Nullzinspolitik kostet den Durchschnittsbürger 1366 Euro

Frankfurt/Mainz/Kiel..  Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kostet deutsche Privathaushalte laut einer Studie Milliarden. Der deutsche Staat kann sich hingegen über kräftige Einsparungen freuen. Nach einer gestern veröffentlichten Analyse des genossenschaftlichen Zentralinstituts DZ Bank sind deutschen Sparern in den vergangenen fünf Jahren Zinseinkünfte in Höhe von 190 Milliarden Euro durch die Lappen gegangen. Der Einbruch dieser Einkünfte bei der Geldanlage zähle damit zu den gravierendsten Folgen der immer weiter sinkenden Zinsen, erklärte DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier.

Den Zinsverlusten stünden zwar auch Einsparungen infolge geringerer Kreditzinsen im Wert von 78 Milliarden Euro gegenüber. So können nicht nur Immobilien so günstig finanziert werden wie nie. Unter dem Strich bleibe aber ein erheblicher Verlust – von durchschnittlich 1366 Euro pro Bundesbürger.

Diese Zahlen sind allerdings rein hypothetisch und bedeuten nicht, dass die Menschen wirklich Vermögen verloren haben: Die Ökonomen vergleichen das tatsächliche Zinsniveau mit einem unterstellten (höheren) „Normalzinsniveau“, also einem langjährigen Durchschnittszins.

Problematisch wurde es ab 2011

Zudem sind die Aktienkurse in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, unter anderem befeuert durch die Niedrigzinspolitik. Das Problem: Nur wenige der traditionell eher vorsichtigen deutschen Anleger profitieren davon, wie Bielmeier betont. „Lediglich rund zehn Prozent des gesamten privaten Geldvermögens besteht hierzulande aus Aktien.“ Das sei nicht einmal die Hälfte des Anteils, den private Haushalte in anderen europäischen Ländern halten.

Nach der Studie waren vor allem die Jahre 2011 bis 2013 für Sparer problematisch. Denn seinerzeit fiel der durchschnittliche Nominalzins aller verzinslichen Vermögensbestandteile der Bürger unter die Inflationsrate: „Für letztes Jahr lässt sich lediglich dank einer extrem niedrigen Inflationsrate ein leicht positiver Realzins errechnen“, betonten die Experten.