Neutrale Zahlen, auf links gedreht

Die Opposition hat es schwer in Zeiten der Großen Koalition – und das ist nicht gut so. Wer es trotzdem in die Nachrichten schaffen will, stellt eine kleine parlamentarische Anfrage an die Regierung. Meister darin ist die Linke. Zwar erhält sie als Antwort selten mehr, als jeder beim Statistischen Bundesamt nachlesen kann, doch Schlagzeilen wie „immer mehr atypische Beschäftigung“ laufen immer, Sätze wie dieser von Jutta Krellmann auch: „Vollzeit-Jobs kennen junge Leute nur noch aus Erzählungen.“

Entscheidend ist die Fragestellung. Die Linke fragt einmal im Jahr nach der Entwicklung der letzten 20 Jahre. Dass in diesem Zeitraum die Zahl normaler Arbeitsverhältnisse gesunken und die „atypischer“ Jobs (Teilzeit, Befristung, Zeitarbeit, Minijobs) stark gestiegen ist, wird noch lange die korrekte Antwort auf diese Frage sein. Dabei geht glatt unter, dass seit 2012 das Gegenteil stimmt: Atypische Jobs sind auf dem Rückzug, dafür gab es allein 2013 gut 300 000 mehr „Normalarbeitsverhältnisse“. Was ist nun die Nachricht? Der bis 2011 anhaltende Negativ-Trend oder dass er sich ins Positive gedreht hat? Das mag jeder für sich entscheiden, nur muss er dazu auch die Chance erhalten – mit der ganzen Nachricht.