Mr. Nintendo ist tot - Vater der "Wii"-Konsole hatte Krebs

Nintendo-Boss Satoru Iwata  bei der Vorstellung des extrem erfolgreichen Handhelds Nintendo DS im Jahr 2004.
Nintendo-Boss Satoru Iwata bei der Vorstellung des extrem erfolgreichen Handhelds Nintendo DS im Jahr 2004.
Foto: picture-alliance / dpa
Satoru Iwata, Chef des japanischen Unterhaltungskonzerns Nintendo, ist tot. Er erlag mit nur 55 Jahren einem Krebsleiden. "Im Herzen bin ich Gamer".

Essen.. Satoru Iwata ist tot. Der Chef des japanischen Elektronikkonzerns Nintendo erlag einem Krebsleiden. Er wurde nur 55 Jahre alt. „Auf meiner Visitenkarte bin ich Firmenchef, im Geist ein Spiele-Entwickler. Aber im Herzen bin ich ein Gamer“, hatte Iwata 2005 gesagt. Der Nintendo-Präsident steuerte das weltbekannte Unternehmen durch zahlreiche erfolgreiche Jahre. Zuletzt musste der „Spieler“ aber mit ansehen, wie Smartphones und Tablets den von Nintendo produzierten Spielekonsolen den Rang abliefen. Iwatas Tod reißt eine Lücke bei Nintendo. Der Konzern steckt in einer der größten Umbauphasen seiner Un­ternehmensgeschichte.

Seit dem Jahr 2002 an der Nintendo-Spitze

Anders als die Konkurrenz von Sony (Playstation) und Microsoft (Xbox) haben die Japaner mit extrem stark sinkenden Verkaufszahlen bei ihrer früher so erfolgreichen Spielekonsole Wii zu kämpfen. Kostenlose oder extrem günstige Spiele für das Smartphone machen dem Erfinder des Gameboys – noch immer ein Inbegriff für die tragbare Spielekonsole – schwer zu schaffen.

Iwata, der seit 2002 Nintendo führte, wird diese Entwicklung ganz besonders geschmerzt haben. Denn die Wii war sein Baby. Unter seiner Führung brachte Nintendo die erfolgreiche Spielekonsole 2006 auf den Markt. Sie war die erste, die mithilfe von Sensoren Bewegungen umsetzen konnte und die die Figuren in den Videospielen so zum Leben erweckte. Die Wii verkaufte sich wie geschnitten Brot. Über 100 Millionen Mal ging sie weltweit über die Ladentheke – und das, obwohl sie den damaligen Modellen der Konkurrenz technisch hoffnungslos unterlegen war. Der Nachfolger Wii U konnte an diesen Erfolg nicht anknüpfen. Und auch das Handgerät Nintendo 3DS leidet seit seinem Erscheinen unter dem Siegeszug von Smartphone, Tablet-Computer und Co. Nur wenige Käufer wollen gut 200 Euro für eine mobile Spielekonsole ausgeben und dann noch einmal für jedes Spiel tief in die Tasche greifen, wenn sie auf dem Handy ein ähnliches Spieleerlebnis zum deutlich günstigeren Preis haben können.

Spieleentwickler Iwata wollte das lange nicht wahrhaben. Sein Unternehmen machte über drei Jahre Verluste, bis es im Mai endlich in die Gewinnzone zurückkehrte. Auch, weil der Nintendo-Boss seinen Widerstand gegen das Smartphone aufgab und den Konzern auf einen neuen Kurs einschwor. Nintendo will künftig nicht mehr nur Spielekonsolen entwickeln und verkaufen, sondern auch seine margenträchtigen Spielelizenzen auf dem Smartphone vermarkten. Bislang sucht man die Nintendo-Helden Super Mario und Donkey Kong nämlich noch vergebens auf Handys mit Apple- und Google-System.

Neue Konsole in der Entwicklung

Helfen soll Nintendo dabei der Spieleentwickler DeNa, mit dem die Japaner im März dieses Jahres eine weitreichende Zusammenarbeit vereinbarten. Der Konzern ist einer der größten japanischen Anbieter von populären Internet-Spielen. Nintendo und DeNa wollen eine Online-Plattform etablieren, die auf allen möglichen Geräten vom PC bis zur Spielekonsole laufen soll. Wer dort künftig daddeln möchte, muss ein Abo abschließen.

Satoru Iwata wäre aber nicht Satoru Iwata, wenn er Fans seiner Firma nicht auch eine Kleinigkeit mitzuteilen gehabt hätte. Sein Konzern, betonte der Nintendo-Chef bei der Bekanntgabe des DeNa-­Deals, arbeite schon an der nächsten Generation einer Spielekonsole. Iwata, der im Herzen ein Gamer war, wird sie nicht mehr ausprobieren dürfen...

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