Mitarbeiter-Ideen kommen bei Unternehmen oft zu kurz
14.02.2010 | 22:21 Uhr 2010-02-14T22:21:00+0100
Essen.Durch ein besseres Vorschlagswesen können Betriebe in Deutschland mitunter Millionen Euro sparen. Experten kritisieren, dass viele Firmen das Ideen-Potential ihrer Mitarbeiter noch nicht nutzen. Besser machen es ThyssenKrupp und Evonik.
Die besten Ideen hat Rainer Evers oft nachts um drei. Doch auch am Arbeitsplatz zeichnet sich der Mess- und Regeltechnikmeister von ThyssenKrupp in Duisburg durch einen wachen Blick aus: Er hatte dort einen Einfall, der seinem Arbeitgeber Millioneneinsparungen bringt.
Nicht nur ThyssenKrupp profitiert von guten Mitarbeiter-Ideen. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft konnten Unternehmen in Deutschland 2008 im Rahmen des „Betrieblichen Vorschlagswesens“ rund 1,5 Milliarden Euro sparen – 162 Millionen Euro flossen als Mitarbeiterprämien. Die Zahlen für 2009 liegen erst in ein paar Monaten vor.
Die Idee von Evers ist das Ergebnis guter Beobachtung. Der Technikmeister arbeitet in der Gießwalzanlage, wo Brammen (dicke Stahlbänder) zu Blech verarbeitet werden. Dabei müssen die Brammen glühend heiß bleiben und werden über Rollen transportiert. Die mit einem Stahlmantel umhüllte Isolierung der wassergekühlten Rollen bröckelte aber schnell, es musste zudem nachgeheizt werden.
Prämie von 534 000 Euro
Evers dachte nach. Und entwickelte ein Verfahren, bei dem er die Isolierung in Form von Ringen auf die Rollen brachte, die nun besser greifen. Jetzt müssen die Rollen viel seltener ausgetauscht werden – ThyssenKrupp spart jedes Jahr rund 1,6 Millionen Euro an Materialausgaben, hinzu kommen geringere Energiekosten. Das zahlte sich nicht nur für das Unternehmen aus: Evers bekam eine satte Prämie.
Oft honorieren Unternehmen die Verbesserungsvorschläge mit bis zu 25 Prozent der errechneten Einsparungen für das erste Jahr. Für ThyssenKrupp ergaben sich durch eingereichte Mitarbeiter-Ideen für 2008 „wirtschaftliche Vorteile von 30 Millionen Euro“.
Gute Einfälle können dem Ideengeber locker ein paar hunderttausend Euro bescheren, berichtet das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft (DIB). „2008 betrug die höchste Prämie im Betrieblichen Vorschlagswesen 534 000 Euro. Insgesamt haben Mitarbeiter in dem Jahr 1,38 Millionen Ideen eingereicht“, sagt DIB-Expertin Christiane Kersting. Die Potenziale seien noch deutlich größer, zumal es in vielen Betrieben keine zentrale Stelle für Verbesserungsvorschläge gebe. Kersting: „Firmen in Deutschland könnten jedes Jahr gut 25 Milliarden Euro mehr einsparen, wenn sich alle Mitarbeiter Gedanken machen würden, was man am Arbeitsplatz verbessern könnte.“ Kersting rät Firmen, die Beschäftigten zu Vorschlägen zu ermuntern.
Kreativ tun sich da Mitarbeiter aus dem Ruhrgebiet hervor. So wurde Christoph Groenick, Mitarbeiter des Essener Evonik-Konzerns, 2008 als bester „Vorschlagsautor“ Deutschlands im Bereich Energie ausgezeichnet. Er arbeitet im Kraftwerk Voerde und hat eine Technik entwickelt, um Rohre schneller zu verbinden. Dafür wird eine Nut in das Rohrende eingedrückt, darüber kommt eine Schelle, die mit anderen Rohren problemlos verbunden wird. „So können Rohre schneller montiert werden, da sie nicht mehr geschweißt werden müssen“, erläutert Thomas Bernemann, Leiter des Betrieblichen Vorschlagswesens im Geschäftsfeld Energie bei Evonik. Insgesamt hätten die 2400 Mitarbeiter dort 2789 Vorschläge eingereicht. „Dadurch haben wir 2008 allein in Kraftwerken an Rhein und Ruhr 3,9 Millionen Euro eingespart und 560 000 Euro an Prämien ausgezahlt.“

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22:52
Brammen sind dicke Stahlbänder.
Ja - nee is klar - und die WAZ ist ein Zeitung.
00:13
@1. Die Dicke und Länge sind vom gewünschten Gewicht des Bandes abhängig