Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Hähnchenzucht

NRW nimmt Antibiotika-Ströme in den Blick

11.01.2012 | 18:22 Uhr
NRW nimmt Antibiotika-Ströme in den Blick
In etwa 1300 Betrieben in NRW werden Hähnchen gezüchtet. Die Betriebe sollen demnächst jede Behandlung ihrer Tiere mit Antibiotika in eine Datenbank eintragen. Foto: dapd

Essen.   Die Verbraucherminister von NRW und Bund, Johannes Remmel (Grüne) und Ilse Aigner (CSU), streiten über die richtige Strategie zur Minderung des Antibiotika-Einsatzes in der Hähnchenmast. NRW fordert härtere Gesetze und startete am Mittwoch eine erste Datenbank. Tierärzte und Betriebe sollen dort jede Behandlung eintragen.

Keime auf dem Hähnchenfleisch und Antibiotika in der Tierzucht sind emotionale Themen. Der Verbraucher sorgt sich eben, wenn es um Lebensmittel geht, die seine Gesundheit gefährden können. NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) hat dies strategisch genutzt, um sein großes Ziel zu erreichen: ein Umdenken in Hähnchenzucht und industrieller Tiermast.

Zur Umsetzung seiner Pläne forderte Remmel am Mittwoch einmal mehr Bundesverbraucher-Ministerin Ilse Aigner (CSU) heraus. Er wirft ihr vor, die Interessen der Bürger denen der Wirtschaft unterzuordnen. Sie mache der Geflügellobby zu viele Zugeständnisse.

Dass es auch anders gehen kann, will NRW mit einer neuen Datenbank über Antibiotika-Ströme in der Hähnchenmast zeigen. Remmel schaltete diese gestern frei. Ärzte und Betriebe sind aufgefordert, jede Abgabe des Medikaments dort einzutragen. Bisher mussten sie diese zwar dokumentieren, aber nicht offenlegen.

„Brauchen ein Ende jahrzehntelanger Fehlentwicklungen“

Mit der Datenbank sollen die Behörden die Gelegenheit erhalten, bei Missbrauch schneller einzuschreiten. Weil die gesetzliche Grundlage fehlt, ist die Teilnahme zunächst freiwillig. „NRW geht bei der Schaffung von Transparenz voran. Wir brauchen ein Ende jahrzehntelanger Fehlentwicklungen“, sagte der Minister. Massentierhaltung werde auf Dauer keinen Bestand haben können.

An der aktuellen Debatte über massiven Antibiotika-Einsatz ist Remmel nicht unbeteiligt. Im November veröffentlichte sein Ministerium die Ergebnisse einer Studie. Die Gabe von Antibiotika in der Hähnchenmast ist demnach gängige Praxis: 96 Prozent der untersuchten Tiere hatten die Medikamente bekommen. Eine den Grünen nahestehende Umweltorganisation legte am Montag nach. Der BUND hatte Hähnchenfleisch in Supermärkten untersucht und multiresistente Keime in elf von 20 Proben entdeckt. Die Kritik der Züchter-Verbände, die Proben seien nicht repräsentativ, drang kaum durch.

Remmel setzte Aigner am Mittwoch unter Druck. Sie solle „möglichst schnell“ ein Gesetz zur Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes erlassen und das Kontroll-System verbessern. Ihre bisherigen Vorschläge seien enttäuschend, so Remmel. Weil auch seine Forderung nach einer nationalen Antibiotika-Konferenz bisher ungehört blieb, kündigte der NRW-Minister gestern zudem eine Bundesratsinitiative an.

Kai Wiedermann

Facebook
 
Kommentare
12.01.2012
18:11
NRW nimmt Antibiotika-Ströme in den Blick
von teamtronic | #5



Daß der Herr Remmel von der Partei die Grünen jetzt noch einen draufsetzt um Frau Aigner ins negative Licht zu stellen war zu erwarten.

Frau Höhn ist seit 2006 Stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und war von 1995 bis 2005 Umweltministerin des Landes Nordrhein-Westfalen.
Frau Künast ist seit 2005 Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und war von 2001 bis 2005 Bundesministerin für Verbraucherschutz.

Herr Remmel, diese beiden Damen hatten alles in der Hand und alles verschlafen.
Herr Remmel arbeiten Sie mit und nicht gegen Frau Aigner.

12.01.2012
15:59
NRW nimmt Antibiotika-Ströme in den Blick
von meinemeinungdazu | #4

Antibiotika-Ströme!??? Welche riesigen Mengen sind denn da im Umlauf? Ist das mehr als Kriminalität?

12.01.2012
12:03
Verstehe die Aufregung nicht
von vantast | #3

Die Antibiotika sind doch extra dafür gesetzlich zugelassen worden, daß Bauern und Agrarindustrie viel Profit machen können und gleichzeitig die Regierungspartei Stimmen der Agrarwähler bekommt. Jetzt soll das nicht mehr gelten? Die möglichen Konsequenzen waren damals schon bekannt und wurden im Sinne des Umsatzes akzeptiert. Die Verbraucher hatten auch mitgewählt.

11.01.2012
23:26
NRW nimmt Antibiotika-Ströme in den Blick
von Highlanders | #2

@ holmark
Guter Vergleich...um den Faden weiter zu spinnen, alle Fleischesser sitzen in einem Boot was an allen Ecken und Kanten leckt. Ob das Leck nun Antibiotika in Haehnchen heisst oder wie auch immer. Sobald ein Leck gestopft ist tut sich ein anderes auf, so sieht es doch aus. Erst wenn wir alle Vegetarier sind wird das Boot auch wieder sicher fahren...einfach mal "Fleisch essen" von Jonathan Safran Foer lesen.

1 Antwort
NRW nimmt Antibiotika-Ströme in den Blick
von AntonC | #2-1

Was ist mit den Rückständen von sogenannten Pflanzenschutzmitteln auf Getreide, Gemüse und Salaten? Ob die wohl gesünder sind als Antibiotikarückstände? Nein, die Vegetarier sitzen im gleichen lecken Boot.

11.01.2012
23:04
NRW nimmt Antibiotika-Ströme in den Blick
von holmark | #1

Antibiotika - "Ströme"

Klingt gut. Hoffentlich ersaufen wir nicht darin...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6236742/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Das Samsung Galaxy S III
Bildgalerie
Smartphones
Die wertvollsten Marken der Welt
Bildgalerie
Markenvergleich
"Lasst Opel nicht sterben"
Bildgalerie
Opel Bochum
Aus dem Ressort
13.200 Schlecker-Frauen ohne Job - Verdi gibt Politik Schuld
Schlecker
Der Gläubigerausschuss beschließt die Abwicklung des insolventen Unternehmens, da keine wirtschaftliche Perspektive erkennbar sei. 13.200 Beschäftigte verlieren damit endgültig ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig entbrannte ein Streit, wer für die Schlecker-Pleite verantwortlich ist.
Text 43 Kommentare 43
Deutsche Textilfirmen entdecken „made in Marokko“
Mode
Konzerne wie Zara oder Diesel lassen verstärkt ihre T-Shirts und Jeans in Afrika fertigen. Die Vorteile gegenüber China liegen auf der Hand: Es ist preisgünstiger – und schneller. Kritiker sorgen sich allerdings um die Näherinnen.