NRW-Konzerne schütten Milliarden an Aktionäre aus

Was wir bereits wissen
Die großen Unternehmen an Rhein und Ruhr schütten in diesem Jahr 9,38 Milliarden Euro an ihre Aktionäre aus. Manche sogar trotz Verlusten.

Düsseldorf/Essen.. Gute Zeiten für viele Aktionäre von nordrhein-westfälischen Unternehmen: Die 31 in den Börsensegmenten Dax, MDax, SDax und TecDax notierten NRW-Konzerne schütten in diesem Jahr rund 9,38 Milliarden Euro aus, was einem Zuwachs um fast fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das geht aus der „Dividendenstudie 2015“ hervor, die von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) aus Düsseldorf und der privaten Essener Hochschule FOM vorgelegt wurde.

Bundesweit erreicht die Summe der Dividendenzahlungen aller Aktiengesellschaften 41,7 Milliarden Euro – im Vorjahresvergleich ein Plus in Höhe von 13,4 Prozent. Auch die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2008 (38,2 Milliarden Euro) wird um 9,2 Prozent übertroffen. „Das Plus der NRW-Unternehmen liegt leicht unter dem Durchschnitt, was daran liegt, dass beispielsweise die Deutsche Telekom und RWE ihre Dividende nicht erhöht haben und Eon sogar senkt“, sagte Studienautor Christian W. Röhl im Gespräch mit unserer Zeitung.

Konzerne Eon zahlt trotz Verlust Dividende

Die nordrhein-westfälischen Energiekonzerne Eon und RWE gehörten in den vergangenen Jahren regelmäßig zu den Großzahlern. In diesem Jahr schüttet der Düsseldorfer Eon-Konzern trotz eines Verlusts in der Jahresbilanz noch Geld an seine Aktionäre aus, ist allerdings zugleich der einzige Dax-Wert mit einer Dividendenkürzung (minus 17 Prozent). In der Studie wird Eon als „verarmter Dividenden-Adel“ bezeichnet. Der Essener Eon-Konkurrent RWE hält die Dividende trotz wegbrechender Gewinne bei einem Euro stabil – auch auf Druck der finanzschwachen Rhein-Ruhr-Kommunen, die mit rund 24 Prozent am Unternehmen beteiligt sind.

Bei zwei Dax-Konzernen – Commerzbank und Lufthansa – gibt es keine Gewinnausschüttung. Beim Essener Stahl- und Technologiekonzern Thyssen-Krupp hingegen springt nach zwei Jahren Pause wieder eine kleine Dividende heraus: elf Cent je Aktie. In Summe sind das 62,25 Millionen Euro. Konzernchef Heinrich Hiesinger hatte unlängst von einem „Signal“ an die Aktionäre gesprochen, „ein Wendepunkt“ sei erreicht.

Bescheidene Summe bei Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu den Ausschüttungen der Schwergewichte Allianz, Siemens und Daimler wirkt die Dividende von Thyssen-Krupp wie ein bescheidenes Sümmchen. Allein die Allianz zahlt den Eigentümern rund 3,13 Milliarden Euro. Bei Siemens und Daimler sind es 2,9 beziehungsweise 2,6 Milliarden Euro. Aus NRW kann in dieser Größenordnung gerade noch die Deutsche Telekom mit 2,26 Milliarden Euro mithalten.

Der Essener Chemiekonzern Evonik ist mit einer Gesamtausschüttung von 466 Millionen Euro drittgrößter Dividendenzahler im Börsensegment MDax. Deutliche Dividendenerhöhungen verzeichnen die Anteilseigner des Bochumer Immobilienkonzerns Annington (plus 11,4 Prozent) und des Essener Bauunternehmens Hochtief (plus 26,7 Prozent).

Geiss Nur wenige Sparer profitieren

Lediglich eine Minderheit der Sparer in Deutschland kann sich mit einer Geldanlage in Aktien grundsätzlich anfreunden, erklärt DSW-Experte Roland Klose. „Nur knapp 19 Prozent ihres Vermögens investieren die Deutschen in Aktien oder Investmentfonds.“ Schätzungen zufolge liegen mehr als 80 Prozent des immerhin rund fünf Billionen Euro schweren Geldvermögens privater Haushalte bei Lebens- und Rentenversicherern, in verzinslichen Anlagen oder werden als Bargeld gehortet.

Besonderes Augenmerk gilt unter Aktionären der Dividendenrendite – ein täglich schwankender Wert, der sich aus dem Verhältnis der Gewinnausschüttung zum aktuellen Börsenkurs ergibt. Da die Aktienkurse zuletzt stark gestiegen sind, konnte das Wachstum der Dividenden oft kaum mithalten – entsprechend sind die Dividendenrenditen tendenziell gefallen.