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Rundfunkgebühren

Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen "Gebührenwucher"

08.01.2013 | 19:19 Uhr
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen "Gebührenwucher"
Viele Betriebe müssen deutlich mehr GEZ-Gebühren zahlen als bisher.Foto: Angelika Warmuth/dpa

Herne.   In der Wirtschaft gibt es Unmut über die neuen Regeln zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Denn zahlreiche Betriebe müssen deutlich mehr zahlen als bisher. Die Deutsche Bahn zum Beispiel rechnet damit, dass statt 2,5 Millionen Euro nun 3,5 Millionen Euro pro Jahr fällig werden.

ARD und ZDF bitten auch Unternehmen wie die Herner Parfümerie Pieper zur Kasse. Rundfunkgebühren in Höhe von 2685 Euro überwies der Familienbetrieb im vergangenen Jahr an die Gebühreneinzugszentrale (GEZ), nun soll ein deutlich höherer Beitrag für die 120 Filialen fällig sein: 9709 Euro. „Eine Steigerung um 362 Prozent – das ist völlig unverständlich“, sagt der zuständige Pieper-Mitarbeiter Heiko Rütjeroth.

Seit dem Jahreswechsel gelten auch für die Wirtschaft neue Regeln für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Eine Folge: Firmen, die viele Mitarbeiter an zahlreichen Standorten beschäftigen, müssen mehr zahlen.

Gebührenreform
GEZ-Gebühr wird reformiert - Was Sie jetzt wissen müssen

Die GEZ-Gebühr wird ab 1. Januar 2013 reformiert. Dann muss jeder zahlen, auch wenn er keinen Fernseher und kein Radio besitzt. Doch warum wird das System überhaupt verändert? Und wie viel muss man in Zukunft zahlen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Im Handel ist der Unmut besonders groß. Von „Gebührenwucher“ ist die Rede. Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, geht davon aus, dass die Belastung bei vielen Betrieben im Schnitt um das Zwei- bis Dreifache steigen wird. Bei einigen Firmen sind die Belastungen noch größer. Die Hagener Douglas-Gruppe (Thalia, Christ, Appelrath-Cüpper, Hussel) zum Beispiel zahlte zuletzt rund 70 000 Euro pro Jahr an die GEZ, nun sollen es rund 393 000 Euro sein. Die Drogeriekette Rossmann stellt sich auf einen Anstieg von 39 500 Euro auf 291 000 Euro ein. Der Textildiscounter Kik zahlte 2012 einen Betrag in fünfstelliger Höhe. „Unser Beitrag wird sich um ein Achtfaches im Vergleich zum Vorjahr erhöhen“, schätzt Kik.

Auch die Deutsche Bahn zahlt drauf

Auch in zahlreichen Handwerksbetrieben droht Ärger. „Das neue Finanzierungssystem belastet viele Unternehmen zusätzlich – insbesondere diejenigen, die keine oder nur wenige Rundfunkgeräte nutzen“, kritisiert Holger Schwannecke vom Zentralverband des Deutschen Handwerks. Konzerne wie die Deutsche Bahn planen ebenfalls zusätzliche Belastungen ein – statt 2,5 Millionen Euro nun 3,5 Millionen Euro pro Jahr.

Doch es gibt auch Firmen, die von den neuen Regeln profitieren. Ein kleiner Handwerksbetrieb mit nur einer Werkhalle und drei Mitarbeitern zum Beispiel zahlt nun ein Drittel des Rundfunkbeitrags: 5,99 Euro pro Monat.

Rundfunkbeitrag
Schwarzseher werden zum Teil erst 2014 zur Kasse gebeten

Ab 1. Januar 2013 ändert sich das System der Rundfunkgebühr. Sie wird nicht mehr pro Fernseher oder Radio gezahlt, sondern für jeden Haushalt einmal pauschal. Einige Verweigerer des neuen Rundfunkbeitrags werden allerdings voraussichtlich erst 2014 zur Kasse gebeten.

Eigentlich sollten die Regeln einfacher werden, doch viele Unternehmer klagen über zu komplizierte Vorgaben. Grundsätzlich gilt: Neben der Zahl der Filialen entscheidet die Größe der Belegschaft an einem jeweiligen Standort. Leiharbeiter sind übrigens dem Betrieb zuzuordnen, der das Personal verleiht. Auch für Firmenwagen wird meist ein Rundfunkbeitrag fällig: Pro Standort ist ein Fahrzeug frei – für jedes weitere werden monatlich 5,99 Euro fällig. Noch sei in vielen Betrieben nicht klar, was künftig für ARD und ZDF fällig wird, sagt Holger Schwannecke. „Spätestens mit der ersten Beitragsrechnung wird sehr viel Unmut erzeugt werden.“ Rossmann hat bereits eine Klage gegen die neuen Regeln eingereicht. Pieper-Mitarbeiter Heiko Rütjeroth sagt: „Wir bezahlen etwas, wofür wir keine Leistung erhalten. In der Regel haben wir keine Radios oder Fernseher in den Filialen, trotzdem sollen wir kräftig zahlen.“

Ulf Meinke



Kommentare
10.01.2013
19:51
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von Karlot | #34

@Formeleins

Stefan Niggemeier, Journalist, auf seiner Blog-Seite:
"Es ist unmöglich, auch nur im Ansatz all die Desinformationen zu dokumentieren oder gar zu berichtigen, die die deutsche Presse in diesen Tagen über die neue Haushaltsabgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitetes kommen jeden Tag neue Unwahrheiten nach."
(Bleibt anzumerken, dass die Desinformation der Medien ja mittlerweile alle Bereiche des öffentlichen Lebens berifft)




10.01.2013
15:43
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von silera | #33

Bloß nicht Aufregen! Das kann man so machen wie bei den Stromkosten . Die Betriebe werden befreit und das Ganze wird auf den Entverbraucher abgeladen. Oder man preist das einfach ein und der Michel zahlt dann auch.

