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Neuer Schock erschüttert Bankenwelt

15.09.2008 | 18:49 Uhr

Dortmund. Neue Hiobsbotschaften schockieren die krisengebeutelte Finanzwelt. Die US-Investmentbank Lehman Brothers steckt im bisher größten Insolvenzverfahren der Vereinigten Staaten. Ihr Rivale Merrill Lynch wurde an die Bank of America notverkauft. ...

Manager Mo Grimeh (l.) arbeitet seit zehn Jahren bei Lehman. Er und 25 000 Beschäftigte mussten jetzt miterleben, wie die US-Investmentbank Insolvenz anmeldete. Lehman hofft, sich unter Aufsicht des Insolvenzrichters zu sanieren. (Foto: C. East/Reuters)

... Und der weltweit zweitgrößte Versicherer AIG taumelt. Der gestrige "Schwarze Montag" gilt als einer der dramatischsten Tage der US-Finanzbranche - und als vorläufiger Höhepunkt der aktuellen weltweiten Finanzmarkt-Turbulenzen. Ein internationales Konsortium zehn großer Banken, darunter auch die Deutsche Bank, verständigte sich auf einen 70 Milliarden Dollar schweren Rettungsfonds.

Auch in Deutschland gab es Opfer

Der Startschuss für eine der größten Finanzkrisen der Geschichte fiel Februar 2007: Die britische Traditionsbank HSBC warnt vor Kreditausfällen in ihrem US-Immobiliengeschäft. Einige Tage später teilt der staatliche US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac mit, keine notleidenden Hypothekendarlehen mehr aufzukaufen. Die Krise nimmt ihren Lauf, auch in Europa.

Wie kam es dazu? Seit 2001 waren die Zinsen in den USA niedrig - und Kredite damit günstig. Viele Amerikaner erfüllten sich auf Pump den Traum vom Eigenheim. Banken und Immobilienfinanzierer gaben auch denjenigen Kredit, die sich eigentlich keinen leisten konnten. Die Nachfrage nach Häusern stieg schneller als das Angebot, die Immobilienpreise explodierten. 2006 war damit Schluss. Steigende Zinsen brachten viele Hausbesitzer in Schwierigkeiten: Sie konnten ihre Raten nicht mehr bezahlen.

Warum bekamen auch Kreditgeber Probleme? In den Boomjahren verkauften Immobilienfinanzierer Kredite weiter - an Banken und Hedgefonds. Diese stückelten die Kredite, mischten gute und schlechte, bündelten sie und verkauften die undurchsichtigen Pakete weiter. So wurden Risiken - hübsch verpackt - in der Welt gestreut, ohne dass jemand eine Ahnung davon hatte, wie gefährlich das ist. Die "sicheren" Geschäfte entpuppten sich als Fiasko, als die Kreditkrise begann. Erst taumelten Hypothekenfinanzierer, dann Banken. Sie mussten Milliarden abschreiben und verbuchten daher teils drastische Verluste. Experten gehen von weltweit über 500 Milliarden Dollar Banken-Abschreibungen aus.

Wann erreichte die Finanzkrise Deutschland? Spätestens im Sommer 2007. Im Juli gab die Mittelstandsbank IKB eine Gewinnwarnung heraus: Sie hatte sich mit US-Ramschanleihen verzockt. Bisher gerieten vor allem öffentlich-rechtliche Institute ins Trudeln - neben der IKB die SachsenLB oder die WestLB. Die Finanzkrise krempelte auch die deutsche Bankenwelt um.

Welche Folgen hat die US-Bankenkrise in Deutschland? Sie wird wohl weitere Milliardenlöcher in die Bilanzen reißen, eine Pleitewelle fürchten Experten aber nicht. Firmen dürften bei Krediten mehr Schwierigkeiten bekommen, da Banken nicht mehr so bereitwillig Geld verleihen und Kredite verteuern dürften.

Bisher meisterten die großen Institute wie die Deutsche Bank die Krise besser als viele Konkurrenten. Sie könnten aus Sicht von Experten zudem gestärkt aus den Turbulenzen hervorgehen, da US-Rivalen geschwächt sind. Die Finanzkrise beschleunigt auch die Neuordnung der deutschen Bankenbranche: In den vergangenen zwei Wochen kaufte die Commerzbank die Dresdner Bank und die Deutsche Bank wurde Haupteignerin der Postbank.

Von Sabine Brendel

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