NRW-Wirtschaft verfehlt den Export-Rekord nur knapp

Was wir bereits wissen
Deutschlands Wirtschaft führt so viel Waren ins Ausland aus wie nie zuvor. NRW ist deutscher Exportmeister. Experten warnen aber: Der Abstand zu den Südländern schrumpft.

Essen.. Die deutsche Exportwirtschaft feiert einen neuen Außenhandels-Rekord, an dem auch NRW als exportstärkstes Bundesland wesentlichen Anteil hat. Trotz internationaler Krisen und einer lahmenden Weltkonjunktur lieferten deutsche Unternehmen im vergangenen Jahr so viel Güter ins Ausland wie noch nie zuvor. Ausgeführt wurden Waren im Wert von 1133,6 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von 3,7 Prozent gegenüber 2013. Deutschland gehört damit erneut zu den Export-Billionären. Der bisherige Ausfuhr-Rekord lag 2012 bei 1095,8 Milliarden Euro.

Auf einen neuen Höchststand stiegen auch die Importe, mit zwei Prozent allerdings etwas weniger stark als die Ausfuhren. Daraus errechnet sich ein Exportüberschuss von rund 217 Milliarden Euro – auch das ein neuer Spitzenwert. Der deutsche Ausfuhrüberschuss steht seit Jahren in der Kritik. Erst im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission die deutsche Exportstärke gerügt und die Bundesregierung zum Gegensteuern aufgefordert. Grund: Der Überschuss führe zu einem wirtschaftlichen Ungleichgewicht in der Euro-Zone. Die Grafik auf dieser Seite zeigt allerdings, dass es gerade mit den Euroländern praktisch keinen Exportüberschuss gibt. Die meisten Überschüsse erwirtschafteten deutsche Unternehmen 2014 außerhalb der Eurozone, befeuert auch durch die Kursschwäche der Gemeinschaftswährung.

Babynahrung „Wir können uns sicher nicht beklagen“

Auch die NRW-Exportwirtschaft befindet sich weiter auf einem – im Vergleich zur Bundesentwicklung allerdings leicht abgeschwächten – Höhenflug. Zwar liegt der Außenwirtschaftsreport der Industrie- und Handelskammern des Landes erst in einigen Wochen vor. Eine Tendenz zeichnet sich aber schon ab, wie die für den Außenhandel federführende IHK Dortmund auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilte. „Wir können uns in NRW sicher nicht beklagen“, sagte Wulf-Christian Ehrich, Geschäftsführer International der IHK Dortmund. So rechnen die NRW-Exportunternehmen nach IHK-Einschätzung mit einer Steigerung ihrer Außenumsätze um rund zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach 179 Milliarden Euro Warenwert in 2013 dürften die NRW-Exporte wie 2012 also erneut die 180-Milliarden-Euro-Marke knacken.

Möbelhaus Auch in NRW keinen Exportüberschuss

Etwas verhaltener beurteilt der Außenhandelsverband NRW in Düsseldorf die Exportkraft. „Wir gehen von einem Prozent Zuwachs aus“, sagte Geschäftsführer Andreas Mühlberg dieser Zeitung. NRW verliere als Exportbundesland Nummer eins gegenüber den Verfolgern Baden-Württemberg und Bayern seit Jahren an Boden. Der Anteil am Exportmarkt sei seit 2009 kontinuierlich von 17,1 Prozent auf 16 Prozent gesunken.

Auch in NRW gibt es übrigens keinen Exportüberschuss. Im Gegenteil: Die Einfuhren übersteigen regelmäßig den Wert der ausgeführten Waren leicht. Ursache ist die stark auf Rohstoffe aus dem Ausland angewiesene Chemie- und Stahlindustrie.