10.01.2013
12:03
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von Formeleins | #32

Das geld fließt nicht unendlich, Kreuzritter.

Es ist gedeckelt,

Aber warum ist die Deckelung so hoch? Weniger ist manchmal mehr.

10.01.2013
11:44
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von sak1 | #31

wo ist anonymus, damit diesen abzockern das handwerk gelegt wird!

10.01.2013
08:29
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von Karlot | #30

Das geld fließt nicht unendlich, Kreuzritter.

Es ist gedeckelt,

Wie wäre es wennn sich die damen u herren mal informierten?

10.01.2013
07:03
Widerrufen Sie heute Ihre Einzugsermächtigung!
von AMSTERDAMNED | #29

Zeigen Sie der GEZ die rote Karte und widerrufen Sie Ihre Einzugsermächtigung.

1 Antwort
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von neuich | #29-1

Schon gemacht, da die Einzugsermächtigung nur für die GEZ gilt nicht für die umbenannte Firma. Und, ich möchte eine monatliche Rechnung bekommen damit ich dann erst das Geld überweisen werde und nicht im voraus oder im nachhinein. jeden Monat nur 17,98 €, nach Rechnungsstellung!

10.01.2013
06:39
Doppelte Abzocke
von dersammler | #28

Diese Gebühr gehört abgeschafft, und wenn eine bestimmte Menge der Bevölkerung sich wehren würde, könnte es auch gelingen, aber der Deutsche ist bequem, er moppert gerne, wehrt sich aber kaum.
Außerdem zahlt ja mittlerweile jeder Arbeitnehmer doppelt, zu Hause und am Arbeitsplatz, wie kann das sein? Wenn ich meine Gebühr als Privatmensch bezahle, habe ich doch das Recht, den ganzen Tag die Öffentlichen zu nutzen, warum muss ich am Arbeitsplatz noch einmal Zahlen??? Könnte vielleicht der Europäische Gerichtshof gegen die doppelte und kriminelle Abzoke helfen?

10.01.2013
06:37
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von xxyz | #27

Dass Rundfunk von der Allgemeinheit bezahlt wird, ist OK. Die jetzige Regelung ist doch nur geschaffen worden, um eine Daseinsberechtigung für die GEZ zu schaffen. Dort wurde das Personal für die Umstellung ja auch noch aufgestockt.

Wenn die Allgemeinheit zahlt (am besten über einen Topf im Haushalt), sollte der Rundfunk aber stark reduziert werden. Es gibt zu viele Programme, die fast keine Zuschauer haben, und es sollen immer mehr werden. Es sind mehr öffentlich rechtliche Journalisten bei den Olympischen Spielen als Athleten. Hier wird das Geld aus dem Fenster geworfen, während überall gespart werden muss. 2 ÖR-Programme reichen.

1 Antwort
Dass Rundfunk von der Allgemeinheit bezahlt wird, ist OK
von Catman55 | #27-1

Nein! Das ist NICHT ok! Vor allem, wenn es eine Gebühr sein soll. Siehe Definition!

10.01.2013
06:15
Deutschland nimmt Sie aus wie eine Weihnachtsgans!
von AMSTERDAMNED | #26

Wir Deutsche im Ausland bleiben davon verschont, wir zahlen auch keine Steuergelder - vl wandern noch mehr Deutsche aus. Wenn Sie nicht auswandern wollen oder können, dann zahlen Sie die GEZ einfach nicht und klagen. Wer keinen Fernseher hat, der sollte auch nichts bezahlen. Wer die Gebühren erst einmal gezahlt hat, bekommt sie natürlich nicht mehr zurück. Deswegen: nicht zahlen und klagen. Wenn man von Ihnen Hundesteuer verlangen würde, obwohl Sie gar keinen Hund haben, dann würden Sie sich ebenfalls wehren. Und Sie würden damit durchkommen. Je mehr Leute sich weigern zu zahlen desto besser. Bleiben Sie hart.

10.01.2013
06:15
Neuer Rundfunkbeitrag - Firmen beklagen
von Meinemal | #25

Es wird so auslaufen wie immer. Damit die Wettbewerbsfähigkeit von Parfümerien, Bäckereien, Golfplätzen gegen die böse ausländische Konkurrenz gewahrt bleibt, wird es H. Rösler und seinen Spendenempfängern irgendein "legaler" Trick einfallen, den normalen Steuerzahler mit weiteren, höheren "GEZ"-Gebühren zu belasten. Vielleicht tauchen irgendwo vorher unbekannte Medienkosten auf, die nur von der tumben, abzockbaren Allgemeinheit bezahlt werden können. Es ist wirklich das Jahrzehnt der "duldsamen Vollverdummung"!

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