Niedriger Ölpreis wirkt wie ein Konjunkturprogramm

Berlin..  Die Verbraucher werden zunehmend zur wichtigsten Stütze der deutschen Wirtschaft. Sowohl die Bundesregierung als auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) rechnen 2015 mit einer kräftigen Nachfrage der Konsumenten. Die wachsende Konsumfreude verleihe der Binnenwirtschaft Schwung, heißt es im Jahreswirtschaftsbericht, den Sigmar Gabriel (SPD) gestern in Berlin vorstellte.

Der Bundeswirtschaftsminister verweist auf den stabilen Arbeitsmarkt und kräftige Einkommenssteigerungen. Den Beschäftigten sagt der Regierungsbericht für 2015 einen Anstieg der Bruttogehälter um 3,2 Prozent voraus. Die Wirtschaftsleistung wächst laut Prognose um 1,5 Prozent. Die Beschäftigung soll auf ein Rekordniveau steigen. Berlin ist damit optimistischer als noch in den letzten Monaten.

Hauptgrund für den Stimmungsumschwung ist der niedrige Ölpreis. Er wirkt wie ein Konjunkturprogramm, weil Verbraucher und Unternehmen nun mehr Geld für andere Dinge als Energie ausgeben können. Die Exportfirmen profitieren vom niedrigen Eurokurs. Der Wechselkurs gegenüber dem Dollar ist im Keller, seit EZB-Präsident Mario Draghi die Märkte in der vorigen Woche mit billigen Euros geflutet hat. Die schnell rotierende Notenpresse hat auch Einfluss auf die Verbraucher: Weil sich sparen kaum mehr lohnt, tragen sie ihr Geld anscheinend lieber in die Geschäfte. Nach einer Umfrage der GfK ist das Konsumklima für den Februar auf den höchsten Stand seit 13 Jahren geklettert.

Die Deutschen erwarten mehr Wachstum und höhere Einkommen. Das zusätzliche Geld wollen sie für Kühlschränke oder Möbel ausgeben, aber nicht sparen. Während die sogenannte „Anschaffungsneigung“ auf ein Acht-Jahres-Hoch klettert, ist die von der GfK ermittelte Spar-Neigung unter den 2000 Befragten auf ein „historisches Tief“gesunken. Die Bundesregierung rechnet für 2015 derzeit trotzdem noch mit einer stabilen Spar-Quote von 9,2 Prozent.

Zum Vergleich: Anfang der 90er- Jahre legten die Deutschen noch 13 Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante. Dafür gibt es mehrere Gründe: Die niedrigen Zinsen, Sparen ist nicht mehr attraktiv. Die gute Lage am Arbeitsmarkt, weil mehr Menschen einen sicheren Job haben und dazu neigen, mehr auszugeben. Für 2015 rechnen die Konsumforscher unterm Strich mit Plus beim privaten Konsum von 1,5 Prozent. Das wäre noch mehr als im vergangenen Jahr.