Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Wirtschaft

Neuer Sportwagen aus NRW

11.12.2008 | 21:16 Uhr

Delbrück. (ddp) Der Autobranche geht es schlecht. Und doch gibt es im westfälischen Delbrück (Kreis Paderborn) eine Firma, die sich unverdrossen der Krise entgegenstemmt.

Artega zeigt sich optimistisch: Die Nachfrage nach seinen etwa 75 000 Euro teuren Autos sei groß. (Foto: Steffi Loos/ddp)

Bei Artega rollt seit drei Wochen der neue Sportwagen Artega GT vom Band, der von dem Automobilzulieferer Paragon ersonnen wurde. Während anderswo Schichten gestrichen oder Werksferien verlängert werden, wird bei Artega über eine Zusatzschicht nachgedacht.

Neue Arbeitsplätze nicht ausgeschlossen

"Parallel wollen wir eine zweite Halle gleicher Größe bauen", erklärt Sprecher Matthias Hack. Die Nachfrage - auch aus dem Ausland - sei trotz der gegenwärtigen Krise immens.

Der Artega GT ist dabei nicht einmal ein Gefährt für den schmalen Rezessions-Geldbeutel: Rund 75 000 Euro müssen die Käufer des knapp vier Meter langen Gefährts hinblättern. Dafür bekommt der Besitzer 300 PS, einen 3,6-Liter-V6-Motor und kann in weniger als fünf Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen.

Eigentlich sollte das schnelle Sportgerät nie gebaut werden, ist fast so etwas wie ein "Abfallprodukt". Klaus-Dieter Frers, Vorstandschef des Autozulieferers Paragon, war auf die Idee zur Entwicklung und zum Bau des Luxus-Gefährts gekommen. Der 55-Jährige brauchte ein Referenzobjekt für seine Zulieferprodukte, sozusagen eine fahrende Visitenkarte.

1988 zog Frers in den Güterschuppen des Delbrücker Bahnhofs ein und entwickelte Luftgüte-Sensoren für Autos. Die riegeln die Luftzufuhr ab, wenn es draußen stinkt. Der Erfolg war immens. Paragon machte weiter, stürzte sich auf Elemente im Armaturenbrett und später auf Media-Systeme. Kunden wie Volkswagen, Daimler und Audi gehörten da schon zum festen Kundenstamm.

Um seine Kunden noch besser von den Vorzügen seiner Produkte zu überzeugen, ging Frers auf Brautschau und suchte einen Kleinserienhersteller, wurde allerdings nicht fündig. Weihnachten 2005 beschloss der Unternehmer, es selbst zu versuchen.

Damals war Henrik Fisker, ehemaliger Chef-Designer von BMW und Aston Martin, auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Frers konnte Fisker von seiner Idee überzeugen. Er wollte ein kompaktes Auto in Leichtbauweise mit Alltagstauglichkeit bauen. Der Designer setzte sich ans Zeichenbrett. "Als dann ein Paket mit vier Entwürfen aus den USA hier eintraf, hat Klaus-Dieter Frers sich damit eingeschlossen", erinnert sich Sprecher Hack.

Frers kombinierte frech zwei Entwürfe, bekam sogar das Okay des Designers und auf dem Genfer Autosalon 2007 wurde der Prototyp als Weltpremiere vorgestellt. "Vom Prototypen bis zur Serientauglichkeit dauert es normalerweise fünf bis acht Jahre", erläutert Hack. Das dauerte Klaus-Dieter Frers zu lange.

Weniger als zwei Jahre nach Beginn der Planung rollten im November die ersten Artega GTs vom Band. Ein Auto pro Tag verlässt das Werk. Die steigende Nachfrage könne so aber kaum befriedigt werden, heißt es. Derzeit sind rund 50 Mechaniker mit der Produktion des Artega beschäftigt.

Laut Hack ist es durchaus möglich, dass diese Zahl bald steigt. Eine seltene Ankündigung aus der Auto-Industrie in diesen Tagen.

Von Birgit Müller-Schlieper

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/996994/create

Umfrage
Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

Das Aus für die Drogeriekette Schlecker ist besiegelt. Werden Sie Schlecker vermissen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Das Samsung Galaxy S III
Bildgalerie
Smartphones
Die wertvollsten Marken der Welt
Bildgalerie
Markenvergleich
"Lasst Opel nicht sterben"
Bildgalerie
Opel Bochum
Aus dem Ressort
13.200 Schlecker-Frauen ohne Job - Verdi gibt Politik Schuld
Schlecker
Der Gläubigerausschuss beschließt die Abwicklung des insolventen Unternehmens, da keine wirtschaftliche Perspektive erkennbar sei. 13.200 Beschäftigte verlieren damit endgültig ihren Arbeitsplatz. Gleichzeitig entbrannte ein Streit, wer für die Schlecker-Pleite verantwortlich ist.
Text 43 Kommentare 43
Deutsche Textilfirmen entdecken „made in Marokko“
Mode
Konzerne wie Zara oder Diesel lassen verstärkt ihre T-Shirts und Jeans in Afrika fertigen. Die Vorteile gegenüber China liegen auf der Hand: Es ist preisgünstiger – und schneller. Kritiker sorgen sich allerdings um die Näherinnen.