Mit Franken verzockt - Lünen droht Millionenverlust

Die Abkoppelung des Franken von dem Euro hat weltweit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst.  Oliver Berg
Die Abkoppelung des Franken von dem Euro hat weltweit Turbulenzen an den Finanzmärkten ausgelöst. Oliver Berg
Was wir bereits wissen
Die Stadt Lünen sitzt auf einem finanziellen Pulverfass: Ende Januar muss sie einen Kredit über fast 40 Millionen Schweizer Franken zurückzahlen.

Lünen.. Der Stadt Lünen sitzt auf einem finanziellen Pulverfass: Schon Ende Januar muss sie einen fünf Jahre alten Kredit über fast 40 Millionen Schweizer Franken zurückzahlen. Auf Basis des aktuellen Wechselkurses wäre das ein riesiges Verlustgeschäft.

Auf 14,4 Millionen Euro bezifferte Kämmerer Uwe Quitter auf Anfrage den drohenden Verlust aus diesem Kredit. Die Rechnung dahinter: Als der Kredit im März 2010 abgeschlossen wurde, hatten die 39.377.500 Schweizer Franken (CHF) einen Gegenwert von rund 25 Millionen Euro. Denn der Wechselkurs lag laut Stadt damals bei 1,57551 CHF.

Am 15. Januar 2015 dann der Schock: Nachdem die Schweizer Notenbank den Wechselkurs zum Euro überraschend freigab, den sie bis dahin bei 1,20 CHF stabil gehalten hatte, fiel der Kurs bis auf etwa 1:1. Das heißt: Um den Kredit über 39,4 Millionen Schweizer Franken abzulösen, müsste die Stadt auch etwa 39,4 Millionen Euro aufwenden. Zinsen noch gar nicht eingerechnet.

Über Kreditverlängerung verhandeln

Kommunen Lünens Kämmerer Uwe Quitter hofft, dass es nicht so weit kommt. Am Montag beschloss der Verwaltungsvorstand der Stadt Lünen, über eine Kreditverlängerung zu verhandeln. "Wir möchten natürlich so lange wie möglich verlängern und hoffen auch, faire Konditionen zu erhalten", so Quitter.

Ein zweiter Kredit über 25,64 Millionen Schweizer Franken wird zum 15. Juli 2015 fällig. Auch diesen möchte die Stadt verlängern. Ansonsten droht aus diesem Kredit ein Verlust von 5,6 Millionen Euro, auf Basis des aktuellen Wechselkurses. Im Mai 2011, bei Abschluss des Vertrages, belief sich die Kreditsumme in Euro auf 20 Millionen. Der Wechselkurs betrug damals 1,282 CHF, so die Stadt.

Kein Einzelfall

Die Idee hinter diesen Geschäften: Die Zinssätze für die Kredite in Schweizer Franken lagen laut Quitter um etwa 1 Prozent niedriger als sie es für Euro-Kredite gewesen wären. Die klamme Stadt Lünen spekulierte, wie viele andere Kommunen auch, auf deutliche Zins-Ersparnisse gegenüber Krediten in Euro. Das habe auch über viele Jahre funktioniert, sagte Quitter. Bis das Wechselkursrisiko die betroffenen Kommunen einholte. Er wolle daher auch seinem Vorgänger im Amt, der die Verträge schloss, keinerlei Vorwürfe machen, betonte Lünens Kämmerer.