Netflix gewinnt Millionen Kunden – Aktie im Höhenflug

Der Videostreaming-Dienst Netflix gewann im dritten Quartal 2016 3,57 Millionen neue Abonnenten hinzu.
Der Videostreaming-Dienst Netflix gewann im dritten Quartal 2016 3,57 Millionen neue Abonnenten hinzu.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Für Netflix begann das Jahr schwach. Doch nach den ersten neun Monaten überrascht der Streaming-Dienst die Kritiker mit Top-Zahlen.

Berlin..  Seit September treibt Frank Underwood wieder seine Intrigen und Machtspiele im Weißen Haus, zu sehen bei Netflix in der vierten Staffel des Serienhits „House of Cards“. Wie ein Kartenhaus wirkte zuletzt auch Netflix: Das Wachstum geriet ins Stottern, die Vision vom globalen Streaming-Anbieter drohte in sich zusammenzufallen. Doch nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen ist vom drohenden Absturz plötzlich keine Rede mehr. Der Video-Streaming-Dienst konnte im vergangenen Quartal 3,57 Millionen neue Abo-Nutzer gewinnen, über eine Million mehr als erwartet.

„Video-on-Demand“: Filme und Serien über das Internet streamen, wann und wo man will – es ist derzeit die größte Entwicklung in der Fernsehbranche. Vorbei die Zeiten, da man auf die nächste Folge der Lieblingsserie im Fernsehen eine Woche warten musste. Wer will, kann heute über den Computer gleich die ganze neue Staffel am Stück schauen. Nötig ist nur ein Abo bei einem Video-Streaming-Anbieter und der endlose Film- und Serienrausch kann beginnen.

Von der Videothek zum Streaming-Pionier

Populär wurde diese Art, zu schauen durch den US-amerikanischen Anbieter Netflix. Angefangen hatte das Unternehmen aus dem kalifornischen Los Gatos einst als reine Online-Videothek. In roten Umschlägen bekamen die Kunden in den USA ihre DVDs per Post zugeschickt. Mit der rasanten digitalen Entwicklung in den vergangenen Jahren erweiterte Netflix seit 2007 sein Geschäftsmodell um ein Streaming-Angebot fürs Internet.

Abo-Kunden können auf der Plattform seitdem jederzeit und an jedem Ort online Serien und Filme schauen. Befeuert wurde der Hype um Netflix durch eigene Produktionen wie „Orange Is the New Black“, das Serien-Drama über ein US-amerikanisches Frauengefängnis und vor allem das gefeierte „House of Cards“ mit Oscar-Gewinner Kevin Spacey in der Rolle des intriganten US-Präsidenten Frank Underwood.

Machtkampf mit Amazon

Auch in Deutschland schauen immer mehr Menschen Filme und Serien über ihren Computer. Der Branchenverband VPRT spricht von 7,4 Millionen Abonnenten in Deutschland, die für ihre Abos jährlich 2,5 Milliarden Euro ausgeben – Tendenz steigend. Lange Zeit war hierzulande der zu ProSiebenSat.1 gehörende Dienst Maxdome der erfolgreichste Anbieter. Dann stellte Netflix 2014 sein Angebot auch deutschen Kunden zur Verfügung.

Mittlerweile ist auch der Online-Shopping-Riese Amazon mit dem Video-Angebot seines „Prime“-Dienstes auf dem deutschen Markt aktiv. Genau wie Netflix versucht auch das Unternehmen aus Seattle mit aufwendigen Eigenproduktionen zu punkten. Zudem sicherte sich Amazon die Exklusivrechte bei Serien-Hits wie „The Walking Dead“. Auch wenn keiner der Wettbewerber Kundenzahlen für den hiesigen Markt nennt, liegen die beiden amerikanischen Dienste in Deutschland und auch global vorne.

Gute zahlen wischen Sorgen vom Tisch

Dabei musste Netflix zuletzt Rückschläge verkraften. Zwar expandierte der Anbieter 2016 in weitere 130 Länder und ist nun in 190 Staaten verfügbar. Das erwartete Nutzerwachstum aber blieb zunächst aus. Immer fraglicher wurde, wie Netflix die nötigen, aber teuren Eigenproduktionen stemmen will, wenn die Abonnenten wegbleiben.

Mit den Quartalszahlen wischte Netflix-Chef Reed Hastings am Montagabend die Sorgen vom Tisch: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 2,29 Milliarden Dollar; der Gewinn schoss um 75 Prozent auf 51,5 Millionen Dollar hoch. Die Aktie stieg nachbörslich um fast 20 Prozent auf 119,42 Dollar. Damit rückt sie wieder näher zu ihrem Höchststand bei 130 Dollar Ende vergangenen Jahres. Zuletzt ging am Markt die Spekulation um, Netflix könne zum Übernahmeziel für Disney werden – der Dienst zeigte bisher aber keine Interesse an einem Verkauf. Und nach dem starken Abonnentenzuwachs hat der Dienst mit 85 Millionen Nutzern weltweit nun mehr Kunden als die Bundesrepublik Einwohner.