Neue Hoffnungen für Bochum
18.02.2008 | 12:31 Uhr 2008-02-18T12:31:00+0100
Der Handyhersteller Nokia plant offenbar eine Stiftung für einen Technologiepark. Das könnte ein Baustein für neue Arbeitsplätze in der Region sein. IG Metall: Mehrere Unternehmen haben ernsthaftes Interesse, sich anzusiedeln
Essen. Als der finnische Handyhersteller Nokia vor einem Monat das Aus für sein Bochumer Werk verkündete, da stand eine Region unter Schock. 2300 Stellen sollten wegfallen - und das in einer Stadt, deren Arbeitslosenzahl mit an der Spitze in Westdeutschland steht. Vor allem aber machte sich Wut und Empörung über das erbarmungslose Verhalten Nokias breit. Denn der Konzern ist nicht etwa hoch verschuldet, sondern schrieb 2007 einen sagenhaften Gewinn von 7,2 Milliarden Euro. Zudem gilt das Werk im Ruhrgebiet als profitabel. Aber die Lohnkosten in Rumänien, wohin die Bochumer Handyproduktion wandern soll, sind nun einmal niedriger. Der Gewinn lässt sich so noch steigern. Turbo-Kapitalismus pur an der Ruhr, so der Tenor.
Und das sollten die kühlen Finnen aus dem kalten Norden Europas zu spüren bekommen. Gewaltige Massenproteste gegen die Schließung, Boykottaufrufe seitens der Politik, dramatisch sinkende Handy-Verkaufszahlen für den Mobilfunk-Weltmarktführer - damit hatte Nokia nicht gerechnet. Eigentlich erstaunlich, schließlich hätte das Management nach den wütenden Reaktionen gegen das Aus für den Handyhersteller BenQ Mobile vor einem Jahr gewarnt sein müssen.
So stellte sich dann bei Nokia langsam die Einsicht ein, dass man vielleicht doch von der zunächst knallharten Position abrücken sollte, überhaupt nicht über das Aus für das Bochumer Werk reden zu wollen. Das geschah auch nicht freiwillig, sondern eben aus der Erkenntnis heraus, welch fürchterlicher Imageschaden dem Unternehmen entstanden war. Immerhin kündigte Nokia dann an, großzügige Hilfen für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Beschäftigten leisten zu wollen. Quasi als verspätete "Fürsorgepflicht". Und so ist nun auch der Plan zu verstehen, in den kommenden zwei Wochen eine Stiftung zur Gründung eines Technologieparks in Bochum zu gründen. Was sich Nokia etwas kosten lässt: Es ist von einem Stiftungskapital von 30 bis 50 Millionen Euro die Rede, berichtet das Nachrichtenmagazin Focus.
Zwar wurde die bevorstehende Gründung der Stiftung noch nicht offiziell bestätigt. Die Signale aus dem NRW-Wirtschaftsministerium lassen aber deutlich darauf schließen, dass die Stiftung kommt. Zudem hatte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) bereits am Donnerstag im Wirtschaftsausschuss des Landtags nach Attacken der Opposition gesagt: "Gehen Sie mal davon aus, dass wir nicht pennen."
Ein Technologiepark wäre auch für Wolfgang Nettelstroth, Sprecher der IG Metall in NRW, eine gelungene Sache. "Nokia steht schließlich in der Verantwortung, Ersatzarbeitsplätze zu schaffen", sagte er der WAZ. Dies sei vor allem vor dem Hintergrund zu sehen, dass andere Unternehmen an die Stelle von Nokia treten und die gekündigten Mitarbeiter übernehmen könnten. Sprich: Wo es qualifizierte Kräfte gibt, da siedeln sich Firmen eher an. Und diese Mitarbeiter fänden sich in dem Technologiepark, der die Bochumer Universität mit der Wirtschaft verknüpfen soll.
Wie viele Stellen dadurch erhalten oder gar neu geschaffen werden könnten - darüber wollte der Gewerkschaftssprecher nicht spekulieren. Er betonte jedoch, dass es sich dabei nicht nur um Ingenieurs-Arbeitsplätze handele. "Auch Mitarbeiter aus den Bereichen der Fertigungslinien würden davon profitieren." Schließlich wären auch sie qualifiziert für Unternehmen, die sich in Bochum neu ansiedelten.
Gerüchten zufolge könnten dazu BMW (die WAZ berichtete) oder, nach Informationen des Focus', auch der Autozulieferer Bosch gehören. Sie sollen unter anderem Interesse an der Autoelektronik-Sparte oder der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Nokia in Bochum haben. Zwar dementierten beide Unternehmen mittlerweile nachdrücklich diese Spekulationen. Das könnte aber darauf zurückzuführen sein, dass BMW und Bosch befürchten, ein allzu klar geäußertes Interesse könnte den Preis für die Übernahme erhöhen.
Wolfgang Nettelstroth von der IG Metall ist dennoch zuversichtlich, dass sich in diesem Bereich noch etwas tut. "Es gibt mehrere ernsthafte Interessenten, die Teile des Nokia-Werks übernehmen wollen", sagte er. Daraus müssten die Unternehmen gewählt werden, die am verlässlichsten Arbeitsplätze in der Region erhalten könnten. Dazu müsste Nokia noch einen "sehr fairen" Sozialplan anbieten. Denn: "Wir wollen kein zweites BenQ", so Nettelstroth.

14:21
Anscheinend sind die Finnen mit den Gesandten der Landesregierung schön Schlitten gefahren... sind vielleicht die 40 Mio., die Nokia dem Land schulden soll, die Basis dafür ? D.h. der dämliche deutsche Steuerzahler zahlt 2 mal für den gleichen Sachverhalt, und Nokia spart 2 mal die Steuern... ???
11:09
Technologie Parks scheinen die neuen
Beruhigungszäpfchen zu sein. In Castrop-Rauxel gibts so etwas, in Herne ebenso, in Recklinghausen und demnächst auch auf dem NO kia Gelände. Und was sehe ich dort:
korpulierende Karnickel statt arbeitende Menschen und abends ein
paar junge Menschen, die sich ihre
Technologie Musik mit Super-Bässen reinziehen. Oh tempora, oh mores!
10:18
Jaja,
jetzt kommt eine Technologie-Park-Stiftung die alles heilt.
Gleiches wurde in den 90igern in Duisburg-Rheinhausen auch alles schon versucht. Dort gibt es einen Business-Park. Kurz nachdem die Schließungspläne des Krupp-Hüttenwerks (ebenso nicht in der Verlustzone) bekannt wurden und der Arbeitskampf dort geführt wurde. Was wurde seitens Krupp damals alles versprochen und bis heute gehalten.
Solche Versprechungen sind nur Lippenbekenntnisse, die beschwichtigen sollen und nix anderes.
So Leid es mir auch um die Mitarbeiter von Nokia in Bochum tut, aber helfen wird es den wenigsten!
08:27
Nach Berichten anderer Medien hat Bosch längst dementiert. Weiß da der WAZ Redakteur mehr oder ist er/sie noch von ihrem Wochenendkater beduselt.
Park ist ja gut - interessanter ist ENTSTEHEN neue Arbeitsplätze oder ziehen alte Arbeitsplätze nur in subventionierten Produktionsraum um.