Nokia will wieder Handys bauen

Nokia-Hauptquartier im finnischen Espoo: Der Konzern will 2016 ein neues Smartphone vorstellen.
Nokia-Hauptquartier im finnischen Espoo: Der Konzern will 2016 ein neues Smartphone vorstellen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der ehemalige Mobiltelefon-Pionier Nokia plant für 2016 eine Rückkehr auf den Mobilfunkmarkt mit eigenem Gerät. Erst 2014 hatten die Finnen das Handy-Geschäft an Microsoft verkauft.

Diese Nachricht überrascht: Nokia drängt zurück auf den lukrativen Handy-Markt. Der Mobiltelefon-Pionier und ehemalige Weltmarktführer kündigte am Dienstag an, wieder ein Smartphone unter eigenem Namen anbieten zu wollen. Frühestens 2016 soll das Gerät auf den Markt kommen. Nokia hatte sein Handy-Geschäft erst im Frühjahr vergangenen Jahres an den Partner Microsoft verkauft und sich auf das Geschäft als Netzwerk-Ausrüster konzentriert.

Gummistiefel und Fahrräder

Nokia galt lange Jahre als Vorzeige-Unternehmen. Weil der Konzern es auf besondere Weise verstand, sich immer wieder neu zu erfinden. Vor dem Handy-Zeitalter verkaufte das Unternehmen Gummistiefel, Reifen und sogar Fahrräder. 1967 wurde die Nokia Corporation gegründet, ein Zusammenschluss aus der Nokia Company (einer Papierfabrik), dem Gummihersteller Finnish Rubber Works und den Finnish Cable Works, einem Kabelhersteller. 1981 stellte das Unternehmen erstmals Telefone für Autos her. Damals ging das skandinavische Mobilfunknetz NMT an den Start. Das erste tragbare Gerät folgte 1987. Danach begann eine beispiellose Erfolgsgeschichte. In den Jahren 1998 bis 2011 dominierte Nokia als weltgrößter Mobiltelefon-Hersteller den Markt. Erst mit Erscheinen des iPhones aus dem Hause Apple im Jahr 2007 änderte sich das schlagartig. Die Finnen verpassten es, rechtzeitig in das Smartphone-Geschäft einzusteigen – und verloren massiv Marktanteile.

Nokia versuchte auf das schwindende Interesse an seinen Produkten zu reagieren und die Kosten zu drücken. Das Unternehmen verlagerte Tausende Jobs in Billiglohnländer. Auch der Standort Bochum war betroffen: Er wurde 2008 dicht gemacht, 3000 Menschen verloren ihren Job. Bundesweit waren es 4500. Nokia siedelte sich in Rumänien neu an. Eine folgenschwere Entscheidung, die den Konzern gerade in Deutschland Marktanteile kostete. Infolgedessen brach auch der Umsatz massiv ein: im ersten Halbjahr 2008 um fast 20 Prozent. Der Ausflug ins rumänische Cluj erwies sich übrigens auch nicht als besonders glücklich. Der rumänische Staat beschlagnahmte sogar zwischenzeitlich das Werk wegen ausstehender Steuerschulden. Erst nachdem Nokia diese beglichen hatte, gaben die Behörden die Produktionsstätte wieder frei.

Von diesen folgenschweren Entscheidungen und dem daraus resultierenden Imageschaden konnten sich die Finnen nie mehr richtig erholen. Auch wenn die von ihnen vorgestellten Smartphones auf Basis von Microsofts Windows-Betriebssystem solide Geräte waren. Nokia hatte der immer größer werdenden Konkurrenz von Apple und Samsung nichts mehr entgegenzusetzen. Analysten bewerteten auch den Wechsel auf das Windows-Betriebssystem als Fehler.

Noch keine Details bekannt

Im April 2014 gab Nokia bekannt, die Handy-Sparte komplett an Mi­crosoft zu verkaufen. Der US-Konzern tilgte den Namen Nokia von seinen Geräten. Die Smartphones heißen seitdem nur noch Lumia, dem Absatz tat das allerdings auch nicht gut. Weil Microsoft aber die Markenrechte für Nokia-Handys bis Ende 2015 hält, können die Finnen vorerst keine weiteren Handys unter dem eigenen Firmennamen herausbringen.

Bislang sind zu dem neuen Nokia-Handy keine weiteren Details bekannt. Auch nicht, auf welches Betriebssystem die Finnen künftig setzen wollen. Diese Entscheidung dürfte darüber entscheiden, ob die Rückkehr des ehemaligen Handy-Pioniers und Marktführers auch gelingt.