beträgt. Wenn die Probleme dann immer noch bestehen, kann der Vertrag fristlos gekündigt werden.