Neue Macht bei Thyssen-Krupp

Essen..  Der Einfluss des schwedischen Finanzinvestors Cevian beim Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp wächst. Bei der Hauptversammlung am Freitag in Bochum soll der Cevian-Deutschlandchef Jens Tischendorf (41) neu in den Aufsichtsrat gewählt werden. Gleichzeitig gibt die traditionsreiche Krupp-Stiftung einen von bislang drei Sitzen in dem Kontrollgremium ab. Damit verschieben sich auch die Machtverhältnisse im Konzern.

Mit Spannung wird erwartet, ob Cevian Druck auf das Thyssen-Krupp-Management um Vorstandschef Heinrich Hiesinger ausüben wird. Jedenfalls kann es für den Konzernlenker ungemütlich werden, wenn die Ergebnisse nicht stimmen und Tischendorf im Aufsichtsrat kontrolliert. Auch beim Industriedienstleister Bilfinger war Cevian eingestiegen – mit mehr als 25 Prozent. Im vergangenen Sommer musste Roland Koch den Chefsessel räumen, da er die versprochenen Ziele nicht erreicht hatte.

Dividende: Elf Cent pro Aktie

Bei Thyssen-Krupp ist Cevian immerhin mit mehr als 15 Prozent als Großaktionär beteiligt. Das „Manager Magazin“ berichtet, Tischendorf habe Vorbehalte gegen Hiesingers Verbundkonzept, demzufolge der Konzern vor allem durch die Vernetzung der einzelnen Konzernsparten Aufzüge, Anlagenbau, Autozulieferer, Stahl und Werkstoffhandel besser werden soll. Hiesingers Kalkül lautet: „Die Summe der Teile schafft mehr Wert, als jeder einzelne Geschäftsbereich es jemals könnte.“ Bei Cevian aber gebe es Anhänger der Managementlehre, dass sich Unternehmen auf bestimmte Bereiche fokussieren sollten.

Ob die Zerschlagung von Konzernen auch zum Geschäftsmodell von Cevian gehört? „Nein“, betonte Tischendorf. „Bevor wir investieren, analysieren wir monatelang die Geschäfte der Unternehmen die wir für unterbewertet halten, und messen sie mit den jeweiligen besten Konkurrenten. Dann suchen wir nach Wegen, wie unser Zielunternehmen ebenso gut und erfolgreich werden kann.“ So habe es Cevian auch bei Thyssen-Krupp gemacht.

Zu Hiesingers Arbeit äußert sich Tischendorf lobend. „Wir sind fest überzeugt, dass Thyssen-Krupp im Kern ein erfolgreiches Unternehmen ist, und einige der Weichenstellungen von Herrn Hiesinger und seinem Team schlagen sich ja bereits in besseren Ergebnissen nieder.“ Nach drei verlustreichen Jahren und der wohl schwersten Krise in der Firmengeschichte verdient Thyssen-Krupp nun wieder Geld. Auch eine kleine Dividende soll für die Aktionäre herausspringen: elf Cent je Aktie. Hiesinger ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass sich Thyssen-Krupp noch erheblich steigern muss.

Tischendorf erklärte, Cevian verfolge die Strategie, langfristig in Unternehmen zu investieren. „Wir engagieren uns in Unternehmen in der Regel für fünf bis sieben Jahre und durchaus auch länger“, sagte er. „In dieser Zeit wollen wir die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens steigern, und dies spiegelt sich dann auch irgendwann im Aktienkurs wider.“ Cevian unterscheide sich deutlich von vielen anderen professionellen Anlegern, „für die der Aktienkurs eines Unternehmens nach drei bis sechs Monaten das ausschlaggebende Argument für eine Investition ist“.

Zu den Aufsichtsräten, die zu Vorstandsplänen vor allem Ja und Amen sagen, zählt Tischendorf nicht. „Die deutsche Gesetzgebung sieht umfangreiche Möglichkeiten vor, sich als Aufsichtsrat beratend, aber auch natürlich kontrollierend einzubringen. Dort, wo das vernachlässigt wird, hat das mitunter nicht nur negative Folgen für die Aktionäre, sondern auch für Mitarbeiter und Kunden.“