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Mittelstandsanleihe soll Modehaus-Kette Boecker wachsen lassen

15.06.2012 | 19:33 Uhr
Mittelstandsanleihe soll Modehaus-Kette Boecker wachsen lassen
Das Boecker-Filialnetz soll wachsen, der Umsatz bis 2016 verdoppelt werden.Foto: Michael Printz / PRINTZ.NET

Bergkamen.   Das Modehandelsunternehmen Steilmann-Boecker mit Sitz in Bergkamen will sich 30 Millionen Euro über eine Anleihe verschaffen. Gut 15 Millionen sind schon zusammen gekommen.

Das Modeunternehmen Steilmann-Boecker will mit Tempo wachsen. „In drei bis vier Jahren wollen wir unseren Umsatz verdoppelt haben“, sagt Geschäftsführer Michele Puller. In absehbarer Zeit sollen drei bis vier neue Filialen eröffnet werden, eine davon möglicherweise in Hagen.

Das mag Puller, in Personalunion auch Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Steilmann Holding AG, noch nicht definitiv bestätigen. Nur so viel: „Wir versuchen wieder da zu sein, wo Boecker bereits einmal war.“ Und es soll in der Tat in Nachbarschaft zu Dortmund sein. Erst im Dezember 2011 hat Boecker in Göttingen ein neues Haus eröffnet. Trotz der bereits eingerechneten Kosten blieb nach eigenen Angaben am Ende des Geschäftsjahres bei 56 Millionen Euro Umsatz ein Überschuss von zwei Millionen Euro. Eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

Das Unternehmen möchte aber weit mehr ins das Projekt Wachstum stecken – rund 20 Millionen Euro. Rund 10 Millionen Euro sollen als frei verfügbare Liquidität dienen, zum Beispiel um bei Händler Skonti zu bekommen.

Viel Geld, dass es sich gerade mit Hilfe einer Mittelstandsanleihe beschafft. Seit letztem Montag kann mit mindestens 1000 Euro gezeichnet werden. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre, die Verzinsung 6,75 Prozent. So hoch wie jüngst bei einem Profifußballclub aus dem Revier, dessen Namen das BVB-Wirtschaftsratsmitglied sogar nennt: „Das ist etwas anderes. Schalke ist Schalke und das ist eben Fußball“, sagt der Norditaliener Puller, der nebenbei bemerkt an den Titelgewinn der Deutschen bei der Euro 2012 glaubt. Der S04 wollte 50 Millionen Euro auf diesem Weg zusammenbekommen. Rund 35 Millionen sind es geworden.

Bis 2011 Miro Radici AG

Steilmann-Boecker ist Teil der Steilmann Holding AG (Bergkamen), bis 2011 Radici.

2005 wurde die insolvente Kette Boecker, 2006 Steilmann übernommen.

Aktuell gibt es 10 Boecker-Filialen und 5 Fashion-Shops mit Direktverkauf (Gelsenkirchen, Herne, Bergkamen, Süddtl.)

Bei Steilmann-Boecker scheint die Taktik Mittelstandsanleihe mindestens ebenso aufzugehen. In nur vier Tagen sei mehr als die Hälfte gezeichnet worden, also über 15 Millionen bereits zusammengekommen. „Wir sind damit sehr zufrieden“, sagt Puller mit Blick auf den Wahlsonntag in Griechenland. Selbst gestern sei das Papier an der Frankfurter Börse gut nachgefragt worden, obwohl es nicht gerade die Tage neuer Wertpapiere sind. Noch bis zum 25 Juni läuft die Anleihe, vorausgesetzt die 30 Millionen sind nicht vorher erreicht.

Dass Steilmann-Boecker sich Geld auf diesem Weg beschafft, hat nichts mit der Bonität zu tun. Ein „BBB“-Rating, keine nennenswerten Verbindlichkeiten und eine Eigenkapitalquote von 35 Prozent. Dazu gegenüber dem Vorjahr laut Geschäftsführer leicht verbesserte Umsätze. Vorzeigbar. Warum also nicht zur Bank gehen? „Das wäre sogar billiger gewesen“, behauptet Puller. Aber er glaubt offenbar nicht mehr uneingeschränkt an die Redewendung „sicher wie eine Bank“. „Wir wollten diversifizieren“ , erklärt der Modeunternehmer. Im Wesentlichen pflegt die Holding übrigens Geschäftsbeziehungen zu italienischen Banken.

Jens Helmecke



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